„Wir machen im nächsten Heft was über Mädchenerziehung …. !!“

„ Mädchenerziehung ??“

„Nicht Mädchenerziehung – Mehd-jen-erziehung,  Me-di-en-erziehung !!“

„Aha!“

So ungefähr lief das bei der letzten „Kolumnenbestellung“.

Und da habe ich mir, auch wenn es ein wenig klingt wie der Kalauer des Monats, gedacht soweit auseinander ist das gar nicht, heutzutage.

Aber, ich fühlte mich auch leicht überfordert. Ich bin fast 50 und habe vier Kinder und weder von Medien noch von Erziehung auch nur einen Hauch von einer Ahnung, hätte ich auch nur ansatzweise versucht unsere Kinder zu erziehen, das wäre doch komplett in die Hose gegangen. Da halte ich es wie Reinhard Mey : „Es ist völlig egal wie wir es machen, wir machen es sowieso verkehrt, nur wir sollten es mit möglichst viel Liebe verkehrt machen!“ Klappt ganz gut bis hierher.

Und Medien, naja die Kolumne mit dem Smartphone spricht für sich, oder?

So, aber jetzt mal zum Thema: Mädchenerziehung durch Medienerziehung.

Früher, als wir noch junge Jungs waren und unsere Schwestern junge Mädels, da waren unsere Väter junge Väter und zwar jüngere Väter, als es die meisten von uns heute sind.

Und da waren sie auch zumindest von der Medienseite her ziemlich konkurrenzlos. Die Kerle die es da in der Glotze zu sehen gab und an denen sich die Mädels damals hätten orientieren können, stellten für die Vater- u. Respektperson überhaupt keine Gefahr dar.

Was war denn da im Angebot?

Horst Tappert, Wim Thoelke, Hänschen Rosenthal, Ilja Richter, Erik Ode und Robert Lembke, Alfred Tetzlaff, na wirklich, da konnte Papa auf dem Sofa sitzen, egal wie – er hatte gewonnen.

Und heute, da müssen wir uns doch aber ganz anderen Vergleichen stellen. Erstens sind wir älter, zweitens älter (ich will jetzt nicht schon wieder auf der Physis rumhacken) und drittens, die Kerle, mit denen uns unsere Töchter vergleichen, sind wirklich echte Kerle.

Bei Bruce Willis, DiCaprio, Collin Farrell, Daniel Craig, Hugh Jackman, Chris Hemsworth und sogar (das fällt mir ganz besonders schwer jetzt) Till Schweiger,

da kann doch Papa mit fast 50 echt nicht mehr mithalten.

Besonders deutlich wird das im Urlaub. Habe ich gerade hinter mir.

Wenn man versucht sich auf die schwimmende Luftmatratze zu wälze

n und auf der anderen Seite so wie Antje das Walross wieder runterrutscht, was macht die Tochter? Sie guckt weg, spitzt die Lippen und schwimmt mit verächtlichem Blick, in der Hoffnung, dass noch keiner gemerkt hat, dass man verwandt ist, weit raus aufs Meer. Oder, wenn man einen Parkplatz sucht und erst mal an einer Reihe von möglichen Möglichkeiten vorbeijuckelt mit der Begründung: „ Zu eng, viel zu eng, da passen wir nicht rein!“ Wen oder was hat sie dann vor Augen? – Jason Statham !! Handbremse gezogen, das Lenkrad rumgerissen und wenn es sein muss auf zwei Rädern, und die Karre steht da drin!! So geht das!

Schön, auch so beim Essen, wenn Papa im zerbrochenen Kaudawelschlateintoskanisch denkt: „Ich kriege das hin.

Pomodoro…, Pom.., das muss ja irgendwas mit Kartoffeln sein, Pommes Frites, na klar.“ „Du Papa, der Jason Bourne spricht alle Sprachen!“

Das schmerzt! Und damit mir das nicht nochmal passiert habe ich mir fest vorgenommen, ich werde jetzt ´ne harte Sau, war ich doch früher auch, ab jetzt mach ich den Daddy Cool. So wie damals.

Im nächsten Urlaub, Dreitagebart, keine Shorts mehr, Spiegelsonnenbrille, Stiefel, Lederjacke, Kragen hoch, Kippe im Mundwinkel, lege ich beim Essen, das Schweizermesser demonstrativ unter die Serviette, nenne vor der Bestellung deutlich meinen Namen:“ Mein Name ist Stelzner, Thorsten Stelzner und ich möchte meinen Kräutertee gesüßt und nicht gezuckert und beim Bezahlen, kippe ich dem Kellner, wie Di Caprio in Blood Diamont, mein altes Zahngold auf den Teller. „ Reicht das?“ Das „ Reicht das?“ gilt jetzt für den Kellner und die Tochter, mal gucken ob sie das cool findet und ob Papa dann im Vergleich ein bisschen besser wegkommt.

Ach so, und Medienerziehung, in unserem Haus gibt es 5 Fernseher, 7 Computer, Smartphones, I-Pads, Playstations, Wiis und X-Boxen (und einen Hund, das jetzt nur für mögliche Einbrecher), also das volle Programm. Und unsere Kinder nutzen alles, mehr oder weniger, wie sie wollen, wann sie wollen und wir sind uns trotzdem absolut sicher, dass sie nicht irgendwann mit der Pumpgun durch die Schule laufen, denn dafür haben wir sie einfach zu liebevoll und verständnisvoll zu vernünftigen und selbständigen Menschen „erzogen“ – hoffen wir, dass das nicht verkehrt war.

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