Mutti legt das Tablett weg, die Püppi will wippen!

Als ich das Thema für die Oktoberausgabe der Clicclac bekam, schoss mir sofort folgende Szene in das Gedächtnis: Spielplatz, der Ort bleibt geheim, weil ich schon mal mächtig Stress bekommen habe, als ich negativ über die Weststadt geschrieben habe, in der ich wirklich, wirklich  eine sehr, sehr glückliche Pubertät durchleiden durfte. Aber das spielt hier jetzt keine Rolle, weil es sich hier natürlich nicht um die Weststadt handelt.
Also noch mal: Spielplatz, Jackeline sitzt auf der Parkbank, Zigarette im Mundwinkel und scrollt, tatscht über den Taschtscreen ihres Tabletts und, so glaube ich zumindest, erfreut sich grade einiger Facebookfotos oder Youtubevideos von kleinen süßen Katzenbabys oder auch niedlichen kleinen Kleinkindern aus den Herden ihrer besten Freundinnen. Kann man machen, kein Problem. Nur, das „Cindy aus Marzahndouble“, also das Kind von Jackeline, natürlich in zartes Rosa gehüllt, sitzt alleine auf der Wippe und wippt nicht.
Als ich grade brüllen will:“ Mutti legt das Tablett weg, deine Püppi, die will wippen!“
schlappt von links, der vermutliche Vatti ins Bild – Kippe im Mundwinkel, Schmartphon am Ohr.
Ich weiß nicht ob er der Vater ist, er soll es ruhig glauben. Obwohl ja bewiesen ist, dass die meisten Kinder das erste Mal lügen, wenn sie „Papa!“ sagen.
Also, Papa schlurft durch die Sandkiste und ich denke. „ Na gut, vielleicht wippt der jetzt mit seiner Püppi.“ Aber weit gefehlt, der vermeintliche Erzeuger, grunzt in sein Handy:“Nee, Alter nich auf Arbeit, nee, mit Familie in Park, aufm Spielplatz – warte mal eben – Süße, wippen geht doch nich alleine!“
Einerseits würde ich jetzt gerne einschreiten, traue mich aber nicht, weil ich so meine Erfahrungen gemacht habe, – nicht nur mit der Weststadt. Ich weiß auch, dass Primaten ihre Widersacher gerne mal mit etwas bewerfen, das ich hier nicht beschreiben sollte.
Andererseits denke ich:„ Eigentlich ist das doch ganz okay so, der Vatti bringt der kleinen somit auch eine Menge bei, – über Schwerkraft zum Beispiel oder wie wichtig soziale Kontakte sind und wie blöd es ist ein Einzelkind zu sein! Wippen geht nun mal nicht alleine! Da hat er recht!“
Na ja, was soll es, das ist die Zukunft!
Die neue Technik bietet halt enorm viel Ablenkung, aber auch immense Möglichkeiten.
Grade auch für derart überforderte Eltern.
Und so stelle ich mir vor, wie das wohl zu hause aussieht, im Kinderzimmer.
Über dem Bett hängt ein  mobiles, digitales Mobile – was für ein Wortspiel, – einen Tusch für den Kalauer des Monats! – Und dieses Mobile besteht aus lauter Tablets und auf diese Tablets haben die Eltern Youtubevideos geladen, von Omma, Oppa, Vatti und Mutti und immer im Wechsel, abends, wenn die Püppi nicht schlafen kann, erzählt einer von denen eine Gute-Nacht-Geschichte, oder singt der Kleinen was vor, vielleicht gibt’s  ja auch eine App dafür.
Währenddessen können die Vorfahren entspannt „The Biggest Loser“ gucken, das lenkt ab, von der schwerwiegenden Realität.
Man sollte den Kindern sowieso so früh wie möglich den Zugang zur Technik und den neuesten Medien ermöglichen. Einerseits natürlich aus Eigennutz, denn mal ganz ehrlich, ohne die nächste Generation hätten wir das meisten doch nie begriffen und andererseits weil wir selbstverständlich auch immer die Zukunft der Kinder im Blick haben müssen. Wir wollen doch auch, dass unsere Kinder später mal gesicherte Jobs haben, oder? In meiner Generation, in dieser Region, ging das damals so, entweder VW und wenn das nicht geklappt hat – Bundeswehr verpflichten. Nur, Autos plant man auch nur noch am Computer und  so eine Drohne lenkst Du heute auch nur noch mit `nem Joystick.
Muss man früh genug gelernt haben.
Im Grunde denke ich, dass die Eltern die immer versuchen ihre Kinder im Umgang mit der Technik zu reglementieren (Handyverbot bei Klassenfahrten, haha!), das nur aus Neid tun, die können einfach nicht verkraften, dass die Kids heute mit spätestens 10 schon ihren eigenen Computer und ihr eigenes Handy haben. Die meisten von uns Alten Säcken waren knappe dreißig und das tut weh. Dafür hatten wir aber auch immer jemanden zum wippen und das tröstet.

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