9. Türchen 1998

TS, 9. Dezember 2011, 05:17
2011
Dez 9

DER MIETVERTRAG

Heute Abend
bekamen alle Regierungen dieser Welt,
per Einschreiben und mit Rückschein,
folgende Nachricht zugestellt:

Sehr verehrte Damen, sehr geehrte Herren,

Sie wissen nicht wer wir sind,
doch Sie werden uns kennenlernen.
Unsere Firma ist die Planeten Holding GmbH,
uns hat es schon gegeben,
da war von Ihnen noch keiner da.

Wir kauften den Planeten,
der für Sie die Welt darstellt,
und stellten ihn zur Verfügung,
aus reiner Neugier, nicht für Geld.

Die ersten beiden Mieter hießen
Adam und Eva oder Adam und Eve,
zwei wirklich nette Leute,
sehr ruhig, doch ein wenig primitiv.

Sie begannen sich zu vermehren,
wo gegen niemand etwas hat,
doch dann bauten sie sich Hütten,
später Häuser, dann `ne Stadt.

Wir ließen sie gewähren,
denn es war sehr interessant,
doch dann ging `s immer schneller,
und wurd´ schon bald brisant.

Naja, die Entwicklung kennen Sie selber,
das führt jetzt auch zu weit,
und außerdem, dazu kommen wir noch,
haben Sie auch nicht viel Zeit.

Es ist nun mal beschlossen,
daran ist nichts mehr zu drehen,
bei objektiver Betrachtung
werden Sie `s sicherlich verstehen,

unsere Immobilie ist von Ihnen
nicht sonderlich gepflegt,
Sie haben nicht nur das Meer verseucht,
und fast jeden Baum zersägt,

Sie haben auch die Luft versaut,
die Tiere dezimiert,
die Landschaft plattgemacht
und zubetoniert,

das reicht um Ihnen zu kündigen,
wir fordern Sie nun auf,
den Planeten zu verlassen,
Klagen nehmen wir in Kauf.

Doch sollten Sie beachten,
dass das nichts nützen wird,
Sie zahlten keine Miete,
haben das Objekt zerstört,

dennoch räumen wir natürlich ein,
Sie brauchen etwas Zeit,
wir dachten an zehn Jahre,
aber dann ist es soweit.

Eines noch zum Abschluss,
es steht auch im Vertrag,
der Planet ist zu verlassen,
wie am allerersten Tag.

D.h. ursprünglich, ordentlich
und natürlich, natürlich renoviert.
Der Vertrag liegt diesem Schreiben bei,
beglaubigt und kopiert.

PS. Suchen Sie nicht erst eine Bleibe,
in diesem, unserem All,
Ihr Ruf als Mieter ist beschissen,
und das tatsächlich ÜberALL.
Mit freundlichen Grüßen

Planeten Holding GmbH
G. Öttlich und Sohn

8. Türchen 1994

TS, 8. Dezember 2011, 05:58
2011
Dez 8

LIEBESKILLER

Es ist schon ganz schön spät im Jahr,
schon kalt und grau und trübe,
die Vögel sind schon nicht mehr da
und was ist mit der Liebe?

Im Frühjahr sind sie alle bunt,
verliebt, verknallt, verschossen,
dann geht es immer richtig rund,
viel Leben wird vergossen.

Doch wird es erstmal richtig kalt
und sie werden etwas blasser,
dann fällt nicht nur das Laub im Wald
und es gefriert nicht nur das Wasser.

Dann fällt die Stimmung überall,
das Leben wird viel stiller,
der Winter bringt das Glück zu Fall
und wird zum Liebeskiller.

7. Türchen 1993

TS, 7. Dezember 2011, 12:59
2011
Dez 7

Der Gute Vorsatz

Mein Vorsatz für das nächste Jahr
heißt:„Nichts mehr kritisieren!“
Ich werde mich bemühen
alles zu tolerieren,
die Fehler im System
werd´ ich einfach ignorieren
und jeden Arsch,
der mich aufregt,
als Medium akzeptieren.

Auch werde ich
auf jeden Fall
mich völlig integrieren,
mich mit der ganzen Welt
und ihrem Irrsinn arrangieren.
Ich werde nicht mehr ruhen
bis sie mich etablieren
und werde nun auch endlich
meine Zweifel ausradieren.

Ich werde auch
ganz sicherlich
nun endlich mitmarschieren
und als Spätentwickler
den Wehrdienst absolvieren.
Ich werde mich von nun an
jeden morgen glattrasieren,
nie mehr meine Meinung sagen
und mich damit blamieren.

