“Das Lied vom Anstreicher Hitler”

TS, 17. Mai 2008, 18:21
2008
Mai 17

75. Jahrestag der Bücherverbrennung: Thorsten Stelzner und Monte Jaffe zu Gast

Von Bettina Jaeschke / Wolfsburger Nachrichten

Am 10. Mai 1933 brannten die Scheiterhaufen mit der von den Nazis verfemten Literatur. Dem 75 Jahrestag der Bücherverbrennung wurde Donnerstagabend in der Stadtbibliothek im Alvar-Aalto-Kulturhaus gedacht. Etwa 40 Gäste kamen. “Verbrannte Dichter – verfemte Komponisten” lautete das Motto des Abends. Da der 10. Mai auf einen Pfingstfeiertag fiel, fand die Veranstaltung erst am 15. Mai statt. Zu Gast waren der Braunschweiger Lyriker Thorsten Stelzner und der amerikanische Bass Monte Jaffe. Auf Einladung der veranstaltenden Bibliotheksgesellschaft Wolfsburg stellten beide Texte und Lieder “Wider das Vergessen vor” vor. Mit zwei Gesangseinlagen stimmte Monte Jaffe die Besucher auf die Veranstaltung ein. Mit einem Stück aus George Gershwins “Porgy and Bess” begann er. Mit den Fingern schnippend, stellte er sich in den Raum und zeigte sein großes Können. “Impossible Dream” lautete der Titel seines zweiten Songs. “Jetzt erzähle ich von einem Traum, von einem Mann, der Don Quichotte heißt”, kündigte er das Stück an.

Dichter wie Kurt Tuckolsky, Erich Kästner und Joachim Ringelnatz, wieder ins Gedächtnis der Zuhörer zu rufen, hatte sich der politische Lyriker Thorsten Stelzner als Ziel gesetzt. Er las unter anderem Tucholskys “Deutsche Pleite”´, Franz Werfels “Lied vom Gezeichneten” und Bertolt Brechts ” Das Lied vom Anstreicher Hitler” vor. Die lyrischen Werke erinnerten an vergangene Zeiten, regten zum nachdenken an und ließen die Besucher gespannt lauschen. Stelzners Beiträge wechselten sich mit denen von Jaffe ab. Der Künstler, der auch schon als Opernsänger in Tel Aviv, Warschau und London auftrat, unterhielt die Besucher jedoch nicht nur mit Gesang. Zwischen seinen Stücken erzählte er auch immer wieder und nahm Bezug auf die Geschichte des Nazionalsozialismus und der Bücherverbrennung. ” Unser Feind ist der Hass”, erklärte er : ” Doch der Hass hat in Deutschland ein politisches Zuhause. Die Faschisten haben neun Millionen Menschen ermordet. Trotzdem ist Faschismus in Deutschland immer noch akzeptiert.”