Cicclac-Kolumne -November 2013

Wer hat Angst vorm schwarzen Schaf,
oder adoptiert mich, ich will an die Brust !

Es ist doch so, spätestens in der Pubertät denkt jedes normal entwickelte Trotzkind – und das nicht nur einmal: „Verdammt, ich gehöre hier nicht her, das kann doch unmöglich meine Familie sein, nichts von dem was die sind, will ich sein und nichts von dem was ich will, begreifen die. Die müssen mich im Kreißsaal vertauscht, oder mich warum auch immer adoptiert haben.“

Wenn man dann noch ein sogenanntes Sandwichkind ist, umgeben von Geschwistern, die so gaaanz anders sind, kommt man schon mal längerfristig ins Grübeln.
Das hört auch nie auf. Immer wieder stoßen einem dann so grundsätzliche Unterschiede auf.

Warum sind die so spießig, so ordentlich, so – drücken wir es mal positiv aus – normal?
Warum bin ich so chaotisch, so bekloppt, so – drücken wir es mal positiv aus – kreativ?

Da muss doch was faul sein.

Ich für meinen Teil haben den Adotionsgedanken ziemlich schnell verworfen, denn hätten mich meine Eltern tatsächlich adoptiert, hätten sie mich spätestens im Alter von 15 Jahren, auf dem Höhepunkt meiner Schulverweigerungstrotzexperimtiergrundsätzlichenwiderspruchsphase, meinen leiblichen Eltern per Einschreiben, mit Rückschein und dem Zusatz: „Wir haben unser Bestes gegeben, er hat es nicht verdient!“ zurück geschickt. So habe ich mir das damals erklärt, damit habe ich ständig gerechnet.

Aber, sie haben es nicht getan, was dreierlei bedeuten kann.

1. Wie gesagt: nicht adoptiert.
2. Vertauscht und keiner hat es gemerkt.
3. Sie haben mich trotzdem lieb, bedingungslos lieb und sie standen da tatsächlich drüber.

Sie müssen drüber gestanden haben. Denn – und wenn ich ehrlich bin, habe ich mir das auch manches Mal gewünscht – sie hätten mich ja trotz allem auch irgendwann selbst zur Adoption freigeben können. Haben sie aber auch nicht gemacht.
Und das zerstörte meine kühnsten Jugendträume. Wie gern wäre ich vom Fleck weg adoptiert worden, damals, am liebsten von Udo Lindenberg und Nina Hagen, da wäre meine chaotische, bekloppte und kreative Ader aber auch so gar nicht aufgefallen.

Aber Pustekuchen, es blieb dabei, ich war, das trotz allem geliebte, tiefschwarze Schaf und ich blieb in dieser, meiner Familie.

Und hätte ich nicht diese Kolumne abliefern dürfen, müssen, sollen, wäre ich auch wirklich nicht auf das Thema Adoption gekommen.

Denn ganz offensichtlich sind meine Eltern tatsächlich meine leiblichen Eltern.
Und ich hatte das Glück selbst 4 Kinder zeugen zu können, zu dürfen, wäre ich nicht mit ihnen gesegnet, hätte ich, hätten wir sicherlich auch Kinder adoptiert.
Da ich mich aber nun durch diese Kolumne mit dem Thema Adoption beschäftigen musste und bei der Recherche hierzu auf folgende Zeilen stieß
“In vielen indigenen Gesellschaften wird die Adoption gewöhnlich mit einer Zeremonie verbunden, welche durch eine Scheinentbindung, Saugenlassen an der Brust oder am Daumen den Empfang eines wirklichen Leibeserben symbolisiert”,
kamen dann doch noch einmal ganz konkrete Adoptionswünsche in mir auf. Von wem ich mich jetzt gerne adoptieren lassen würde um evtl. an ihrem Daumen saugen zu dürfen, lasse ich jetzt mal offen. – Nina Hagen und Udo Lindenberg wären es unter diesen Umständen selbstverständlich nicht mehr. Und die, die aus meiner Sicht wünschenswert wären, würden wohl kaum einen 50jährigen an ihren Extremitäten, oder sonst wo nuckeln lassen.

Naja, letztlich ist ja auch egal, ob nun adoptiert oder leiblich und an wessen Daumen man hängt, wichtig ist doch nur, dass jedes Kind tatsächlich bedingungslos geliebt wird. Auch die schwarzen Schafe!

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