das kommt dabei raus, wenn man Kostüm/blau-gelb  googelt

Sport ist Mord! – habe ich geschrieben, habe ich belegt und das stimmt so nicht. Sport ist Leben, in einem gesunden Körper steckt ein gesunder Geist, das weiß man, das ist einfach so.

Darum freut sich der Vater auch, wenn das Kind ordentlich Sport treibt. Dass mein Kind Fußball spielt, habe ich schon mal erwähnt, dass mich diese Aktivität seit nun mehr gefühlten 50 Jahren ständig auf irgendwelche Dorfäcker treibt, Schnee von gestern. Neuerdings, also so seit drei Monaten spielt dieser Sohn nun in einem – oder sagt man bei einem – ganz besonderen Verein.

Ich mache hier kein Schleichwerbung (außer für Pastis vielleicht), also nenne ich den Namen jetzt nicht. Noch nicht.

Aber, ich weiß auch, von anderen Künstlern, wie z. B. den Toten Hosen, Vince Bardt oder Lotto King Karl, dass man, wenn man in seiner Stadt als Künstler ein bisschen was werden will, auf jeden Fall immer zu dem Sportverein stehen muss, der in der Öffentlichkeit die größte Aufmerksamkeit genießt, weil er vielleicht gerade in die zweite Liga aufgestiegen ist, weil das Trikot das Stadtwappentier trägt oder weil seine Farben die eines bekannten schwedischen Möbelhändlers sind. Egal, man hat sich mit diesem Verein zu identifizieren Punkt. Genug geschleimt?!

Darum ist das auch gar nicht verkehrt, dass unser Kind da jetzt spielt. Wir sind schon so ´n bisschen stolz und glücklich. Und das Kind erst, es gibt ja nicht wichtigeres als die Eltern stolz und das Kind glücklich zu sehen.

Aber – klar kommt jetzt ein – aber: Ich, da hilft auch keine Heuchelei, jeder der mich ein bisschen kennt weiß das, bin nun mal kein Fußballfan (gewesen). Wenn ich früher so samstags an der Hamburger Straße lang gefahren bin, dachte ich immer: „Schon wieder so ein Schweden-Kongress und immer open-air, harte Jungs die Schweden!“

Mehr war da nicht. Jetzt weiß ich natürlich, seit drei Monaten, dass das mit den Schweden gar nichts zu tun hat, habe aber trotzdem, mehr so aus Jux, Eintracht mal ins Schwedische übersetzt uuuund, da ist sie die Querverbindung_ „Ein Tracht“ heißt auf Schwedisch „En Kostym“. Und das ist mein Problem, ich trage keine Kostyme, nie! Kein Kostüm heißt auf schwedisch: „Ingen Kostym“ (hier ein kurzer Gruß an meine Schwiegermutter Inge). Denn ich trage Ingen-Kostym wenn ich ins Stadion gehe, was bedeutet, ein von meiner Schwiegermutter aufs feinste gebügeltes weißes Hemd, eine schwarze Jeans und sonst nix, nichts blaues und nichts gelbes, kein Schal, keine Pudelmütze, nicht mal gelbe Socken.

Und wenn ich in der Spielpause – hab ich schon erwähnt, dass wir durch diese neue Vereinszugehörigkeit natürlich jetzt bei jedem Heimspiel, bei jedem Schweden-Kongress dabei sind? – also, wenn ich so an die Bierbude komme, existiere ich nicht. Ich falle sofort in ein optisches schwarzes Loch. Die Bedienungen haben ganz offensichtlich eine Farbsinnschwäche, eine Blau-Gelb-Sichtigkeit, sie nehmen mich nicht wahr.

Neben mir, hinter mir, vor mir sowieso wird alles bedient und zwar in einem Tempo, dass die Zapfhähne glühen, aber ich kriege nichts. Falls dann doch mal eine größere Lücke entsteht, meistens geschieht das erst wenn das Spiel längst wieder angepfiffen ist, und ich es tatsächlich schaffe, meine im ganzen Satz formulierte Bestellung durchdringen zu lassen: „Also, ich hätte gern eine Coca-Cola und eine Fanta, bitte“, dann stelle ich fest, auch das funktioniert nicht. Alles, was über Zweiwortsätze hinaus geht, ist zu viel des Guten. „Machstema zwei!“ oder „Mir vier!“ Das reicht.

Einmal hat eine Bedienung, auf mein etwas forsches: „ Also, ich hätte jetzt wirklich gern mal was zu trinken!“ tatsächlich reagiert. „Wie jetzt? Hätte, hätte, hätte, willste was zu trinken oder nicht?“ „Ja, ich will, ich will zwei Fan….!“ Und schwupp standen da zwei Bier. Die hab ich dann verschenkt, da findet sich immer einer, denn, wie brüllte mir so ein durchtrainierter, 130 Kilo schwerer Sumoringer in seinem Fußballfan-Kostym ins Ohr: „Was trinkt ein echter Eintrachtfan, …. ?“ Das beantworte ich jetzt nicht, keine Schleichwerbung! Aber es stellt sich schon generell die Frage, ob ortsansässige Brauereien ohne Fußball überhaupt eine Daseinsberechtigung und Überlebenschance hätten.

Aber, und das meine ich jetzt wirklich ernst, alle die so ein Heimspiel nüchtern überstehen und trotzdem nicht verdursten, die kriegen da sportlich schon richtig was geboten.

Und damit ich hier nicht falsch verstanden werde, die Bedienungen an den Bierbutzen, die machen wirklich einen verdammt harten Job und ich kann mir ja auch ruhig mal eine Ikeatüte umhängen, muss ich noch irgendwo im Keller liegen haben.

Eurer Thorsten Stelzner

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