Gibt es ein Leben nach dem Lernen ?

TS, 7. November 2012, 14:54
2012
Nov7

Und auch den Text habe ich gestern gelesen ….

Von Thorsten Stelzner
Mein Dank gilt an dieser Stelle tatsächlich einem Lehrer: Dass ich das jemals schreiben würde, hätte ich mir niemals träumen lassen. Naja, es hat ja auch immerhin 35 Jahre gedauert…
Einen Tusch für Michael Math, Nicht Mathe, nur Math. Michael Math hat mich rehabilitiert; Lehrer in Peine. Das setzt der Sache noch einen drauf. Einem Peiner Lehrer – und es wird noch besser – einem Peiner Deutsch- und Geschichtslehrer danken … Das ist fast so absurd, als wenn ich  …
Aber Math hat es getan. Math hat ausgesprochen, was ich schon seit der 3. Klasse weiß: „Lehrer müssen Schüler begeistern, denn sie rauben ihnen 45 Minuten ihres Lebens.“ Genau! Und ich habe sofort ausgerechnet, was das für mich bedeutet: 10 Klassen, 13 Jahre, ca. 30 Stunden pro Woche …Da kommt aber was zusammen. Ich bin ja bereit, die Grundschulzeit abzuziehen, denn Lesen, Schreiben und Rechnen waren ja noch recht wichtig. Aber dann… Also: Neun Jahre mal rund 1200 Stunden macht 10800 Stunden (Die Zeit für Hausaufgabe habe ich in meinem Fall mal ganz großzügig abgezogen. Dafür lasse ich aber die geschwänzten Zeiten in der Rechnung – gleicht sich vielleicht gerade so aus.) mal gesetzlichem Mindestlohn von 7,50 Euro: Das macht mal eben 81.000 Euro, plus Zins und Zinseszins – kann ich nicht ausrechnen, da hab ich gefehlt.
So, wo kriege ich die jetzt her? Vom Jugendamt, von der Landesschulbehörde? Ich fordere Entschädigung, Wiedergutmachung. Aber kaum hatte Math das ausgesprochen und die Braunschweiger Zeitung, ja tatsächlich die Braunschweiger Zeitung, gedruckt, da kamen sie aus ihren pädagogischen Schützengräben gekrochen und ballerten wild um sich: „Aber, Herr Kollege, wir sind doch die, die die Kinder auf die Welt, auf das Leben vorbereiten.“ Na danke, schöne Welt, schönes Leben! „Ich dachte, in der Schule lernen die Kinder … wir opfern unsere Zeit um …!“ Und, und, und . .. Blablabla!
Und damit haben sie erst recht bewiesen, dass sie unfähig sind.

Denn es geht nicht um sie, es geht um die subjektive Wahrnehmung der Kinder, der Schüler. Und da hat Math nun mal recht: Wenn du als 13-Jähriger zum Beispiel im Martino-Katharineum sitzt, aus dem Fenster guckst, auf die Breitestraße, Richtung Handelsweg, Innenstadt, dann weißt du: 100 Meter, und die läufst du in dem Alter noch locker unter 15 Sekunden, glaube ich, die Lehrer nicht. Also: Keine 15 Sekunden, und du bist mitten im Leben. Stattdessen nageln sie dich da fest, in viel zu kleinen Räumen, mit viel zu vielen Menschen, auf viel zu kleinen Stühlen, kritisieren, reglementieren, fordern, mäkeln an dir rum, messen deine Ränder nach, zensieren, unterbinden jede Form vom Kreativität. Sie legen fest, wann man was und wie zu lernen hat, bauen Konkurrenzdruck auf, halten alle nur ihr eigenes Fach für wichtig. So wie du da arbeiten sollst, musst du später hoffentlich nie wieder arbeiten. Und immer unter dem Mantel der Vorbereitung auf ein Leben nach der Schulzeit. Das ist es, denn Schulzeit ist keine Lebenszeit. Was sagt das aus?
Ich bin übrigens auch bereit, die Stunden abzuziehen, die ich nicht körperlich schwänzen konnte, sondern nur in meiner Fantasie beim Blick aus dem Fenster, der Enge und der Langeweile entflohen bin. Wahrscheinlich sind die für meine Entwicklung sehr wichtig gewesen.
Bitte, und wieder kommen sie: „Aber, aber, es gibt doch auch Schüler, die heute noch von ihrer Schulzeit schwärmen!“ Stimmt, und was sind die heute? Lehrer! Bitte! Ihr seid kein Maßstab, Menschen, die in ihrem Leben zwei Schritte gemacht haben: Raus aus der Schule, rein in die Uni, raus aus der Uni, rein in die Schule. Die haben nur eine halbe Drehung hinter sich gebracht: Gesicht zur Tafel, Rücken zur Tafel. Fertig. Und das am besten noch für die Grundschullaufbahn, will sagen: Ihr kopiert die nächsten vier Jahrzehnte Jahr für Jahr dieselben Arbeitsblätter, betet dieselbe Litanei rauf und runter… Heidewitzka! Ihr seid für die gefühlte Langeweile eines lebenslustigen, hormongesteuerten 13-Jährigen einfach nicht die Messlatte.
So, das ist so ein Text, bei dem ich natürlich sofort nachsetzen muss: Satire, Satire, war alles ganz anders, war nur Spaß. Es könnte ja sein, dass den meine Kinder oder sogar deren Lehrer lesen. Das will und kann ich einfach nicht verantworten.

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