20. Türchen 2005

TS, 21. Dezember 2011, 09:50
2011
Dez 21

EGO-KUR

Wenn ich mal wieder einsam bin
und denk´, das Leben hat keinen Sinn,
weil es grad´ keinen Menschen gibt,
der mich von ganzem Herzen liebt,
dann hilft mir meistens nur die Kur
dann gebe ich mir …………….* – pur.

Ich tret´ vor´n Spiegel und ich denk´,
was für ein himmlisches Geschenk,
nein, dieser Wuchs ,die ganze Kraft,
in jeder Zelle Leidenschaft,
die blanke Schönheit, dieser Blick,
und diese Lippen – pures Glück.

Und dann der Gang, die Eleganz,
und dieser erotische Tanz,
in jeder Geste steckt der Trieb,
dann hauch ich noch: „Ich hab mich lieb!”
Und dann, mich selbst ganz festumschlugen,
wird noch Liebeslied gesungen.

Wenn ich mal wieder einsam bin
und denk´, das Leben hat keinen Sinn,
weil es grad´ keinen Menschen gibt,
der meine Schönheit innig liebt,
dann hilft mir meistens nur die Kur,
dann gebe ich mir………….*-pur.

Dann setz´ ich mich an mein Klavier
und texte ´rum und komponier´,
und schreibe mir ein Liebeslied,
wie es sonst keinem Mensch geschieht,
dann sing ich mich vor´m Spiegel an:
„Du bist ein unglaublicher Mann.“

„Du bist so schön so und so adrett,
komm, bitte, geh mit mir ins Bett.”
Und dann, dann sink´ ich voller Lust,
als hätte ich es längst gewußt,
aufs Wasserbett so ganz allein:
„Oh Gott, kann Liebe himmlisch sein.“

19. Türchen 2005

TS, 19. Dezember 2011, 11:59
2011
Dez 19

MÖCHTEGERN UND GERNEGROSS

Möchtegern und Gernegroß
trifft ein wirklich schwere Los.
Beide wollen gern regieren,
keinesfalls die Wahl verlieren,
niemals nur mehr opponieren
und schon gar nicht koalieren.

Und so treten sie entschlossen
vor den Bürger, die Genossen,
vor die Unternehmerschaft,
demonstrieren ihre Kraft.
Gernegroß in Siegerpose,
eine Hand stets in der Hose.

Möchtegern wir neugestylt
und der Scheitel neugeteilt.
Gernegroß lächelt verbindlich,
leicht naiv und fast schon kindlich,
wenn er sagt : „Wir werden siegen
und die Mehrheit wieder kriegen!“

Möchtegern grinst unterdessen
überheblich: „Kannst´ vergessen,
wir werden diese Chance nutzen
und dich von der Platte putzen.“

Gernegroß gibt sich gelassen,
springt zum Kraulen in die Massen,
nutz die Medien korrekt,
demonstriert was in ihm steckt,
ein bisschen Schmidt, ein wenig Brandt
und er schüttelt jede Hand.

Möchtegern schminkt sich charmant,
bin der Neuanfang im Land,
rät uns von den Wahlplakaten -
jetzt nicht länger mehr zu warten,
jetzt den Wechsel wählen – schnell,
dann strahlt Deutschland wieder hell.

Gernegroß macht ´s für die Leute,
für die Kleinen wohlgemerkt.
Möchtegern tut´s für die Wirtschaft,
weil das unser Deutschland stärkt.
Beide tun es für die Sache,
die gerechte, ist doch klar,
keiner tut es für sein Ego,
ach ich bitt sie, ist doch wahr.

Beide sind sie Idealisten
und sozial total gerecht,
beide sind sie Besserwisser,
und der andere macht es schlecht.

Beide wollen nur das Beste,
für uns Bürger ist schon klar.
gab auch nie ´nen Kanzler,
der aus Selbstzweck Kanzler war.

Geld und Macht und die Gechichte
hat noch keinen interessiert,
der als strahlend stolzer Sieger
in das Kanzleramt marschiert.
Beide geben sich gelassen,

machen auf Mensch-Anzufassen,
geben sich so Bürger nah,
fragt man sich was vorher war,
jetzt sind sie total präsent,
keiner mehr der sie nicht kennt,
jede Stadt wir angereist,
weiß man auch nicht wie sie heißt.
Jeder Marktplatz wird bedröhnt,
bis der Bürger lustlos stöhnt:

„Jau, jetzt weiß ich wen ich wähle
und auf wen ich fortan zähle.”
Und am Abend nach den Wahlen,
sieht man dann die vielen Zahlen,
rechnet hin und rechnet her,
wer hat was und wer hat mehr?

