Ostern und ich!

TS, 27. März 2016, 09:56
2016
Mrz27

Ostern und ich!

Gestern in der Braunschweiger-Zeitung

Ich danke Cornelia Steiner für dieses charmante Gespräch ….

“Ostern und ich? Ich bin kein religiöser Mensch. Trotzdem ist Ostern für mich ganz vielschichtig. Ich habe letztens einen Text gemacht, der heißt “Aufstehen”: “Dieses immer wieder Aufstehen aus dem Staub und aus dem Dreck, dieses immer wieder Kriechen aus dem finstersten Versteck, dieses immer wieder Strecken, bis es im Nacken knackt und man sich wieder denkt, dass man das alles packt.”

Die Wiederauferstehung von Jesus ist für mich symbolisch nichts anderes: sich aufrappeln, sich motivieren. Comeback. Man muss ja nicht gestorben sein, um wiederaufzuerstehen. Diese Phasen im Leben haben wir doch alle, wo wir uns ziemlich down fühlen. Und dann sagen wir: Hey, ich bin wieder da! So geht mir das im Frühling immer: Ich sehe zu, dass ich wieder wacher und präsenter bin. Je älter ich werde, umso mehr geht mir der Winter auf den Keks, das Dunkle und Graue. Ostern bedeutet, dass das Leben zurückkommt in die Stadt. Ich bin ein Stadtmensch. Ich brauche die Öffentlichkeit, die Begegnung, das Licht. Die Leute sind jetzt ganz anders drauf. Das Leben kehrt zurück. Nicht nur in Form von Knospen im Garten. Kaum ist die Sonne draußen, lächeln die Leute wieder.

Aber Ostern hat eben auch diese andere Seite. Was kommt nach dem Tod? Ich glaube: nix. Ich würde gern noch mal wiederkommen. Vielleicht in 300 Jahren, und dann ab ins Eintracht-Stadion – ich will hören, ob die in der 67. Minute dann immer noch singen! Irgendwo hab’ ich mal gelesen, man müsste so oft wiederkommen, bis man das Leben wirklich begriffen hat. Das fände ich spannend. Ich würde es gerne noch mal machen. Aber meine Hoffnungen halten sich da in Grenzen.

Ich lebe richtig gern und intensiv. Manchmal wünsche ich mir, ich könnte noch intensiver leben: mit mehr Abstand zum System, weniger eingebunden in die Prozesse, noch weniger fremdbestimmt.

Ich hab’ ja nicht umsonst diesen Lebensweg als Künstler. Das hat sich so ergeben aus dem Anspruch heraus, ein anderes Leben zu führen als die anderen. Und das würde ich, wenn ich noch mal käme, noch konsequenter machen wollen: Mich selber noch stärker positionieren in dieser Welt als Ich und nicht als einer von vielen. Wir haben nur dieses eine Leben.”

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