Clicclac-Kolumne Oktober

TS, 26. September 2013, 12:39
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Homöopastis, oder Lampenfieber ist so nicht behandelbar !

Dass, ich äußerst selten krank werde und so gut wie nie zum Arzt gehe habe ich ja schon mal geschrieben. Mein letzter Arztbesuch ist auch schon ziemlich lange her und hier auch schon thematisiert worden, damals waren meine Kinder noch im Kinderarztalter und ich musste immer mit, wurde dadurch dann auch prompt stets richtig krank. Seitdem habe ich keine Arztpraxis mehr von innen gesehen. Und  ich kann mich daher auch nur recht wenig zum Thema Medikamente, ob nun schulmedizinisch oder alternativ, äußern.
Ich selbst setze tatsächlich meist auf meine unglaublichen Selbstheilungskräfte, meine Freunde nennen mich ehrfurchtsvoll Wolverine.
Man kann tatsächlich einiges für sich und seine Gesundheit tun, schwächelt mein Kreislauf, gehe ich Laufen oder fahre Fahrrad, bei Rückenschmerzen geht es an die Kraftmaschine und ziehe ich mir mal ´ne kleine Schramme zu, gebe ich meiner Haut die Chance mich zu verblüffen: „ Boah, du schaffst das ganz alleine, was für ein Wunder, das kleine Linola-Männchen kann uns mal!“
Nur, es gibt eine Krankheit gegen die ich absolut machtlos bin, wirklich da hilft nix, kein Autogenestraining, keine Thai-Massage, kein Baldriandampfbad, kein Yoga, keine Hypnose, kein   Entspannungstanz  und auch keine Globuli.
Packt mich das Lampenfieber bin ich fertig, fix und fertig.
Durch eine Reihe von Selbstversuchen mit meinem auf Anisbasis hergestellten Lieblingslikör, habe ich feststellen können, dass es jedoch ein Mittelchen gibt, das bei gezielter Anwendung wirklich so was wie eine vorübergehende Milderung, der tatsächlich ziemlich heftigen Lampenfiebersymptome ermöglicht: Pastis pur, absolut pur.
Ich habe bei der Therapie auch, wie von Hahnemann (geistiger Vater der Homöopathie) gefordert, meinen „gemüthlichen u. geistigen Charakter“ nicht unberücksichtigt gelassen.
Und siehe da, es hat prima funktioniert. Nur die Nebenwirkungen sind natürlich bei einer puren, hochprozentigen Dosierung nicht zu unterschätzen und was hilft es nun, wenn der Künstler auf der Bühne zwar völlig entspannt ist, dafür aber nicht mehr Herr seines Geistes und seines Sprachorgans?  Gelallte Lyrik oder gestammelte Satire hat nur begrenzt seinen Reiz, vor allem wenn man dann, warum  auch immer, plötzlich so klingt, wie eine Symbiose aus Udo Lindenberg und  Rüdiger Hoffmann:
„ Ja, Hallo erstmal, alles total easy, eyh ?“
Das geht nicht.

Das darf man seinem Publikum nicht antun, das hat gerade auch hier in Braunschweig einen gewissen Anspruch. (Man kann auch homöopathisch schleimen, doch, doch das geht.)
Also, was bleibt, oder blieb mir anderes übrig, als auf mein Heilmittel zu verzichten und mich wieder den Auswirkungen dieser unangenehmen Künstlerkrankheit ausgeliefert zu sehen?
Genau, Homöopastis, denn bei der Wikipediarecherche zu dieser Kolumne stieß ich auf folgende Zeilen: Zur Herstellung der Arzneimittel werden die Grundsubstanzen (in meinem Falle also Pastis)
einer sogenannten Potenzierung unterzogen, das heißt, sie werden wiederholt (meist im Verhältnis 1:10 oder 1:100) mit Wasser oder Ethanol verschüttelt. In meinem Fall wäre das Verschütteln von Pastis mit Ethanol nicht ratsam gewesen und hätte eher die Nebenwirkungen potenziert, daher habe ich meinen  Zaubertrank mit reichlich Wasser verschüttelt. Denn laut Hahnemann sollte durch dieses besondere Verfahren der Potenzierung eine im Inneren Wesen der Arznei verborgene, geistartige Kraft wirksam werden. Wurde sie nicht! Ich habe verschüttelt und verschüttelt, ich habe potenziert und potenziert – und die heilende Wirkung blieb aus, zumindest Anfangs, denn der Versuch ergab nach einer Weile der verschüttelten Einnahme, dass es auch in homöopathischen Dosen nur auf die Menge ankommt. Vermischt man die Ausgangsessenz nämlich 1:100 mit Wasser, muss man nur, um eine heilende oder lindernde Wirkung zu erzielen, bei der Einnahme die Dosis verhundertfachen und schon funktioniert das Ganze wieder.
So, und beim ersten Härtetest letzte Woche in Hannover stand nun wieder eine völlig entspannte Mischung aus Rüdeiger Lindenberg und Udo Hoffmann auf der Bühne. Hallo, es ging mir richtig gut eyh!
Wirklich, denn es war halt Hannover, da kann man das schon mal machen.
Aber auf Dauer ist das keine Lösung, denn trinkt man 1:1000 verschüttelten Pastis, in der Menge die man braucht um zu entspannen, ist es mit der Entspannung auf der Bühne spätestens dann vorbei, wenn die Flüssigkeit wieder aus dem Körper drängt.

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