Das fängt ja gut an, meine Rechtschreibprüfung kennt das Wort gar nicht – Geschwisterliebe. Geschwisterliebe ist rot unterkringelt. (Unterkringelt kennt sie auch nicht, spielt hier aber keine Rolle) Also, Geschwisterliebe gibt es nicht, zumindest nicht in meiner Rechtschreibprüfung und auch nicht in meiner Wahrnehmung.
Wo soll sie denn auch herkommen? Sehen wir das doch mal realistisch, das erste jemals erwähnte Geschwisterpaar, Viehzüchter und Ackerbauer, haben sich ziemlich schnell, auf äußerst brachiale Art und Weise getrennt. Hau drauf und Schluss. Und warum? Aus Neid!! Und das ist es – Geschwisterbeziehungen sind vom Neid und vom Konkurrenzkampf geprägt.
(Das ist jetzt der Hammer, meine Rechtschreibprüfung ist komplett auf meiner Seite, Geschwisterpaar u. -beziehung kennt sie wieder nicht, aber Konkurrenzkampf.)
Das erste Kind wird geboren und weiß überhaupt nicht, dass es das erste ist, es stellt nur ziemlich schnell fest, dass sich das ganze familiäre Universum einzig und allein um seinen runzeligen gerade mal ca. 7-9 Pfund leichten, mickrigen Körper dreht. Wahnsinn, so klein und unscheinbar und zu nix zu gebrauchen, allein nicht mal lebensfähig und trotzdem das Zentrum der gesamten Aufmerksamkeit. Omma, Oppa, Onkel, Tante, Mutter und Vater – Bruder und Schwester kommen da ja noch gar nicht vor, alle sind total von den Socken, das prägt. „ Ich bin das Alpha und das Omega, ich bin so ungeheuer wichtig, das muss so sein!“
Wenn sie oder er Glück hat, funktioniert das ein paar Jahre.
Aber dann. Dann beschließen Mutter und Vater plötzlich, dass sie das ganze gern noch mal erleben möchten, noch mal dieses unglaubliche Wunder, dieses Erschaffen eines neuen Lebens.
Und zack ist es vorbei, schlagartig rutscht Nr.1 vom Podest, das Monopol bricht in sich zusammen.
Der Markt implodiert, die Konkurrenz siegt scheinbar kampflos, die Aktienkurse brechen ein, die feindliche Übernahme nicht aufzuhalten. Und wenn sie oder er richtig Pech hat und die Sippe aus lauter unsensiblen Idioten besteht (soll ja vorkommen), dann wird aus Platz eins nicht mal Platz zwei, sondern man kracht ins bodenlose Nichts. Neid!
Wie soll man das denn verkraften und dann noch echte innige Liebe zu diesem Störfaktor entwickeln? Geht doch gar nicht!
Andersherum funktioniert das aber auch nicht. Wenn das zweitgeborene Menschenkind auf die Welt kommt, weiß es natürlich nicht, woher denn auch, dass es da schon wen gibt, der stinkig ist, weil er seinen Platz räumen musste. Das dauert ein bisschen. Nach ein paar Jahren, stellt dann Nr. 2 – also das zweitgeborene Gör, für kurze Zeit auf Platz Eins gesetzt, fest, dass der ältere, über einige Jahre völlig unwichtige, nebenher existierende Prototyp, an Bedeutung gewinnt, weil er nämlich älter, größer, stärker und selbständiger ist – er kann mehr und er darf mehr! Neid! „Wieso muss ich schon ins Bett, wieso darf der noch fernsehen, warum darf ich noch keinen Pastis?“ Der Prototyp freut sich! Endlich gewinnt er wieder an Beachtung, endlich ist er im Fokus seiner Eltern wieder präsent. Kommt er dann noch in die Pubertät und baut richtig Kacke, versagt in der Schule oder …, was weiß ich denn? Liegt er plötzlich wieder richtig vorn.
Ganz fiese, hinterhältige Eltern zeugen genau in dem Moment Nr. 3 !

Juchhei!
Denn das treibt alles auf die Spitze. Nr.1 entgleitet völlig und oder wird als ältestes Kind komplett überfordert.
Nr. 2 schlägt als sogenanntes Sandwichkind in der harten Realität auf,– es gibt immer einen, der größer und stärker ist, immer einen auf den die Gesellschaft mehr Rücksicht nimmt und natürlich auch immer einen, der eine bessere Projektionsfläche hergibt für die elterlichen Bedürfnisse. Neid!
Und Nr. 3 wird entweder als Nesthäkchen bis zur Lebensunfähigkeit verhätschelt oder läuft als drittes Rad am Wagen ohne großes Aufsehen zu erregen so einfach mit durch. „Is´ ja alles schon mal da gewesen, die anderen konnten das doch auch, stell dich nicht so an.“ Neid! So oder so sind alle Konstellationen nicht dazu geeignet echte Liebesbeziehungen aufzubauen.
Aber, es hat auch was Gutes, gegenüber Einzelkindern sind Geschwisterkinder viel besser auf das raue, harte von Gier, Neid und Konkurrenz geprägte Leben vorbereitet. Allen Ja-Aber-Sagern noch etwas zum Überdenken.
Die Vor- u. Nachmieter meiner alten Wohnung liebe ich doch auch nicht, also alles was uns Geschwister vereint ist die erste Adresse – die Gebärmutter!
Ja, aber Blut ist doch aber dicker als Wasser. Stimmt, wenn man aber bedenkt, dass auch Blut zu ca. 70 % aus Wasser besteht, ist wohl klar, was wichtiger ist.
Und bei der nächsten Familienfeier lehnt euch nach dem dritten Déjà-vu (die erzählen aber auch wirklich alle immer dasselbe) entspannt zurück und stellt euch die ehrliche Frage: „ Mit wem von denen würde ich jetzt hier sitzen, wenn die nicht zufällig mit mir verwandt wären?“
Also sucht euch Brüder und Schwestern im Geiste!
Und noch etwas zur Beruhigung: Es heißt auch, wenn sich die Geschwister gut verstehen, dann stimmt etwas mit der Ehe nicht!“
So. wenn das jetzt mein Therapeut zu lesen kriegt, dann kann er nur zu einem Ergebnis kommen: „Herr Stelzner, das erklärt alles! Ich kann nichts mehr für sie tun!“
Es gibt einen Song von den Ärzten mit dem Titel „Geschwisterliebe“, aber das gehört jetzt definitiv nicht hier her.

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