Auch werde ich
verdammt nochmal
nie wieder lamentieren,
schon gar nicht werde ich bewusst
noch einmal provozieren.
Ich will nun garantiert
auch nichts mehr diskutieren,
immer schön den Schnabel halten
und mich völlig isolieren.

Auch will ich kein Vergnügen mehr,
nur noch still vegetieren,
bestenfalls systemgetreu
möglichst heftig konsumieren.
Als Krönung lass´ ich mich
nächste Woche gleich kastrieren,
mir `nen schönen Strichcode
auf den Hintern tätowieren
und mir `nen Minisender
in den Schädel implantieren.

Mein Vorsatz für das nächste Jahr
heißt: „ Nicht mehr existieren!“

6. Türchen 1992

TS, 7. Dezember 2011, 12:55
2011
Dez 7

1992/2011

1992 alles läuft im Bogen,
egal in welches Loch man sieht,
es wird überall gelogen.
Die Ratten fressen alles an
wofür es lohnt zu streiten.
Der Teufel scheint der Held zu sein
und will sie alle reiten.

1994 alles schreit nach Stärke,
egal wo man was trapsen hört
sind Aasgeier am Werke.
Die Dummheit tötet alles ab
was Freiheit uns bedeutet.
Der Wolf im Schafspelz grinst uns an
und wird zu spät gehäutet.

1996 alles scheint am Ende,
man gratuliert zu so viel Nichts
und schüttelt Fürsten Hände.
Die Macht macht nur noch alle blind,
die einst noch soviel sahen,
die Wenigen die noch was sehen,
die sehen was braunes nahen.

1998 es sterben Idealisten,
auf Gräbern der Verzweifelten
tanzen bald Faschisten.
Die Frechheit siegt, der Skrupel krankt,
der Geist ist zu sensibel,
die Lüge macht die Augen zu
und schwört noch auf die Bibel.

2000 alles kann geschehen,
kommen wir aus unseren Höhlen raus
und lernen wieder gehen
und gehen gegen alle an,
die unseren Traum zerstören.
Wir müssen handeln, müssen schreien,
sie müssen fühlen und hören.

1992 oder 33…….
Ich will nicht ein Schweiger sein,
denn das eine weiß ich,
mich soll keiner fragen können
wie ist das geschehen?
Falls ich auch nichts verändern kann
so soll doch jeder sehen:
Ich bin absolut dafür,
dass sie untergehen
und werde stets mit aller Kraft
ihnen widerstehen.
Falls sie noch mal die Macht ergreifen
ist ihnen eines hier gewiss,
dass der Schreiber dieses Textes
stets ihr Gegner ist.

DIE STEIGERUNG VON
WIDERSTEHEN
IST
GEGENGEHEN!

http://www.adticket.de/index.php?option=com_adevent&view=ticket&id=132947

Thorsten Stelzner – Tagesthemen

Wann

Sonntag, den
11. März 2012
17:30 Uhr

Info

Preis: ab 13,10 €
Status: verfügbar
Lieferung: per Post, Homeprint

Wo

Kulturzentrum Brunsviga
Karlstraße 35
38106 Braunschweig

Der Weihnachtsmann geht in Rente.

TS, 6. Dezember 2011, 05:16
2011
Dez 6
 

Der Weihnachtsmann, der Weihnachtsmann,

der ruft am Heiligmorgen an:

"Ich kann nicht mehr, ich fühl’ mich schlapp,

ich krieg’ die Viecher nicht auf Trab.

Der Schlitten morsch, die Kufen rostig,

der Wind zu steif und viel zu frostig,

es reicht jetzt hin, ich hab’ genug,

ich annulliere jetzt den Flug.

 

Denn überhaupt, auch der Verkehr,

es ist verdammt schon lange her,

da hatt´ den Himmel ich für mich.

Doch jetzt, oh Mensch, ich bitte dich:

Nun sieh es ein, es geht nicht mehr,

ihr fliegt jetzt selber kreuz und quer,

stresst mir die Tiere, macht sie scheu,

die fressen nicht mal mehr ihr Heu.

Weil sie wissen: "Wir sind out!"

Es ist für sie auch viel zu laut.

Raketen, Düsenjets mit Überschall

Airbus, Boing – habt ihr ´nen Knall?!

Wie soll man da den Schlitten lenken?

Ihr solltet auch mal an uns denken.

