London, Juli/August 2012 – Olympiade:

Männer in kurzen Hosen, ärmellosen Shirts, Kniestrümpfen und Turnschuhen schwitzen, kämpfen, schleppen sich stolpernd mit letzter Kraft über Ziellinien, verlangen ihrem Körper das äußerste ab, jede Sehne, jeder Muskel, ja jede Faser ihrer trainierten Körper ist aufs extremste gefordert. Mutanten die in jedem X-Men-Film Hugh Jackman aus der Hauptrolle kicken könnten.

Und wir gucken zu, wir sitzen vor der Glotze, greifen frustriert in die Chipstüte, staunen, zweifeln und streifen neidvoll über unsere Problemzonen und denken: „So kann man also aussehen, wenn man sich regelmäßig bewegt.“ Und wir blicken zu unseren Partnerinnen und können ihre Gedanken lesen, ja wir wissen ganz genau, was in ihnen vor sich geht: „ Tja, Alter, das sind Kerle, die sehen lecker aus, so einen wollte ich auch mal haben!“

Und sie haben recht, wir wollten doch nie so wabbelig, schwabbelig, schlapp und kaloriengeschwängert werden und hätten wir während der Olympiade die Zeit, die wir vor der Glotze saßen lieber im Fitnessstudio verbracht, dann sähen wir jetzt zwar immer noch nicht aus wie Usain Bolt, aber so ein bisschen was hätte es schon geholfen. Und wie sagte Kevin Spacey in American Beauty: „Ich will einfach nur nackt gut aussehen!“ Davon sind wir alle tonnenweit entfernt. Aber das ist ja auch egal, wir müssen ja nicht mehr, wir sind weg vom Markt und unsere Frauen sehen ja nun auch nicht alle aus wie Angelina Jolie. Und das ist es, das ist der Deal: deine Wampe gegen meinen Hintern, dein Doppelkinn gegen meine Speckrolle.

Das ist völlig legitim.

Aber Männer, müsst ihr euch deswegen wirklich so gehen und so sehen lassen ??

Braunschweig, Juli/August 2012 – Baumarkt:

 

Männer in kurzen Hosen, ärmellosen Shirts, Socken und Sandalen schwitzen, nörgeln, meckern, schleppen sich, ihre Plautze auf Einkaufswagen gestützt, durch die endlosen Regallabyrinthe und verlangen ihren Mitmenschen das Höchstmaß an Toleranz ab, jeder Sehnerv, ja jedes Ästhetikverständnis wird bis auf das äußerste überfordert.

Optische Ohrfeigen! Gibt’s auch Augenfeigen ??

Mutationen, die in jedem X-Men-Film Kevin Durand die Rolle des Blob streitig machen könnten.

Und wir gucken uns das trotzdem an, wir schlendern durch die Regalgänge, haben alle Zeit der Welt, denn es tut gut, es tut so gut zu wissen, dass es nicht wenige gibt, die sich noch weniger bewegen, die noch mehr grillen und Bier trinken und die es offensichtlich noch weniger interessiert, wie sie auf ihre Partnerinnen und den Rest der Welt wirken. Und wir blicken immer wieder zu unseren Frauen, wir wollen, dass sie es sehen und dass sie unsere Gedanken lesen:“ Tja, Schatz guck dir das ruhig genau an, so einen hättest du auch kriegen können!“

Und wir haben recht, wir sehen doch im Vergleich immer noch ganz gut aus. Es gibt immer einen, der unser Selbstwertgefühl stabilisiert, der uns sicher sein lässt, dass wir auf der Attraktivitätsskala nicht an letzter Stelle stehen. Und der zeigt das dann auch, völlig ungeniert und jenseits jeder Schamgrenze, in roten Shorts, gelben hautengen Shirt, grünen Socken und beigen Schlappen. Man möchte ihm in der Freizeitabteilung Schäufelchen, Backform und Eimerchen kaufen. Männer, auch wenn ihr längst unter Haube seid und euch das alles völlig egal ist, denkt an eure Mitmenschen.

Eines noch zum Schluss: Männer, bitte bückt euch nicht vor dem Baummarktregal, denn immer wenn ich einen von euch da hocken sehe, denke ich unweigerlich an diese Unkrautvernichtungsflammenwefer, dann möchte ich euch eure Wildkräuter vom nackten Buckel sengen und eure sichtbare Gesäßfuge anschließend mit Silikon abdichten.

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