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Harry

TS, 19. April 2010, 05:28
2010
Apr 19

Harry war ein Tagelöhner,
kam jeden Morgen um halb drei
wie zufällig auf seiner Mofa
am Großmarkttor vorbei.

Harry hatte Würde,
gefragt hat Harry nie,
Harry musste man schon fragen,
doch „Nein“ sagte er nie.

„Harry, haste Zeit heut´,
um drei Uhr dreißig kommt die Bahn,
ein Waggon Kartoffeln
und zweie mit Bana´n.“

Harry knarzte immer,
das kam von der Reval:

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Kurt Tucholsky

TS, 17. April 2010, 12:35
2010
Apr 17

15.04.10 020 Und die Eltern? Dafür Söhne aufgezogen, Bettchen gedeckt, den Zeigefinger zum Lesen geführt, Erben eingesetzt? Man müßte glauben, sie sprächen: Weil ihr uns das einzige genommen habt was wir hatten, den Sohn – dafür Vergeltung! Den Sohn, die Söhne haben sie ziemlich leicht hergegeben . Steuern zahlen sie weniger gern. (Ignaz Wrobel 1924)

Kultur ist auf Ehrenamt angewiesen

TS, 12. April 2010, 04:59
2010
Apr 12

Literarische Gesellschaft Göttingen zeichnet Team des Till-Eulenspiegel-Museums aus

Von Tobias Wagner

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SCHÖPPENSTEDT.

Das Till-Eulenspiegel-Museum ist ausgezeichnet worden. Die Göttinger Literarische Gesellschaft würdigte die Einrichtung mit dem Preis dafür, den Erhalt und das Wissen um die Literatur zu fördern und gleichzeitig die Wahrnehmung dafür zu erhöhen. Weiter gehe es darum, mit dem Göttinger Lorbeerbäumchen Persönlichkeiten auszuzeichnen, die sich um Sprache und Literatur verdient machen, ohne selbst vom Schreiben zu leben.

Und so überreichte Helmut Brinks, Präsident der Literarischen Gesellschaft, den ehrenamtlichen Mitarbeitern des Museums den Preis. "Barbara Klages, Manfred Klages, Ute Merkhoffer, Alice Bauch, Waltraud Ernst, Andrea Ahlborn-Riechelmann und Professor Alexander Schwarz ermöglichen gemeinsam den Erfolg des Museums", sagte er.

Kultur sei vermehrt auf ehrenamtliches Engagement angewiesen. Die Arbeit der Freiwilligen sei wichtig. In anderen Ländern sei der ehrenamtliche Einsatz in Sachen Kultur verbreiteter, und auch bei uns sollte es eine Selbstverständlichkeit sein. Auch lobte Brinks den Erhalt des Museums:

"Öffentliche Einrichtungen – insbesondere kulturelle – sind in Zeiten knapper Kassen in ihrer Existenz bedroht." Auch nannte er das Museum eine "Zwischenlagerstätte für Humor und Witz". Samtgemeindebürgermeisterin Ruth Naumann sagte: "Wir sind stolz darauf, dass das Museum eine so wichtige Rolle spielt."

Die Preisverleihung in der Eulenspiegelhalle fand zwischen zwei literarischen Veranstaltungen statt. Am Freitag wurde bereits der 500. Geburtstag des Eulenspiegel-Buches gefeiert (wir berichteten) und am Sonntag ging die Messe Autor und Buch über die Bühne. Zur Verleihung waren zahlreiche Autoren der Messe erschienen. Während der Veranstaltung gaben die Schriftsteller Thorsten Stelzner, Nils Wiesner und Ingrid Jesussek Ausschnitte aus ihren Werken zum Besten.

Das Göttinger Lorbeerbäumchen ist ein echter Lorbeerbaum. Brinks: "Er ist anpassungsfähig und robust, muss aber regelmäßig gewässert werden." Ganz wie kulturelle Einrichtungen.