 

Doch ihr, ihr denkt schon lang nicht mehr,

ihr jammert ständig hinterher.

Ich hab es satt, die Schnauze voll,

ich weiß auch gar nicht, was das soll:

September in der Innenstadt,

macht ihr die Weihnachtsstimmung platt.

In jedem Center, jeder Butze

steht schon einer mit Kaputze,

mit Glatze oder Wattebart,

in Vollmilch oder bitterzart,

Milka, Sprengel, Kinder, Lindt

was glaubt ihr eigentlich, was wir sind?!

Staffage für die Zuckerbäcker,

innen hohl, aber sooo lecker?

 

Wisst ihr wie sehr das schmerzt

wenn ihr in eurer Werbung scherzt,

dass Weihnacht ist, wenn Cola kommt?

Die kommen dann tatsächlich prompt

mit einem ries´gen Ami-Truck.

Da schleppt nicht einer mehr den Sack.

Warum denn auch, es geht so schnell,

mit UPS und DHL .

 

Was waren das für schöne Zeiten,

auf Kufen über Wolken gleiten,

den Sack geschultert, von Kind zu Kind,

wobei das jetzt auch vielmehr sind.

Milliarden wurden aus Millionen,

die auf dem ganzen Globus wohnen.

Nehmt´s mir nicht krumm, für mich ist klar,

dass das hier meine Kündigung war.

 

Ich wünsch` euch allen nur das Beste,

viel Geschenke , frohe Feste,

Gänsebraten oder Ente…"

Der Weihnachtsmann,

ab jetzt in Rente!

5. Türchen 1991

TS, 5. Dezember 2011, 03:09
2011
Dez 5

AUSGETRÄUMT 1991

10 Jahre vergangen,

ganz schön lange Zeit,

die ersten 10 Jahre

der Volljährigkeit,

was waren das für Träume

mit grad´ 18 Jahren,

wir waren wie Helden,

wollten nur Moped fahren,

den Schlafsack im Rücken

und dann um die Welt,

mit kleinen Gelegenheiten,

käme man schon zu Geld.

 

Das haben sie alle

damals wirklich gewollt,

doch die Wirklichkeit hat sie

alle hart überrollt,

zuerst kam der Wehrdienst,

fast alle gingen hin

und lernten Gehorsam

im weitesten Sinn,

sprangen je nach Befehl

mal hoch und mal weit,

lernten, dass man stets recht kriegt,

wenn man laut genug schreit,

sie wurden vereidigt

gehobelt, geformt,

sie wurden beleidigt

und herrlich genormt.

Dann kam die Entlassung,

so ganz ohne Krieg,

sie hatten gekämpft,

so ganz ohne Sieg,

die meisten dachten,

dass es sinnlos war

sich Gedanken zu machen,

also ab in die Bar.

Nach dem grossen Besäufnis

wurd´ es akut,

man hat seinen Platz nur,

wenn man was tut,

also ´ne Arbeit,

denn Arbeit macht frei,

wenn sie richtig bezahlt wird

mit mindestens Zwei.

So das war geregelt,

der Traum war fast tot,

doch man hatte zu trinken

und sein täglich Brot.

Jetzt auf die Suche,

man brauchte ´ne Braut,

mit der man gemeinsam

das Leben verbaut,

so ein liebblondes Dummchen,

das nicht so viel fragt,

das eher den Mund hält,

bevor es was sagt,

so eine wie Mutter,

die bügelt und brät,

die stets ihren Platz kennt,

weil sie da sicher steht.

Sowas gibt’s in der Disco,

da klappt sowas blind,

da kann nix passieren,

weil da alle so sind.

Dann ab in die Kirche,

´ne Hochzeit in weiss,

so ´n herrlicher Tag

und so ´n hoher Preis.

Man war übern Berg

und nun gings bergab,

dem Ende entgegen,

im gleichförmigen Trab,

ein Auto geleast,

das Haus finanziert,

das Leben versichert,

falls mal was passiert,

drei Kinder gezeugt,

zwei sehen aus wie er,

beim dritten, das weiss sie,

fällt das zuordnen schwer.

Jetzt erst 28

und doch schon am Ziel,

man hat zwar nicht alles,

dennoch hat man viel,

man hat zwar fast gar nichts

von dem jemals gewollt,

doch wer hält den Fels auf,

wenn der so sauber rollt.

Das Ende ist sicher

oder auch nicht,

auf jeden Fall bitter,

weil so erträumt war es nicht.

