Irgendwer schuf irgendwann irgendwie die Welt,
irgendwo hat irgendwer die dann hingestellt.
Vielleicht in ein Terrarium, vielleicht in ein Regal,
vielleicht schmiss er sie auch ins Klo
und dachte mach`s nochmal.
Vielleicht war es ein Prototyp – ein kläglicher Versuch,
vielleicht geschah´s aus Rache und war ein böser Fluch.
Vielleicht war es ein Unfall, ein zufälliges Produkt,
vielleicht ist es ´ne Raubkopie, geklaut und abgeguckt.
Vielleicht, vielleicht, vielleicht auch nicht,
wer wird das je erfahren?
Wir grübeln doch schon lange hier,
nicht erst seit ein-, zweitausend Jahren.

Irgendwo fing irgendwer irgendwas mal an zu zählen
und nur weil´s nun 2012 sind, soll mich das etwa quälen.
Irgendwie ist´s irgendwo irgendwem egal,
ob eins, ob zwei, ob endlos viel, es ist doch bloß ´ne Zahl.
Irgendwer, wenn es ihn gibt, hat nicht mal mitgezählt,
der hat für uns mit Sicherheit ´nen anderen Plan gewählt,
der wird vielleicht mal irgendwann beim Aufräumen oder so,
in seiner alten Kammer oder in seinem Büro,
mit Staunen oder Entsetzen, Erschrecken oder Stolz,
bemerken was wir treiben und denken: „Ach was soll´s,
der alte Kram, der kann jetzt weg, das ist doch längst veraltet,
dann gehen hier die Lichter aus, weil er sie uns abschaltet.

Interne Mail in Herzensangelegenheit !!

TS, 16. Dezember 2012, 06:35
2012
Dez 16

Von: Cor Musculus
An : Lobus Frontalis

 

Lieber Lobus,
heute wende ich mich in einer echten Herzensangelegenheit,
nach einem halben Jahrhundert das erste Mal direkt an dich.
Denn ich brauche deine Hilfe, ich kann nicht mehr, wenn das
so weiter geht, klappe ich ab und das kann auch nicht in dei-
nem Sinne sein!
Seit über fünfzig Jahren, ja tatsächlich, schon vor dem ers-
ten Atemzug habe ich geackert, gepumpt, geschlagen, wie
auch immer, dafür gesorgt, dass ihr alle möglichst gut bedient
durch dieses Leben kommt.
Im zarten Säuglingsalter, als der Rest noch damit beschäftigt
war, sich zu entwickeln, habe ich schon mit 120 Schlägen pro
Minute alles dafür gegeben, dass ihr in Ruhe euer Ding ma-
chen könnt.
Bisher ca. zwei Milliarden mal habe ich – zum Teil unter wirk-
lich erschwerten Bedingungen – diesen hemmungslosen Kör-
per und auch diesen unruhigen Geist durch mein konsequen-
tes Klopfen und Pochen durch das Dasein geschleppt.
Ich habe die Frequenz erhöht in der Pubertät, beim ersten
Liebeskummer. Ich habe die Exzesse in der Experimentier-
phase ohne zu zucken über mich ergehen lassen. Die Niko-
tinsucht weggesteckt, die durchzechten, schlafl osen Nächte
in sauerstoffarmen Kneipen geschluckt, das böse Erwachen
am nächsten Abend, wenn der gesamte Organismus und auch
du mein lieber Lobus noch auf Sparfl amme vor sich hin dös-
ten, über mich ergehen lassen. Durch erweiterte Arterien mit
Pastis verseuchtes Blut durch den Körper plätschern lassen,
oder es an Stellen getrieben über die ich hier jetzt nicht reden
möchte, nur damit es irgendwie weitergeht und ihr euren Spaß
habt. Ich habe manches Mal schon überlegt, ob ich nicht mal
kurz die Klappen halten sollte, nur damit ihr mal merkt, dass
es mich überhaupt gibt. Nur ganz kurz mal die Schotten dicht
machen, für ein kleines bisschen Aufmerksamkeit.
Aber nein, das habe ich mir verkniffen, so wichtig nehme ich
mich ja auch gar nicht, das ist mein Job, da muss ich durch,
das ist das Leben! Und manchmal gab es ja auch zur Unter-
stützung, die eine oder andere Aspirin.
Ich habe alles über mich ergehen lassen, Stress, ob positiv
oder negativ, ganze Flutwellen von Adrenalin haben mich zu
echten Höchstleistungen gepeitscht, das war ja mitunter auch
recht anregend.
Die Koffeinorgien mit bis zu 15 Tassen am Tag – kein Problem.
Auch, dass ich jetzt neuerdings komplett darauf verzichten
muss, dass ich jetzt morgens schon seit über einem Jahr ohne
Kaffee und nur mit Kräutertee in die Gänge kommen muss.
Das fette Essen, die Zuckerschübe, das Übergewicht und die
Trägheit das fällt alles auch unter erschwerte Arbeitsbedin-
gungen.
Aber bitte, auch das kriege ich hin.
Ich habe das alles ohne zu zucken ertragen, denn ich hatte
eine Vision, eine Hoffnung.
Ich habe ernsthaft geglaubt, wenn der erstmal 50 wird,

