Clicclac Februar

TS, 12. Januar 2009, 12:11
2009
Jan 12

Vorsätzliches Versagen

Neues Jahr, neues Glück, es führt eh kein Weg zurück!

Nun ist der erste Monat ja schon gelaufen und seien wir mal ehrlich, die guten Vorsätze haben wir längst schon wieder über den Haufen geschmissen. Die erste Zigarette haben wir doch schon wieder heimlich auf dem Klo verdampft und die Süßigkeiten, die da noch von Weihnachten rum lagen, waren zum Wegschmeißen ja auch zu schade. Die Waage wird morgens strafend ignoriert und das Bier, man kann ja auch nicht auf alles verzichten und bei dem Wetter extra los ins Fitness-Studio, das ist doch Wahnsinn, bei den Straßenverhältnissen.

Geht doch, ging doch eigentlich letztes Jahr auch ganz gut so, warum denn etwas ändern, wenn sonst alles bleibt, wie es ist.

Ich versteh sowieso nicht, warum der Mensch sich ständig selbst kasteit, er wird doch so schon oft genug in das gesellschaftliche Korsett gezwängt, warum dann der Drang sich selbst auch noch zu kontrollieren?

Wie wäre es denn mal mit folgender Alternative: Nehmen wir uns doch einfach mal was vor, was wir auch ohne größere Schwierigkeiten durchziehen können, das ist dann auch nicht so frustrierend und die kleinen Erfolge machen doch auch glücklich.

Ein paar Vorschläge hätte ich da auch schon mal im petto – dieses Jahr:

Beim Mülltrennen mal nicht ganz so gewissenhaft sein, mal ein klein bisschen Plastik in den Biomüll.

Omma nicht ganz so oft im Altenheim besuchen,

weniger Zeit mit den Kindern verbringen,

das ehrenamtliche Engagement mal etwas schleifen lassen,

dem Chef mal nicht sagen, dass er ein Arsch ist,

mal nix gegen die Klimaerwärmung tun,

auf keinen Fall zur Krebsvorsorge gehen,

nicht die Bank oder den Stromanbieter wechseln,

Bildzeitung lesen,

bei der nächsten Wahl das Kreuzchen wieder da machen, wo wir es immer machen,

auf keinen Fall politisch einmischen…

Das könnte doch klappen, oder!? Dann kann man sich am Jahresende erleichtert und stolz auf die Schulter kloppen. – „Durchgezogen dieses Jahr, spitze!”

Wem das zu simpel ist, für den hätte ich noch eine Steigerung auf Lager, nehmen wir uns doch mal was vor, von dem wir dann am Ende froh und glücklich sein können, es nicht geschafft zu haben:

Einmal als Geisterfahrer über die A2 fahren,

freiwillig melden für den Einsatz in Afghanistan,

immer die Wahrheit sagen,

ausschließlich RTL und RTL II gucken,

nur noch hochprozentiges  trinken,

freundlich sein zu Call-Center-Anrufern,

spenden sammeln für die Partei des Herzens,

Fremdgehen, scheiden lassen, alles hinschmeißen, auswandern  usw.

Da gibt es ja nun einiges, das muss aber letztlich auch jeder selbst für sich entscheiden, bei welchem vorsätzlichen Versagen er sich am Jahresende erleichtert und selbstgefällig zuprosten will und mit einem Stossseufzer in die Silvesternacht hinein feststellen darf: „Man gut, dass ich so labil bin, wo wären wir jetzt, wenn ich dieses Jahr konsequent geblieben wäre? – Frohes neues Jahr, mein Lieber, bleib´ so wie du bist!”

Clicclac-Ratgeber Geburtstag

TS, 12. Januar 2009, 12:02
2009
Jan 12

Happy Event

Früher, ja, früher war alles besser. Nur schade, dass die, die heute dran sind, das nicht wissen können, es ist ihnen auch schlichtweg egal. Heute ist jetzt und jetzt macht man das so, wie man das heute eben so macht. Geburtstag feiern zum Beispiel.

Früher: Mein Geburtstag, egal welcher, ich kann mich entweder nur noch an einen erinnern, oder aber die waren alle irgendwie gleich: Vier beste Freunde, ein Kuchen, Kerzen drauf, Kanne Kakao, draußen auf der Terrasse, im Garten Topfschlagen und spielen, einfach spielen, mit den neuen Spielsachen, Cowboy und Indianer, Fischer-Technik, Lego, Big-Jim, Märklin-Eisenbahn und …. Ende!

