Ich tat also erst mal nix, war ja auch nicht schlimm. Nur, wie fange ich das jetzt an, schon mal 4.000 Zeichen übers Nichtstun geschrieben? Das kann ja auch in Arbeit ausarten.
Na ja, ich könnte ja mit einer Liste anfangen in der steht, was ich alles tun wollte als die Sippe im Sand lag. Das würde dann evtl. so aussehen:
Also, erst wollte ich doch und dann sollte, dann war da noch der Ingo, das Buch und die CD, klar die CD, den Rasen, die Hecke, auch sehr wichtig und Auto aussaugen, jetzt mal, wo die doch, und Sport natürlich Sport mal wieder …, dann Mensch klar, die Steuererklärung und der Zahnarzt, die Hütte, das Dach, die Lampe im Keller, die Gartenmöbel, gaaanz wichtig, Baumarkt, Bank, wieso Bank? Na, egal, Sperrmüll, Omma impfen. Impfen? Tierarzt! Den Hund, nicht die Omma, … wenn ich da jetzt so weitermachen würde, stünde am Ende der Geschichte eine E-Mail meiner Redakteurin: „ Zu lang, viel zu lang – kürz das, Bleiwüste!!”
Gut, lass ich das mal. Ich könnte selbstverständlich auch schreiben, was ich tatsächlich so alles erledigt habe, dann stünde aber da wo jetzt „ … als die Sippe im Sand lag.“ steht, schon: Euer Thorsten Stelzner. Zu kurz, eindeutig zu kurz. Gut, im CLICCLAC wäre etwas mehr Platz für wirklich wichtige Sachen, aber ich hätte ein schlechtes Gewissen, vielleicht. In der Phase, in der ich mich eben befinde, tut mir Nichtstun jedenfalls nichts. Aber ich mache es trotzdem anders. Ich schreibe auf, wie es dazu kam, dass es zu nichts kam.
Also, das ging sofort los, kaum war das Rudel weg, war ich aus dem Tritt, aus dem Trott, es war plötzlich völlig egal, was, wann, wie und ob überhaupt und auch wie spät es war. Die Uhr, die sonst sehr gewissenhaft unseren gesamten Tagesablauf regelt, hing völlig irritiert, ignoriert und deprimiert mit dem Rücken zur Wand. Ab und zu huschte, so mehr zufällig, mein Blick über ihr Zifferblatt und ich dachte

 

nur: „Egal, machste nachher.” Was auch immer damit gemeint war, ich weiß es doch auch nicht mehr. Auf jeden Fall alles immer später.
So, erst einmal die Füße hoch, Kaffee kochen, – Quatsch – erst Kaffee kochen, dann Füße hoch und dann die Glotze an und das war es, das Elend nahm seinen Lauf.
Was man alles gucken kann, wenn man den nötigen intellektuellen Abstand dazu hat und das eigentlich auch nur tut um zu studieren, womit die Masse Mensch so ihre Zeit verdaddelt, grausam, aber wissenschaftlich nicht unbedeutend. Jetzt weiß ich endlich, dass es völlig egal ist, ob man mit „Rote Rosen“ anfängt, bei „Sturm der Liebe“ einschläft, zwischendurch wach wird, mit dem Hund geht und bei einer Wiederholung von „In aller Freundschaft“ wieder auf das Sofa rutscht, man findet sich immer wieder rein, etwas kompliziert wird es nur, wenn man abends zwischendurch so ´ne Runde am Computer rumgefacebookt hat und erst dann wieder Richtung Glotze blickt, wenn, wie auch immer, durch unkontrolliertes Zappen, aus Dr. Heilmann plötzlich Dr. House geworden ist. Das ist zwar ziemlich krass, aber als Kreativer kann man sich auch das erklären. Aber das ist nicht alles, was aus dem Stress- und Zeitvakuum zu berichten ist.
Durch dieses konsequente rum- und abhängen kommen auch der gesamte Biorythmus, der Stoffwechsel und der Kreislauf aus der Spur. Essen geht plötzlich immer, wenn man nicht grade schläft, aus Langeweile schlappt man schon einmal öfter in Richtung Kühlschrank, vor allem wenn gerade Kochshows laufen oder wenn in den Werbepausen die Röhre schon fast nach Geschmacksverstärker riecht.
Nur, das hat Gott sei Dank auch seine Grenze, denn wenn man ganz alleine ist, den Hund mal außen vor gelassen, Hundefutter ist auch wirklich immer da, dann muss man ja auch nicht kochen, dann gibt’s keine Diskussion, dann kann man endlich der immer wieder ausgesprochenen Anweisung folgen: „Es wird gegessen, was da ist!“ Und irgendwann ist fast nichts mehr da, und die in den ersten fünf Tagen zugelegten Pfunde verschwinden wie von selbst, wenn einem nur noch die Dosensuppen und der Zwieback bleiben.
Naja, jetzt sind die 4.000 Zeichen komplett, der Urlaub ist vorbei, ich bin wach, das Jetzt und Hier hat mich wieder. Morgen um 6.30 Uhr klingeln wieder vier Wecker, dann ist das Frühstück fertig, der Kaffee gekocht, die Glotze bleibt aus und mir bleiben für alles was wirklich wichtig ist maximal fünf Stunden am Tag, mit mehr Freiheit kann ich scheinbar auch nicht umgehen.
Und nächstes Jahr mach ich mal so richtig Urlaub, mit Familie und Hund. Lieber den ganzen Tag am Strand als noch einmal 10 Tage Nichtstun.

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