dann
wird es vielleicht auch für mich mal ein bisschen ruhiger, dann
kann auch ich mich mal gehenlassen, einen Gang runterschal-
ten. Ich hatte gehofft, dass die Pharmazie mir dann mal zur
Hand geht, irgendwie mit Betablockern, Blutdrucksenkern,
dass dann der Druck nachlässt und in meinen Vorhof etwas
Ruhe einkehrt, dass das hektische Pumpen und Klappern für
mich auch mal ein Ende hat.
Ja, und jetzt? Jetzt geht der plötzlich laufen, hast du eine
Ahnung, was das bedeutet? In meinem Alter, nach so einem
Leben, da gehen andere schon fast in den Vorhofruhestand
und ich muss plötzlich noch mal richtig ran, da werden aus
70 Schlägen aber mal ganz locker 150. Und das Beste ist sein
Argument. Er sagt: „Da kann er so schön bei abschalten, das
macht den Kopf frei.“
Na super, ich ackere mich kaputt, nur damit du abhängen
kannst. Jetzt mal Hand aufs Herz.
Das kann nicht euer Ernst sein. Da kriege ich jetzt aber lang-
sam das große Flimmern.
Darum, mein lieber Lobus, wende ich mich heute auch direkt
an dich.
Mach was! Sieh zu, dass der sich seinem Alter entsprechend
benimmt, sonst geht das hier Schlag auf Schlag und dann ist
Ruhe im Kardiogramm, dann könnt ihr mal gucken wie ihr ohne
mich zurecht kommt.
Sprich mit ihm!
Mit herzlichen Grüßen
Dein Cor
PS: Und wenn der jetzt mit fünfzig wirklich anfängt sich über
Falschparker aufzuregen, dann leg ich uns aber mal ganz de-
zent röchelnd auf den Fußweg. Es reicht jetzt.

2012
Dez 16

10.BRAUNSCHWEIGER SATIREFEST

Thorsten Stelzner „FRONTAL 13“

Angriff auf den „Lobus Frontalis“

Nach „Tagesthemen I u. II“ wird es Zeit für einen Stellungswechsel, für das Nachfolge Format, das neue Programm: „FRONTAL 13“, den direkten Angriff auf den „Lobus Frontalis“, den größten Lappen im menschlichen Gehirn. Mit der Kopfnuss direkt auf den Stirnlappen und somit in das Zentrum des Schwachsinns. 13 wesentliche Funktionen und eine Krankheit werden dem Lappen zugeordnet und das sollte reichen um daraus, wieder ein abendfüllendes, 20.000 Wörter umfassendes, rasantes Programm zu schöpfen.

Mein Fetzen und ich sind momentan noch bei der Motivation, Planung und Koordination und sollte uns diese eine Krankheit nicht vor Abschluss der Arbeiten noch dazwischen funken, dann machen wir gemeinsam auch noch einen Text über, äääh über.. verdammt, was war das jetzt noch gleich, na, geht ja gut los, ähh, Mist, darf das jetzt sein, – vergessen!

Und übrigens, äh … der, also das Dings, dieser Frontal-Fummel, der also da in diesem, der hier vorne, das steuert auch die, warte mal, hab ich gleich, die naja, diese wenn man, jetzt nee, nicht das Denken jetzt, nee, nee, nee, mehr das, ach naja, is´ auch egal … wird schon!

… In atemberaubendem Tempo, gewissermaßen der Ferrari unter den Wortjongleuren..

.. Es hagelt wunderschöne Lebensweisheiten aus der Sicht dessen, der aus der Schieflage der Welt vollkommene Klarsicht auf die selbe hat.

wenn man Stelzners rauer, kerniger Stimme beim Granteln zuhört, kommen seine Texte so lebendig herüber … das verleiht der satirischen Überdehnung Kraft… wortgewaltig !!

www.thorsten-stelzner.de

Graff hat noch … direkte Links !!

TS, 16. Dezember 2012, 06:28
2012
Dez 16

stinker

Von Stinkern und Schleimern: https://www.graff.de/cgi-bin/bestellen.cgi?onum1=1&otitle1=T.+Stelzner+CD+Von+Stinkern+und+Schleimern%0A&oisbn1=978-3-00-025473-4&oprice1=7.95&ocurrency1=Euro

 

 

w_booklet10 

Tagesthemen: https://www.graff.de/cgi-bin/bestellen.cgi?onum1=1&otitle1=T.+Stelzner+CD+tagesthemen%0A&oisbn1=978-3-00-034332-2&oprice1=9.95&ocurrency1=Euro

 

web_CD-2012

Tagesthemen II: https://www.graff.de/cgi-bin/bestellen.cgi?onum1=1&otitle1=T.+Stelzner+CD+tagesthemen+II%0A&oisbn1=978-3-00-038159-1&oprice1=9.95&ocurrency1=Euro

Satirefest – Kartenvorverkauf

TS, 2. Dezember 2012, 19:44
2012
Dez 2