Vom Storch und den Fröschen

TS, 25. Mai 2010, 19:30
2010
Mai 25

Stolz stolziert der starre Storch
durch den feuchten Sumpf hindurch
und schnappt gierig nach den Kröten,
will sie fressen, will sie töten.

Und der spitze Schnabel klappert
und er geifert und er sabbert,
denkt ans schlemmen und ans prassen,
kann sein Glück noch gar nicht fassen.

Wehrlos, denkt er, sind die Unken,
brauch sie nur noch einzutunken,
in den Zeitgeistsumpf der Not
und schon sind sie gar und tot.

Und so keift er über den Weiher:
„Heute gibt’s `ne große Feier,
alle Frösche, Unken, Kröten,
gilt es heute abzutöten.“

Und er sieht sich selbst als Sieger,
als ein echter Überflieger,
roter Schnabel, weiße Weste,
schwarze Seele und das beste -

ist sein Tanz der Arroganz -

Kopf im Nacken, viel Gezeter,
große Klappe, ja so steht er,
wie an einem Rednerpult:
„Kröten sind an allem Schuld.“

Doch die Unken, Frösche, Quappen,
schreiben sich jetzt auf ihr Wappen:
Wenn wir uns zusammen tun,
rupfen wir den Storch als Huhn.

Und am dunklen Teichesgrunde
sitzen sie in großer Runde
und besiegeln ihren Plan:
Stürzen wir den Größenwahn!

Alle Unken, Kröten, Frösche
gehen ihm jetzt an die Wäsche,
springen ihm in das Genick,
packen ihn mit viel Geschick,

reißen ihm die Stelzen weg,
Adebar kracht in den Dreck.
Nass und matschig liegt er da
und weiß nicht wie ihm geschah.

Und die Kröten, Unken quaken:
„Manchmal trifft es auch den starken,
stolzen, sturen, starren Storch –
Adebar, da musst du durch.”