Rede zur Ausstellungseröffnung –
ICH und DU – von Anna Laibach und Ingo Lehnhof –
zu sehen bei Buch & Kunst –
Kasernenstr.12 – 38102 Braunschweig
Öffnungszeiten Di – Fr 10:00 – 13.00 Uhr, 15:00 – 18:00 Uhr
Sa 11:00 – 13:00 Uhr

Ich & Du
Manchmal wird man aber auch in Rollen gepresst! Wenn man, nach zwei Flaschen Rotwein, von seinen Freunden gefragt wird, ob man …die einleitenden Worte für ihre Ausstellungseröffnung sprechen würde, dann kann man nicht anders, als zu zu sagen: “Ja, klar mach´ ich, wenn Du, wenn Ihr das gerne möchtet! Dann erfährt man den Ausstellungstitel – ICH&DU – und denkt: ICH und DU, nun ja, das sind Wir, so oder so! Nur, wer ist jetzt das ICH und wer das DU? Da wären wir Künstler uns im Übrigen weitestgehend einig: Das ICH sind immer WIR ! Darum steht das ICH in diesem Falle auch vorne – das tut man ja eigentlich nicht, es sei denn, man ist aufrichtig genug, den anderen zu vermitteln: So isses, ICH, immer erst mal ICH, warum auch nicht ?
Nun ist das hier heute etwas komplizierter, denn der Titel Ich und Du steht für eine Gemeinschaftsausstellung: Also, zwei Künstler, eine Ausstellung und der Titel Ich und Du. Zwei Künstler! Müsste doch demnach dem Naturell des Künstlers entsprechend Ich und Ich heißen, denn wer will schon das Du sein, wer ordnet sich schon gerne unter oder nach, wem ist das Ich des anderen schon wichtiger als die Rolle des eigenen DUs? Aber ICH und ICH? Das gab´s schon, und das waren auch Künstler – sagt man! Das geht also nicht, aber: DU und DU?? Dudu! Verdammt, warum dann nicht einfach: WIR? Oder: Deins und Meins, oder Unseres ? Oder Ingo und Anna, Anna und Ingo! Das ist jetzt allerdings eine interessante Frage, kriegt man das fertig? Namentlich sein Ich voran zu stellen, in einer Beziehung? Will man, kann man das so festlegen? Also, zwei Künstler, und einer immer, immer die Nr. eins? Dann ginge doch auch Ich oder Du, oder ? Verdammt, ist das kompliziert! Ich soll hier was sagen; hast Du Dir, habt Ihr Euch überhaupt mal die Mühe gemacht, darüber nachzudenken, ob ich das kann?? (Ich kann das nicht! – Du machst das schon!) Vielleicht steckt in dem Titel auch eine Spur von Schizophrenie.
ICH und Ich und Ich und ICH und Du und DU – wer bin ICH eigentlich für Dich? Wie viel von meinem Ich steckt in deinem Du? Wie viele Dus braucht das Ich, um sich definieren zu können? Wie viele Dus bin ich für Dich? Wie wäre dieses Ich, umgeben von ganz anderen Dus zu einer ganz anderen Zeit? Wer ist sich Ich genug, um sich als solches festlegen zu können? Ich bin ich und so bin ich nun mal!! Sieh Du doch zu, wie Du damit klarkommst. So könnte man es auch verstehen, das Selbstverständnis der Kunst. Ich und Du – sind das zwei Künstler in einer Ausstellung, oder sind das die Künstler und der Betrachter? Sind wir das DU und die beiden die ICHs? Das geht! Beide stehen gemeinsam voran, jeder mit seinem Ego und wir folgen. So sollte es sein!
Wenn die Ausstellung eröffnet ist, folgen wir den beiden zu ihren Werken, stehen allein, jeder für sich mit unseren Gedanken davor und denken: Was willst DU mir damit sagen? Und das KünstlerEgo steht daneben: Was weiß Ich denn, was Du da siehst? Was denkst Du denn, was ich mir dabei gedacht habe? Und dann sind wir ganz bei uns, ganz Ich! Und es ist egal: ICH und DU sind nicht zwangsläufig ein Wir, und sie sind sich schon gar nicht immer einig! Was sollte ich jetzt noch sagen? Interpretieren, erklären, vorgreifen – wie denn? Das geht doch nicht! Ich habe doch von Kunst keine Ahnung und meine Meinung soll auch meine bleiben: BILD dir meine Meinung, oha ! Naja, das machst Du man schön für dich alleine, Ich mache das auch! Mir bleibt jetzt nur noch etwas zu den Künstlern zu sagen und das möchte ich mit einem Zitat von Hermann Hesse tun: “Einen Wert hat er nur dann, und ernst zu nehmen ist er nur dann, wenn er sich nicht verkauft und nicht missbrauchen lässt. Wenn er lieber leidet, als dem untreu zu werden, was er als seine Berufung in sich führt. Die echten Künstler werdet ihr daran erkennen, dass sie einen unbändigen Drang nach Unabhängigkeit haben und sofort zu arbeiten aufhören, wenn man sie zwingen will, die Arbeit anders als allein nach dem eigenen Gewissen zu machen. Sie werden weder für Zuckerbrot noch für höhere Ämter käuflich sein, … Daran werdet ihr sie erkennen!” So sind sie … Anna Laibach und Ingo Lehnhof. Zwei Künstler, eine Ausstellung und Ich und Du /Wir als Betrachter – Viel Vergnügen & Danke schön für Eure Aufmerksamkeit

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