Gott gesehen?

TS, 30. Dezember 2009, 12:00
2009
Dez 30

Hat hier jemand Gott gesehen? Ich mein´ den aktuellen,
zu dem sie sonntags beten gehen und dem sie Fragen stellen.
Hat ihn irgendwer getroffen? Das könnte mir schon helfen –
es geht mir mit dem lieben Gott wie mit den Zauberelfen.
Ich glaub nicht dran, ich kann das nicht, mir fehlt die Phantasie,
für mich heißt glauben, ich denke nicht, und das konnt´ ich noch nie.

Ich kann ihn mir nicht vorstellen, als alten Mann mit Bart,
der, nur um uns zu imponieren, sich mit Maria paart,
der seinen Sohn ans Kreuz hau´n lässt und zusieht wie der stirbt,
und dann bei uns mit den Geboten für Nächstenliebe wirbt.
Das klingt für mich schon schizophren, doch damit nicht genug,
er lässt auch zu, dass sie uns führ´n nur durch Lug und Trug.

Ich kann es mir nicht vorstellen, dass er den Papst berufen hat
und den tatsächlich leben lässt in seiner eignen Stadt,
mit Garde und mit Sänfte und mit ´nem Papstmobil.
Nee wirklich, meine Brüder, das ist ´n bisschen viel,
dass er das alles akzeptiert, den Prunk, den Protz, den Glanz,
das Niederknien, das Ringeküssen, den ganzen Firlefanz.

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Der Weihnachtsmann geht in Rente.

Der Weihnachtsmann, der Weihnachtsmann,
der ruft am Heiligmorgen an:
„Ich kann nicht mehr, ich fühl’ mich schlapp,
ich krieg’ die Viecher nicht auf Trab.
Der Schlitten morsch, die Kufen rostig,
der Wind zu steif und viel zu frostig,
es reicht jetzt hin, ich hab’ genug,
ich annulliere jetzt den Flug.

Denn überhaupt, auch der Verkehr,
es ist verdammt schon lange her,
da hatt´ den Himmel ich für mich.
Doch jetzt, oh Mensch, ich bitte dich:
Nun sieh es ein, es geht nicht mehr,
ihr fliegt jetzt selber kreuz und quer,
stresst mir die Tiere, macht sie scheu,
die fressen nicht mal mehr ihr Heu.
Weil sie wissen: „Wir sind out!“
Es ist für sie auch viel zu laut.
Raketen, Düsenjets mit Überschall
Airbus, Boing – habt ihr ´nen Knall?!
Wie soll man da den Schlitten lenken?
Ihr solltet auch mal an uns denken.

Doch ihr, ihr denkt schon lang nicht mehr,
ihr jammert ständig hinterher.
Ich hab es satt, die Schnauze voll,
ich weiss auch gar nicht, was das soll:
September in der Innenstadt,
macht ihr die Weihnachtsstimmung platt.
In jedem Center, jeder Butze
steht schon einer mit Kaputze,
mit Glatze oder Wattebart,
in Vollmilch oder bitterzart,
Milka, Sprengel, Kinder, Lindt
was glaubt ihr eigentlich, was wir sind?!
Staffage für die Zuckerbäcker,
innen hohl, aber sooo lecker?

Wisst ihr wie sehr das schmerzt
wenn ihr in eurer Werbung scherzt,
dass Weihnacht ist, wenn Cola kommt?
Die kommen dann tatsächlich prompt
mit einem ries´gen Ami-Truck.
Da schleppt nicht einer mehr den Sack.
Warum denn auch, es geht so schnell,
mit UPS und DHL …

Was waren das für schöne Zeiten,
auf Kufen über Wolken gleiten,
den Sack geschultert, von Kind zu Kind,
wobei das jetzt auch vielmehr sind.
Milliarden wurden aus Millionen,
die auf dem ganzen Globus wohnen.
Nehmt´s mir nicht krumm, für mich ist klar,
dass das hier meine Kündigung war.

Ich wünsch` euch allen nur das Beste,
viel Geschenke , frohe Feste,
Gänsebraten oder Ente…“

Der Weihnachtsmann,
ab jetzt in Rente!

23.Türchen

TS, 23. Dezember 2009, 05:23
2009
Dez 23

SCHEISSTAG

War das wirklich so ein Scheißtag,
weil dein Auto nicht ansprang,
war das wirklich so beschissen
in der U-Bahn – letzte Bank,
war das wirklich denn so stressig,
diese 30 Schritt zu Fuß,
reichen diese Schwierigkeiten,
wirklich für den Blues?

War das wirklich so ein Hammer,
dass kein Kaffee mehr da war,
und war das echt die Katastrophe
mit der Suppe und dem Haar,
war das dann bei Aldi
wirklich so extrem,
diese vollen fünf Minuten
in der Schlange rumzustehen?

War `n das wirklich alles Gründe,
über diesen Tag zu fluchen,
was spricht denn dagegen,
wenn die Eltern dich besuchen,
ist das wirklich nicht zu schaffen,
auch diesen Tag zu schätzen,
muss man ihn tatsächlich
wegen solchem Mist zerfetzen?

War das nicht ein Tag wie jeder,
mit genug Essen im Schrank,
war denn irgendwer in deiner Nähe
heute sterbenskrank,
ist das nicht ein schöner Tag,
den du am Leben bist,
hättest du nicht diesen Tag
am Ende auch vermisst?

