5. Türchen 1991

TS, 5. Dezember 2011, 03:09
2011
Dez 5

AUSGETRÄUMT 1991

10 Jahre vergangen,

ganz schön lange Zeit,

die ersten 10 Jahre

der Volljährigkeit,

was waren das für Träume

mit grad´ 18 Jahren,

wir waren wie Helden,

wollten nur Moped fahren,

den Schlafsack im Rücken

und dann um die Welt,

mit kleinen Gelegenheiten,

käme man schon zu Geld.

 

Das haben sie alle

damals wirklich gewollt,

doch die Wirklichkeit hat sie

alle hart überrollt,

zuerst kam der Wehrdienst,

fast alle gingen hin

und lernten Gehorsam

im weitesten Sinn,

sprangen je nach Befehl

mal hoch und mal weit,

lernten, dass man stets recht kriegt,

wenn man laut genug schreit,

sie wurden vereidigt

gehobelt, geformt,

sie wurden beleidigt

und herrlich genormt.

Dann kam die Entlassung,

so ganz ohne Krieg,

sie hatten gekämpft,

so ganz ohne Sieg,

die meisten dachten,

dass es sinnlos war

sich Gedanken zu machen,

also ab in die Bar.

Nach dem grossen Besäufnis

wurd´ es akut,

man hat seinen Platz nur,

wenn man was tut,

also ´ne Arbeit,

denn Arbeit macht frei,

wenn sie richtig bezahlt wird

mit mindestens Zwei.

So das war geregelt,

der Traum war fast tot,

doch man hatte zu trinken

und sein täglich Brot.

Jetzt auf die Suche,

man brauchte ´ne Braut,

mit der man gemeinsam

das Leben verbaut,

so ein liebblondes Dummchen,

das nicht so viel fragt,

das eher den Mund hält,

bevor es was sagt,

so eine wie Mutter,

die bügelt und brät,

die stets ihren Platz kennt,

weil sie da sicher steht.

Sowas gibt’s in der Disco,

da klappt sowas blind,

da kann nix passieren,

weil da alle so sind.

Dann ab in die Kirche,

´ne Hochzeit in weiss,

so ´n herrlicher Tag

und so ´n hoher Preis.

Man war übern Berg

und nun gings bergab,

dem Ende entgegen,

im gleichförmigen Trab,

ein Auto geleast,

das Haus finanziert,

das Leben versichert,

falls mal was passiert,

drei Kinder gezeugt,

zwei sehen aus wie er,

beim dritten, das weiss sie,

fällt das zuordnen schwer.

Jetzt erst 28

und doch schon am Ziel,

man hat zwar nicht alles,

dennoch hat man viel,

man hat zwar fast gar nichts

von dem jemals gewollt,

doch wer hält den Fels auf,

wenn der so sauber rollt.

Das Ende ist sicher

oder auch nicht,

auf jeden Fall bitter,

weil so erträumt war es nicht.

“KLARTEXT” ISBN 978-3-00-023051-6