16. Türchen 2003

TS, 16. Dezember 2011, 10:08
2011
Dez 16

DIE NÖRGLER

Die Nörgler, Herr Grantel, Herr Gnatz und Herr Motz,
aus derbem Holze, geschnitzt aus einem Klotz,
haben in dieser Welt ihren Platz,
die Nörgler, Herr Grantel, Herr Motz und Herr Gnatz.

Herr Grantel am Fenster,
Herr Gnatz auf der Bank,
Herr Motz an der Theke,
den ganzen Tag lang.

Herr Grantel, der gnatzt nur,
Herr Gnatz, motzt stets rum,
Herr Motz ist am nörgeln,
so geht der Tag rum.

Die Nörgler, Herr Grantel, Herr Motz und Herr Gnatz,
sind ständig am meckern, machen selten Rabatz,
doch bergen tatsächlich auch so manchen Schatz –
die Nörgler, Herr Grantel, Herr Motz und Herr Gnatz,

Hört ihnen nur zu, denn so mancher Satz,
genörgelt von Grantel, gemeckert von Gnatz,
hat seine Wahrheit, ist nicht nur Gekotz´,
gemäkelt von Grantel, von Gnatz oder Motz,
da findet man vieles,
was man selbst nicht gleich sieht,
und merkt, dass den Nörglern oft Unrecht geschieht,

und darum am Ende mein Plädoyer,
begnadigt die Nörgler, sie tun keinem weh.
Ja, die Nörgler, Grantel, Gnatz und auch Motz
sind aus grobem Holze, ungehobelter Klotz,
doch sie sind natürlich und nicht glattgeschmirgelt
und deshalb wird bitteschön weiter genörgelt.

15.Türchen 2002

TS, 16. Dezember 2011, 10:06
2011
Dez 16

NACH RICHTEN

20.00 Uhr,
ich seh´ die Nachrichten
und frage mich wonach soll ich mich richten?
Jeden Tag erzählen sie mir Geschichten,
belügen mich mit ihren Berichten.
Wen soll ich – nach ihrem Willen richten?
Wen wollen sie – mit ihrer Macht vernichten?
Worin sehen sie – tatsächlich ihre Pflichten?
Wer hat die Macht – das Material zu sichten?

20.00 Uhr
und nur fünfzehn Minuten,
trennen die Schlechten von den scheinbar Guten,
bleibt ihnen Zeit in das Horn zu tuten
und meine Meinung täglich neu zu fluten.
Es ist vermessen, mir das zu zu muten,
Welt zu sortieren in nur 15 Minuten.
Wer steckt das Ziel, wer legt die Routen?
Wer ist der Täter und wer muss dafür bluten?

20.00 Uhr,
ich seh´ die Nachrichten,
frage mich worauf muss ich verzichten?
In dieser Hand voll von erlesenen Berichten
kann man nicht ein Weltbild verdichten.
Was seh´ ich nie? – Was wollen sie belichten?
Was bleibt im dunkeln? – Was können sie vernichten?
Was geschieht, wenn sie uns ausrichten,
auf ihre Ziele und auf uralte Pflichten?

20.00 Uhr,
jeden Tag `ne viertel Stunde
ist viel zu wenig, doch reicht es im Grunde,
zu manipulieren mit charmantem Munde,
uns zu übermitteln die wahrhafte Kunde,
uns klar zu machen – da ist die Wunde,
die Heilung erfolgt – Runde für Runde
und doch letztendlich nur aus einem Grunde,
wer sich danach richtet, der ist der Gesunde.