Böse, ganz böse, gute Freunde unterstellen mir zwar Vorsatz, aber ich schwöre, das war wirklich nicht geplant. Es hätte dann wahrscheinlich auch nicht funktioniert, denn es wäre einfach zu offensichtlich gewesen und ich hätte mit Sicherheit im Verlauf der Gespräche irgendwann an der falschen Stelle verräterisch gegrinst. Worum es geht? Na, um die diesjährige Urlaubsplanung.
Drehen wir die Zeit mal kurz drei Monate zurück. Es tagt der Familienrat. Wohin geht´s in den Urlaub? Gute Frage. Fünf Menschen, sechs Meinungen, sieben Ziele. Nur in einem waren sich 3/5, also die Mehrheit, absolut einig: Wir, das heißt die Kinder, wollten fliegen, endlich mal fliegen! Ich wollte das nicht, nie und niemals und auf keinen Fall mit der ganzen Familie. Mein Argument: „Stürzt der Vogel ab – alle ab ins Grab!” (reimt sich wirklich nur zufällig). Und so ein bisschen eitel bin ich ja nun auch und finde, dass die Welt so ganz ohne unsere Erbmasse nur halb so schön wäre. Darum kein Flug, nicht und niemals – Punkt. Nun, ich bin zwar eitel und vernünftig, aber ich bin nicht stur und auch nicht besonders konsequent. Drei Stunden und etliche Bemühungen, Anflehungen und Statistiken später, meine Kapitulation: „ Meinetwegen, was soll´s, dann fliegen wir eben, ihr habt es ja so gewollt, aber jammert mir nicht hinterher die tauben Ohren voll, wenn wir dann wirklich alle tot sind.“
Die Freude war riesig, der Dank noch größer, das hatte ich mir aber auch verdient. (Auf die Knie!) Also, suchen, fluchen, buchen!

Dann der entscheidende Moment. Alles geklärt, Ziel, Hotel, Termin, wirklich alles.
Nur eines eben nicht. Plötzlich stand für alle unerwartet und völlig überraschend meine alles zunichte machende Frage im Raum: „Was ist mit dem Hund?“

Ich habe meine Beziehung zu meinem Hund ja schon das eine oder andere Mal beschrieben, aber nun ist es so, dass der Rest der Familie dieses einzigartige Wesen nicht weniger liebt als ich. Keiner von uns wollte unseren besten Freund in einer Tierpension oder gar in einer Transportbox, ruhig gespritzt im Laderaum, und am Ende dann noch in der heißen Sonne von Malle leiden sehen. Also kein Flug! Größer konnte die Enttäuschung nicht sein. Meine Chance aber auch nicht, also packte ich sie beim Schopf, mit leidender Mine, und gönnerhafter Geste rang ich mich schluchzend zu folgendem Vorschlag durch: „Dann fliegt halt ohne mich, dann bleibe ich eben bei meinem Hund.“
Und was soll ich sagen, alle, wirklich alle waren sofort damit einverstanden. Ich weiß auch nicht, ob mir das jetzt zu denken geben sollte. Nun war die Freude, die Aussicht auf mindestens zehn Tage Ruhe, Frieden und wohlverdiente Einsamkeit aber auch so groß, dass für Selbstzweifel ( is´ eh nicht meine Disziplin) gar kein Raum war.
Und sie buchten um und ohne mich. Schon jetzt begann eigentlich mein Urlaub, denn mit nix hatte ich jetzt noch irgendwas zu tun. Ich war das Opfer, ich brachte das Opfer, ich war der personifizierte Verzicht, der Großmut, der Gönner, ja der Märtyrer, mich musste man ab jetzt einfach nur noch lieben und in meinem Kummer in Ruhe lassen.
Sie packten, sie flogen und ich blieb alleine, einsam, verlassen und glücklich zurück.
Das war genial, das erste Mal seit 17 Jahren wieder alleiniger Herrscher über Zeit, Raum und Fernbedienung. Urlaub, wie er besser nicht sein kann. All Inclusive und das ohne sich auch nur einen Meter zu bewegen.

Tja, der erste Tag vermittelte auch genau diesen Eindruck. Ruhe, Stille, nur den Hund hörte ich atmen, ansonsten nichts, gar nichts. Das ist schon seltsam.
Plötzlich kannst du tun, was du willst und vor allem, wann du willst und du könntest, wenn du es tätest, auch wirklich alles zu Ende tun, keiner unterbricht dich, keiner stört dich, alles ist möglich, du kannst alles tun und darum tust du erstmal nix. Aber auch das ist in Ordnung, das ist Urlaub, sie tun ja schließlich auch nichts.

Fortsetzung folgt …

Euer Thorsten Stelzner

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