011 Hier können Sie sich den Messe- und Lesungsplan ansehen:

(Ein Klick auf ein Bild öffnet die vergrößerte Ansicht)

Den Literaten lauschen
Für einen Tag blitzt die literarische Vielfalt unsere Kulturlandschaft auf.
Autoren und Verlage reisen aus Halle, Hildesheim & Helmstedt sowie aus
Bodenburg, Bilshausen & Blankenburg an.
Die Eulenspiegelhalle ist voll von Ständen zu Literatur, die in unserer
Kulturlandschaft entstand. Es lohnt ein Ausflug nach Schöppenstedt gleich in mehrfacher Hinsicht: einer schönen Lesung gelauscht zu haben, ein tolles Buch mitnehmen und gut gestärkt den Rückweg antreten.
Wohl behütet gehen die Autoren von ihren Messeständen in der Eulenspiegelhalle zu ihren Lesungen im benachbarten Till Eulenspiegel-Museum. Die Schriftsteller tragen dort 15 Minuten lang aus ihren Werken vor. Da brummt ein Braunschweiger Satirelyriker, da zischelt eine Märchenerzählerin, da jagt ein Autor von historischen Romanen mit den Lesern im Galopp durch das Gebüsch – sogar Texte im ostfälischen Platt lassen sich hören.

Die schlechte Gesellschaft

TS, 9. April 2010, 13:55
2010
Apr 9

Sie sind in schlechter Gesellschaft,
wenn sie hören: „ Ich bin Aktionär!“
Sie sind in dubioser Gesellschaft,
wenn sie hören : „ Ich bin Millionär!“
Sie sind in mieser  Gesellschaft,
wenn sie hören : „ Ich will immer mehr!“
Sie sind in übelster Gesellschaft,
wenn sie hören: „ Is´ auch egal woher!“

Was ist das für eine Gesellschaft,
mit Milliarden Überschuss
die sich Kinderarmut, Arbeitslose
und Hungerlöhne leisten muss?

Was ist das für eine Gesellschaft
die das Kapital regiert,
in der die Jugend ihre Hoffnung,
ihre Bildung, ihre Zukunft verliert?

Was ist das für eine Gesellschaft,
in der man Suppenküchen braucht
während man in den Chefetagen
handgedrehte Einzelstücke raucht?

Was ist das für eine Gesellschaft,
in der man Schwarzarbeiter jagt,
aber millionenschwere Steuerräuber
nach Selbstanzeige fragt?

Was ist das für eine Gesellschaft
geprägt von Geiz und Gier,
erfüllt von Angst und Sorgen,
verdammt was machen wir denn hier?

Sie sind in guter Gesellschaft
wenn sie hören „ Jetzt ist Schluss!“
Sie sind in bester Gesellschaft
wenn sie hören, dass man was tun muss.
Sie sind in ausgezeichneter Gesellschaft
wenn sie hören: „ Nicht mehr mit mir!“
Du bist in der allerbesten Gesellschaft
wenn du hörst: „ Komm wir helfen dir!“

Wer die Wahl hat, hat die Valium

TS, 3. April 2010, 05:42
2010
Apr 3

Ich hab’s begriffen, wieder mal, wirklich. Endlich! Jahrelang bin ich als Polit-Poet auf Demos rumgerannt und habe mich immer wieder gefragt: „ Was ist los hier? Wieso können die Franzosen das, die Italiener, die Griechen? Brennende Vorstädte, Vorstände in Geiselhaft, die 53. Nachkriegsregierung… Immer die anderen, wir nicht.“ Bei uns tauchen auf den Demos und Kundgebungen immer dieselben Verdächtigen auf. Egal worum es geht, die, um die es geht, sind nie da: 5 Millionen Arbeitslose, Leiharbeiter, Mindesthungerlöhner, Rentner, Asse-Anwohner! Scheiß was, die stellen ihr gelbes A in den Vorgarten, und das war’s. Die kleben ihre Heckscheibe zu. Das ist schon die härteste Form des Widerstands im Golfstromland Germany: das Auto vollkleistern! Zum Heulen! Aber jetzt weiß ich endlich, woran das liegt.
Sie haben es begriffen,

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