Der leidvolle Weg zur Bundesrepublik

TS, 18. März 2010, 11:17
2010
Mrz18

04-03-2010-07 Eine Zeitreise mit Karikaturen, Liedern und Lyrik

Braunschweig (cs). So könnte Geschichtsunterricht in Schulen aussehen – lebendig, mitreißend, berührend. Es geht um die Jahre 1909, 1919, 1929 und 1939. Jahre und Jahrzehnte, die Deutschland geprägt haben. Gundolf Algermissen, Erik-Jan Beyen und Thorsten Stelzner präsentierten sie im Institut für Regionalgeschichte in Braunschweig auf eine ungewöhnliche Art: mit Karikaturen, Liedern und Gedichten.
Warum gerade diese Jahre? Ganz einfach: Im vergangenen Jahr feierte Deutschland 60 Jahre Grundgesetz. Mit ihrer Zeitreise zeichnen die drei Herren den Weg nach, der im Mai 1949 zur Unterzeichnung der Verfassung geführt hat.

Gundolf Algermissen, der Gewerkschafter, hatte in seinen Archivschränken wahre Schätze entdeckt – Karikaturen aus dem Simplicissimus und dem Kladderatsch. Karikaturen, die oft so beißend, so beschämend sind, dass man nicht mehr lachen mag. Bilder, die in ihrer Bitterkeit angesichts ausbeuterischer Arbeit nichts an Aktualität eingebüßt haben. Zeichnungen, die den Wahnsinn des Nazi-Regimes schon Jahre vorher geißelten.
Erik-Jan Beyen, der Journalist und Musiker, umrahmte die Karikaturen musikalisch am Keyboard und sang Lieder aus der damaligen Zeit. Es war ein Programm der Kontraste – zwischen der traurigen „Legende vom toten Soldaten“ und dem unbekümmerten „Veronika, der Lenz ist da“ liegen Welten. Oder auch nicht. Das eine sollte nicht sein, durfte nicht sein, musste ausgeblendet werden. Das andere hatte genau so zu sein.
Thorsten Stelzner, der Lyriker und Satiriker, ließ die Großen zu Wort kommen: Erich Kästner, Kurt Tucholsky, Bertolt Brecht. Er donnerte ihre Anklagen heraus, ließ sie eindringlich mahnen. Und er brachte eigene Texte ein, ermunterte die Gäste, Widerspruch zu wagen, sich auf das eigene Gewissen zu verlassen und gegen menschenverachtende und manipulierende Konformität aufzubegehren. Auf dass sich die Geschichte nie wiederhole.
Unter dem Titel „Schwere Zeiten – zeitlose Kunst“ präsentierten die drei einen aufrüttelnden, abwechslungsreichen Abend. Er endete mit dem hebräischen Kanon „Hevenu shalom alejchem“. Ein Lied der Hoffnung.

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