Dass es nur so kracht.

TS, 18. März 2010, 11:18
2010
Mrz18

IMG_3129 Satirefest 2010 in der Brunsviga: Oberstinker Stelzner lästert richtig ab.

Braunschweig (eb). Stellen Sie sich vor, Sie stehen morgens um halb fünf vor sechs beinahe überlebensgroßen Polizisten in schwarzer Kluft, die durchaus das Zeug zur Hauptrolle in einem „Hulk Hogan Streifen“ hätten und bedrohlich mit einer „Mega-Stabtaschenlampe“ herumfuchteln. Diese Polizisten, nennen wir sie mal so, wollen Sie kontrollieren. Der Haken: Sie haben weder Papiere dabei, noch irgendeinen Beweis, dass Sie exakt in diesem Moment wirklich einer von den Guten sind. Wie bitte? Tja, so was passiert Ihnen wohlmöglich nicht. Dem Stelzner aber schon. Morgens, in Braunschweig, am Schill-Denkmahl, am Tag der Demo gegen Rechts. Ja, da sollte der Asphaltlyriker, wie ihn jene der Mitte an den äußerst rechten Rand entrückte Personenkreise mal genannt haben, auftreten und schweres Geschütz gegen Rechts auffahren. Und weil es der berüchtigte Mann mit sehr wenig Haaren auf dem Kopf nicht lassen kann, fährt er mit seinem Variant voller Tomaten und anderem Gemüse aber ohne Tüv zum Denkmal, in aller Frühe, vor dem Aufstehen sozusagen, um sich den Tatort des Nachmittags anzusehen. Alarm für die Staatsmacht. Drei dunkle Limousinen stoppen den Mann, den nicht nur die wenigen Haare irgendwie verdächtig machen. Seine Jacke, seine Schnürstiefel und dann der Name. Wie war der noch? Thor(sten) Ste(lz)iner. Hand aufs Herz: Sie hätten sich vor Muffensausen vermutlich in …, na gut. Also, der Stelzner, so heißt der tatsächlich, ist da anders. Der hat Spaß dabei und einen würdigen Gegner. Anstelle eines Ausweises oder irgendeiner anderen Legitimation zieht er ein Buch

mit Reimen von sich hervor. Die Staatsmacht, zunächst skeptisch, spielt mit, hört, strahlt, klatscht und drückt dem Lyriker die Daumen für den Auftritt am Nachmittag.
Zeitsprung. Satirefest 2010 in der Brunsviga. Wieder ist der Haudegen unter den Lyrikern da. Denn der kann richtig gut verteilen: Satire. Der Saal ist voll, und die Staatsmacht ist auch gekommen. Zehn Polizisten waren Gast eines Abends, der noch lange nachhallen wird. Nein, Thorsten Stelzner ist nicht verhaftet worden. Nein, die haben ihn auch nicht schützen müssen. Aber ja, sie haben sich amüsiert, richtig amüsiert – über die Geschichte am Denkmal und andere Anekdoten, die der Star des Abends in gut zwei Stunden von sich gegeben hat. Klientelsatire hat er betrieben. Jedem Gast ein Stück aus den Tiefen seiner ureigenen Wahrheiten präsentiert. Ups, das tat an mancher Stelle weh. Aber schön war’s. Und der Stelzner hatte Spaß, viel Spaß, lief zur Hochform auf, haute drauf und lästerte ab, dass es nur so krachte. Der Saal bebte, zuckte, schluckte und gurgelte. Von Lachen verzerrte Gesichter verrieten: Dieser Kerl da auf der Bühne spricht ihnen allen aus dem Herzen. Da sind ein paar Beleidigungen schnell vergessen, die Prosecco-Stunden mit den Frauen der Männer im Publikum auf eben ihren Terrassen auch kein Problem – mehr war da ja auch nicht. Und irgendwie will man Mitleid mit dem armen Hausmann Stelzner haben, der gefühlt bis gestern der Hahn im Dorfkorb war, der Megapapa allein unter all den Mamas, und nun ganz alleine seine Vormittage fristen muss, weil die Mamas arbeiten gehen und er? Gut, schreiben kann er, aber sonst? Ja, und dann schmeißt er die Glotze an und verzweifelt richtig als Mann ohne Regel, Haare und sonstige Frauenproblemchen. Och, Du armer Kerl, vor diesem Hintergrund sind die traumatischen Erlebnisse als Bube fast harmlos. Sie erinnern Sich: Der Stelzner musste nämlich immer aufessen und das von einem Motivteller mit Rotkäppchen und dem bösen Wolf. Oh, mein Gott. Da schreibt er heute noch Gedichte zu, natürlich auch über Gott, den Papst und dessen Klerus. Kleiner Einschub am Abend. Schlucken im Publikum. Recht hat er, stand in den Gedankenblasen der Gäste.
So vergingen zwei Stunden donnernder Satire und beißender Lyrik wie im Fluge. Am Ende stand ein abgekämpfter Stelzner seinem zufrieden lächelndem Publikum gegenüber. Hat er sie nun geschafft oder vielleicht doch sie ihn?

Ein Kommentar

  1. der Helm schrieb:

    Happy Birthday to you!
    Happy Birthday to you!
    Happy birthday alternder Pö_öt… Hapapy Birthday for Youuuuuuuuuuuuuuuuuuuuu!!!!

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