HILDESHEIM:

Thorsten Stelzner hat Material für mindestens fünf Stunden Lesung dabei. Der Braunschweiger sitzt wie ein Bürokrat an seinem Tisch, vor ihm das Mikro, ein Wasserglas und ein dicker Aktenordner voller Texte. Etwa 50 Gedichte schreibt er pro Jahr, inklusive einem komplett neuen Satireprogramm. Gerade ist er mit “EGO-KUR – F…rontal und kontrovers” unterwegs – am Mittwochabend machte er Halt in der Bischofsmühle.
Bei dem 51-Jährigen, der sonst auch gerne auf Kundgebungen oder Demos liest, geht es primär um Politikerkarrieren, den gläsernen Menschen, um Markenfetischismus, das grundlose Einkommen als Bedingung und warum der Primat seinen Führerschein bekommen hat. Das ganze poppig und rasant verpackt, in einem unglaublichen Tempo vorgetragen – jongliert und gegrantelt.
Die Lesung die vom DGB-Kreisverband Hildesheim organisiert wird, ist gut besucht. Ein Publikum, das über den nörgelnden Stelzner mit der kernigen, rauchigen Bühnenstimme, dem die Udo-Lindenberg-Imitation perfekt gelingt, lachen kann. Ein Abend für SPD-Wähler, die dem “Polit-Poeten”. wie er sich selbst nennt, oft nickend zustimmen, denn ja: Die Welt ist schlecht, aber wir können es besser machen. Unseren Kindern erklären, dass wir sie niemals auf Seite Eins der Tageszeitung sehen wollen, denn da findet man nur die “echten Sünder”- Machtmissbraucher, Kriegstreiber oder Kinderschänder. Sie dürfen also ruhig mal im Stehen auf der Damentoilette pinkeln oder über eine rote Ampel gehen. Es geht um die ernsteren Themen: Stelzner setzt diesen Text ganz an den Anfang. Eines von den Gedichten, die er in seinen Büchern veröffentlicht, sieben sind bereits erschienen, sein Satireprogramm spricht er lieber auf CD.
Der Braunschweiger ist schon viele Jahre unterwegs, er stand mit Konstantin Wecker auf der Bühne und hat sich oft gefragt, warum er so spät geboren wurde — Mehr »

2014
Mai 8

Erzähl mir nix, es gibt immer was zu feiern!
Oder Nutella, das Wort zum Sonntag und Graf Zahl !

Also, für alle, die ohne Grund nicht feiern, nicht trinken und nicht lustig, fröhlich, glücklich sein können.
Wir haben einen, wir haben einen echten Grund: Das Clicclac-Jubiläum – die Clicclac wird 10!! 10 Jahre – Donnerwetter !! Chapeau!
10 Jahre, n…aja, nun gut, ich war nicht von Anfang an dabei, also kann ich auch nicht richtig mitfeiern, aber das ist eigentlich auch komplett egal, denn wer zählen kann, der kann auch jubilieren. Ich z.B. feiere exakt heute, dass ich zum 25. Mal den Redaktionsschluss verpennt habe.
Das ist doch auch was, oder?
Wir sind nicht zufällig mit zehn Fingern ausgestattet, das dient ganz nebenbei auch dazu, dass wir uns ordentlich im Dezimalsystem bewegen können.
Und nun zählen wir einfach alles und immer erst mal bis zehn, in jedem von uns steckt ein kleiner „Graf Zahl“.
Das gesamte menschliche, irdische Dasein hätte überhaupt keine Bedeutung, wenn es nichts zu zählen gäbe.
Nun, nicht alles was man zählen kann gibt auch Anlass zu feiern. Aber, wenn man einen Anlass sucht um mal wieder ordentlich die Sau raus zu lassen, dann habe ich hier einen „geheimen Tipp“,
es gibt extra für Leute auf Alibisuche einen Katalog, herausgegeben vom DRA (Deutsches Rundfunkarchiv), da stehen sie fast alle drin, die Jahrestage 2014. Das gesamte Werk umfasst 167 DINA4 Seiten.(Habe ich mir extra runtergeladen, da mit mir auch kein Grund entgeht)
Und nur so, für den Wonne-ClicclacJubiläums-Monat-Mai sind das mal eben 137 Einträge. 137 , das sind rund 4,5 Gründe pro Tag um sich mal wieder, freundlich formuliert, gehen zu lassen. Es muss ja nicht immer enden wie beim Karneval, oder Osterfeuer. Mehr »