“KLARTEXT” ISBN 978-3-00-023051-6

4. Türchen 1991

TS, 4. Dezember 2011, 11:02
2011
Dez 4

FLUCHT

Am Ende der Nacht
halbtot aufgewacht
und spontan kein konkretes Erinnern.
Sie war doch sehr hart
diese Geisterbahnfahrt
durch die Kneipen mit all diesen Spinnern.

Es war der Versuch
mal wieder dem Fluch
des Alltags heut´ Nacht zu entkommen,
doch jetzt ist es klar,
was immer auch wahr,
der Fluch ist nur etwas verschwommen.

Es hat keinen Wert,
es sei denn man kehrt
nie wieder zurück in die Zwänge,
was nützt jede Flucht,
wenn man später mit Wucht
wieder landet in fesselnder Enge.

Es gibt nur ein Ziel,
das erreichen nicht viel,
sich einmal von allem zu trennen,
damit man sich dann
sicher sein kann
seine eigenen Werte zu kennen.

3.Türchen 1989

TS, 3. Dezember 2011, 12:11
2011
Dez 3

TYPISCH DEUTSCHES DEUTSCHLANDFreitag 1. Dezember 1989

Es ist wieder so wie damals,

es ist wieder mal so weit,
40 Jahre doppelt-deutsch
war zu wenig Zeit.
In den Diskotheken,
in der Straßenbahn,
auf den Fußballplätzen
Deutscher Größenwahn.

In der Wirtschaft,
in der ganzen Welt,
vor allem in der Politik,
was zählt ist deutsches Geld.

Der deutsche Staat ist neu vermessen,
alles was gewesen ist,
ist sehr schnell vergessen.

Erst den rechten Arm nach oben,
um sich richtig auszutoben….
Kriegestaumel – und sofort
Judenhetzte – Völkermord.
Dann verloren Krieg und Ehre,
die Folge war Gedächtnisleere,
keiner hat mehr was gewusst,
nie gewollt – man hat gemusst.

Dann bereut und zweigeteilt,
40 Jahre lange Zeit.

Östlich-köstlich,
kommunistisch,
russlandhörig – leninistisch,
wieder kriechen – wieder kuschen,
die Vergangenheit vertuschen,
Strassennamen ausgetauscht,
linke Faust nach oben rauscht.

Deutsche Kasper-Marionetten,
um den eigenen Arsch zu retten.
Westlich-festlich,
kapitalistisch,
amihörig-materialistisch,
konsumieren – produzieren
und Vergangenes ausradieren,
nach außen stets neutral verhalten,
im Verborgenen die Alten,
Deutsche Macher – machtbesessen,
nie das wahre Ziel vergessen.

Jetzt ist wieder alles offen,
deutsche Einigkeit lässt hoffen,
dass jetzt alles wird wie `s war,
deutscher Geist denkt wieder klar.
Linke Faust ganz schnell zu Boden,
rechte Hand strebt schon nach oben,
endlich sind wir wieder wer,
die Geschichte wiegt so schwer.

Deutschland wieder groß und reich,
gleich:
Großes Deutsches Reich?
An Deutschland soll die Welt genesen,
also dann:
Das wär´s gewesen!

Mein Deutschland ist helle
Mein Deutschland hat Mut
Mein Deutschland hat Helmut
und das ist nicht gut…..

2. Türchen 1988

TS, 2. Dezember 2011, 03:33
2011
Dez 2

FILM 1988

Ich verstehe diesen Film

nicht mehr.

Wer hat das Buch geschrieben?

Der Orwell,

der könnt´ es gewesen sein,

doch nicht so übertrieben,

der hätte dann eventuell

die Wälder sterben lassen,

doch gleich die Robben

und den Barschel,

das hätte er gelassen

AUGENBLICKE 1988

Zwei Augenpaare in der Menge,

anonym, noch nie gesehen,

zwinkern, lächeln, denken,

jetzt könnt´ es geschehen.

Zwei Augenpaare unter tausend,

träumen, hoffen, recherchieren,

haben Angst sich im Gewühl,

der tausend Träumer zu verlieren.

Zwei Augenpaare unter Neonlicht,

zweifeln, zögern, handeln nicht,

verweigern sich dem Augenblick,

riskieren so das große Glück.

Zwei Augenpaare verlieren sich,

ein Wiedersehen gibt es nicht.

Zwei Hoffnungen sind schnell zerstört,

wenn man auf den Zweifel hört

“KLARTEXT” ISBN 978-3-00-023051-6

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