Wie wirksam ist das WIR wirklich?

TS, 11. April 2015, 18:13
2015
Apr 11

Mein Beitrag für die 1. Mai-Zeitung

Wie wirksam ist das WIR wirklich?

Die einen stehen auf der Straße und brüllen:“ Wir sind das Volk!“
Und die anderen (Wir) rufen zurück:“ Ihr seid gar nichts!“
Und sie (Wir) haben recht, wer ruft :“ Wir sind das Volk!“ sollte sich sicher sein, dass das Volk das mehrheitlich auch so sieht.
Wenn das „Wir“ sich nur zusammensetzt aus lauter kleinen, verwirrten Ichs, die das Wir nur nutzen, weil sie wissen, dass sie alleine nichts weiter sind als kleine Egos auf der Suche nach einer Gemeinschaft, die Ihnen etwas Größe verleiht und ihnen ein kleines bisschen Aufmerksamkeit verschafft.
Dann, ist es eben genau so: „ Die Kette ist so stark wie ihr schwächstes Glied!“ Und wenn der öffentliche Gegendruck zu stark wird, dann bröselt die Kette ganz schnell auseinander, weil eben der einzelne nicht selbstbewusst genug ist, zu dem was die Kette darzustellen versucht in der direkten Auseinandersetzung auch zu stehen. Und nun steht der 1.Mai unter dem Motto: „ Die Arbeit der Zukunft gestalten wir!“ Und die IG-Metall fordert: „Wir für mehr!“ – „Wir für mehr ….. alles mögliche und hoffentlich nicht fürs Unmögliche!“
Und ich wünsche mir eine Kampagne mit dem Slogan: „Wir für mehr Ich“ oder „Die Zukunft des Individuums fördern Wir!“
Bei aller Wichtigkeit der Gemeinschaft, bei aller Notwendigkeit der Solidarität, wünsche ich mir, dass wir zuerst, dass vermeintlich schwächste Glied in der Kette, derart stärken, dass es selbst weiß, was es wirklich will! Ich wünsche mir ein „Wir“ dessen einzelne Glieder auch für sich allein so selbstsicher, selbstbewusst und entschlossen sind, dass sie für ihre eigenen Forderungen und für ihre Bedürfnisse auch eintreten und kämpfen. Und natürlich, ich bin ja (nicht) naiv, wünsche ich mir dann eine „Ichs-Kette“, die sich aus Egos zusammensetzt, die in der Auseinandersetzung mit dem Arbeitgeber, der Öffentlichkeit, dem politischen Gegner genau wissen, wann das „Ich“ hinter das „Wir“ zu treten hat. Wann das „ICH“ das „WIR“ und das „WIR“ das „ICH“ stärken und unterstützen muss. Und
da haben „Wir“ wirklich noch viel zu tun. Gut, sehen WIR es mal realistisch „ICH bin halt Idealist!“