Waren da nicht ganz andere Tage,
heut´ auf dieser Welt?

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Das Trauerspiel von Afghanistan

TS, 22. Dezember 2009, 07:58
2009
Dez 22

 

Der Schnee leis stäubend vom Himmel fällt,
Ein Reiter vor Dschellalabad hält,
"Wer da!" – "Ein britischer Reitersmann,
Bringe Botschaft aus Afghanistan."

Afghanistan! Er sprach es so matt;
Es umdrängt den Reiter die halbe Stadt,
Sir Robert Sale, der Kommandant,
Hebt ihn vom Rosse mit eigener Hand.

Sie führen ins steinerne Wachthaus ihn,
Sie setzen ihn nieder an den Kamin,
Wie wärmt ihn das Feuer, wie labt ihn das Licht,
Er atmet hoch auf und dankt und spricht:

"Wir waren dreizehntausend Mann,
Von Kabul unser Zug begann,
Soldaten, Führer, Weib und Kind,
Erstarrt, erschlagen, verraten sind.

Zersprengt ist unser ganzes Heer,
Was lebt, irrt draußen in Nacht umher,
Mir hat ein Gott die Rettung gegönnt,
Seht zu, ob den Rest ihr retten könnt."

Sir Robert stieg auf den Festungswall,
Offiziere, Soldaten folgten ihm all’,
Sir Robert sprach: "Der Schnee fällt dicht,
Die uns suchen, sie können uns finden nicht.

Sie irren wie Blinde und sind uns so nah,
So lasst sie’s hören, dass wir da,
Stimmt an ein Lied von Heimat und Haus,
Trompeter blast in die Nacht hinaus!"

Da huben sie an und sie wurden’s nicht müd’,
Durch die Nacht hin klang es Lied um Lied,
Erst englische Lieder mit fröhlichem Klang,
Dann Hochlandslieder wie Klagegesang.

Sie bliesen die Nacht und über den Tag,
Laut, wie nur die Liebe rufen mag,
Sie bliesen – es kam die zweite Nacht,
Umsonst, dass ihr ruft, umsonst, dass ihr wacht.

"Die hören sollen, sie hören nicht mehr,
Vernichtet ist das ganze Heer,
Mit dreizehntausend der Zug begann,
Einer kam heim aus Afghanistan."

Theodor Fontane, 1859

22.Türchen

TS, 22. Dezember 2009, 05:17
2009
Dez 22

Irren ist menschlich,
und wir irren uns oft.
Irren ist menschlich,
wer hat da gehofft,
auf ein Leben in Frieden,
auf ein Leben mit Lust.
Irren ist menschlich
und Irren bringt Frust.

21.Türchen

TS, 21. Dezember 2009, 05:29
2009
Dez 21

So steht er da,
wie Gott sich schuf:

„Göttlich mein Name
und Schöpfer mein Beruf.
Ich dachte mir und denke noch,
dass grade du, der du ja doch
viel lieber weißt, als dass du glaubst,
und grad´ an diesem Büchlein schraubst,
Interesse hast an meinem Besuch,
ich mache jetzt hier den Versuch,
dir ´n paar Erklärungen zu geben,
über mich und euch und euer Leben.”

20.Türchen

TS, 20. Dezember 2009, 07:28
2009
Dez 20

Du kannst es, du schaffst es,
du musst es nur wollen,
es gibt auf der Bühne nicht nur feste Rollen,
die Chancen sind offen, du musst sie nur nutzen,
es ist niemals zu spät die Seele zu putzen,
schmeiß alles was Müll ist aus deinem Gewissen
und heule des nachts nicht in deine Kissen.

19.Türchen

TS, 18. Dezember 2009, 19:10
2009
Dez 18

Wenn ich mal wieder einsam bin
und denk´, das Leben hat keinen Sinn,
weil es grad´ keinen Menschen gibt,
der mich von ganzem Herzen liebt,
dann hilft mir meistens nur die Kur
dann gebe ich mir …………….* – pur.

Ich tret´ vor´n Spiegel und ich denk´,
was für ein himmlisches Geschenk,
nein, dieser Wuchs ,die ganze Kraft,
in jeder Zelle Leidenschaft,

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18.Türchen

TS, 18. Dezember 2009, 07:10
2009
Dez 18

018 Noch immer Krieg,
noch immer Mord,
noch ein gebrochenes Ehrenwort,
noch einmal ein Stück Regenwald,
noch einmal etwas mehr Gewalt,
noch immer Krebs,
noch viel mehr Aids,
noch einmal etwas Strahlen,
noch einmal Waffenschieberei,
noch immer Folterqualen,
noch immer etwas mehr von dem,
was noch nicht reicht zum Ende,
noch immer spielen wir die Macht
in blutverschmierte Hände

17.Türchen – Halunkenbuch in Arbeit

TS, 16. Dezember 2009, 18:51
2009
Dez 16

9783359022473 Wie verhindert man am besten, dass die sich mit diesen schlecht gemachten, völlig verpixelten Gewaltvideos auf ihrem fuzzeligen Handybildschirm die Augen verderben? Klar, indem man ihnen erst die echten Waffen verpasst, sie dann dabei filmt, wie sie ihren Schulhof leerschroten und ihnen dann abends in der Tagesschau die scharfgestochenen Bilder zum Abendbrot serviert. Die kann man dann schön auf DVD brennen und beim nächsten Faustlos-Projektnachmittag in der Aula zeigen. …

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