Heute: Mein Sohn – er hat in zwei Wochen Geburtstag – wächst in Timmerlah aufm Dorfe auf, ist hier in den Kindergarten gegangen, geht in die zweite Klasse der Dorf-Grundschule, spielt Fußball und Handball und mit jeder weiteren Entwicklungsstufe oder Aktivität vergrößert sich der Freundeskreis, das ist schön für meinen Sohn. Was es für uns ist, klären wir gleich.

Schon die Antwort auf die Frage: „Wen willst du denn eigentlich einladen?” erklärt vieles: „Alle!“. Alle, das sind sehr viele, mehr als in einen Kleinbus passen, aber gerade noch zu wenig für einen Sonderzug.

Was bei uns noch erschwerend hinzu kommt: Einige der Bengels, die er einlädt, haben Schwestern und er hat auch eine, Diese Schwestern waren zusammen im Kindergarten und in der Grundschule. Wenn dann also der Bruder Geburtstag feiert, dann kann das schon mal vorkommen, dass die älteren Mädels ihre jüngeren Brüder vorbei bringen, ob das nun vorsätzlich geschieht, weiß ich nicht, aber wenn die dann an der Tür stehen, tönt es aus unserem Flur: „Können Lotte und Lelly auch hier bleiben?” Somit erhöht sich oft die Personenzahl noch mal um die der Schwestern der Brüder.

Wenn nun also das halbe Dorf Geburtstag feiert, dann ist selbst so ein Reihenendhaus zu klein. Dann ist man gezwungen, so ein Stadteilfest schon mal auszulagern, also sollte man sich schon früh genug Gedanken machen. „Wo feiern wir dieses Jahr das Volksfest anlässlich des Geburtstages unseres jüngsten Sohnes?“ Und da gehen uns aber so langsam auch die Möglichkeiten aus, denn wie gesagt, einfach nur so feiern, Kakao, Kuchen und neues Spielzeug kaputtmachen, das reicht ja heute nicht mehr aus. Meistens folgt sofort auf die Einladung zu einer Geburtstagsfeier die Gegenfrage: „Und was macht ihr so, sollen wir den Kindersitz mitbringen?” oder  „Wo sollen wir die Kinder abholen, bringt ihr die nach Hause, sollen sie Turnschuhe, Schlafsack oder die Bahn-Card mitbringen?” Geburtstage werden zu Events, zu Adventure-Games, da werden Konzepte entwickelt, strategisch wird geplant, wie man das, was die anderen gemacht haben, noch übertreffen kann. Nicht auszudenken, die Kinder kämen mal von einem Geburtstag nach Hause und würden auf die Frage: „Na, was habt ihr denn schönes  gemacht?” einfach nur mit einem glücklich zufriedenen Lächeln antworten:  „Wir, wir haben gespielt.“ Nein, nein, kommt gar nicht in Frage, was sollen denn da die Leute denken?

Also, dieses Jahr keinen Kindersitz mitbringen, sondern Impfpass und Kinderausweis. Wir fliegen die Truppe mit der Concorde nach Las Vegas, drücken jedem einen Satz Tausenddollarchips in die Hand und wenn sie dann die Kohle verzockt haben, jetten wir noch schnell nach Disneyland, übernachten da drei Tage und schippern ganz entspannt mit der Queen-Marie wieder zurück. Ich weiß, das klingt ein bisschen wie ne Notlösung.  Ist auch eine, für die Weltumseglung mit Rüdiger Nehberg mit anschließender Jagd auf den Yeti und dem Schlittenhunderennen am Pol mit abschließender Eisbärenfütterung, waren wir dieses Jahr zu spät dran, aber da sind wir jetzt auf der Warteliste. Wenn es nächstes Jahr keine Eisbären mehr gibt, dann wird’s natürlich eng. Dann müssen wir vielleicht doch auf den Flug zur ISS ausweichen.

“Ja, früher!” Heute ist das früher von morgen und die, die im heute von übermorgen alt werden, werden vielleicht sagen: „ Ja, früher, war alles besser, jetzt sitzen wir hier bei ner Kanne Kakao und damals haben die noch richtig gefeiert.“

Ihr Thorsten Stelzner