Und zum Elend dieser beiden.
konnten wir uns nicht entscheiden,
wählten so, dass es nicht reicht
und der eine langsam schleicht,
zu dem andern und fragt still,
ob er nicht mal mit ihm will?

Was so ´n Politiker doch leidet,
wenn der Wähler so entscheidet.
Möchtegern und Gernegroß
schlucken letztlich jedes Los,
denn sie wollen ja regieren
und nie wieder opponieren.

Occupy Frankfurt

TS, 18. Dezember 2011, 16:14
2011
Dez 18

http://www.flickr.com/photos/dietherdehm/6291931971/in/photostream/

Thorsten Stelzner,Micha Letz, Diether Dehm im EZB Camp

Im herbstlichen Park vor der Europäischen Zentralbank haben die Aktivisten von Occupy Frankfurt seit Wochen ein Zeltdorf aufgeschlagen. Am Samstag 29.Oktober schmetterte Diether Dehm vor etwa 400 Zuhörern im Schatten der Bankentürme sein Monopoly . Sein Freund aus Braunschweig, Thorsten Stelzner trat mit seinen politischen Gedichten auf und erntete großen Applaus. In einem anschließenden Poetry Slam erreichte er die Höchstpunktzahl.

18. Türchen 2005

TS, 18. Dezember 2011, 12:19
2011
Dez 18

HARRY DER TAGELÖHNER

Harry war ein Tagelöhner,
kam jeden Morgen um halb drei
wie zufällig auf seiner Mofa
am Großmarkttor vorbei.

Harry hatte Würde,
gefragt hat Harry nie,
Harry musste man schon fragen,
doch „Nein“ sagte er nie.

„Harry, haste Zeit heut´?
Um drei Uhr dreißig kommt die Bahn,
ein Wagon Kartoffeln
und zweie mit Bananen.“

Harry knarzte immer,
das kam von der Reval:
„Hab´ eigentlich was vor Chef,
doch heut´ is´ es egal!“

Und dann parkte Harry seine Mofa
vorne links direkt am Tor,
rieb sich noch mal die Hände,
weil Harry immer fror.

Ja, Harry brauchte die Maloche,
das Anpacken war sein Ding,
weil nur beim richtig „wuppen“
sein Kreislauf aufwärts ging.

Und so schleppte „unser“ Harry
die schweren Kisten jahrelang,
war ab und zu betrunken,
ganz selten war er krank.

Er war auch immer zuverlässig
und schnell war Harry auch,
Harry ließ uns niemals hängen,
und stand niemals auf dem Schlauch.

„Geht schon Chef, weil muss ja,
den machen wir noch leer.“
Und selbst die Appelkisten
waren Harry nie zu schwer.

Doch dann an einem Morgen,
Harry schob den Wagon auf,
da kriegte Harrys Leben
einen entscheidend neuen Lauf.

Alles auf Paletten,
der Gabelstapler stand bereit,
für Harry `ne Ameise*,
– leer gemacht in halber Zeit.

Da war nichts mehr mit schleppen,
Harry wurde nicht mehr warm,
Harry war niemals ein Reicher
doch plötzlich war er arm.

Er verlor nicht nur die Stunden,
es fehlte nicht nur Geld,
er verlor dadurch die Würde
und seinen Platz in dieser Welt.

So schnell war Harry über,
keiner brauchte seine Kraft,
alles wurde ohne ihn
jetzt schneller weggeschafft.

Harry ließ sich nicht mehr blicken,
Harry blieb ganz einfach weg,
in Harrys Leben fehlte
ganz plötzlich Sinn und Zweck.

Harry hatte immer Arbeit
solang es Arbeit für ihn gab,
Harry lebte für die Arbeit
bis er ohne Arbeit starb.

17. Türchen 2004

TS, 18. Dezember 2011, 12:17
2011
Dez 18

FÜR GOTT, FÜR ÖL, FÜR GELD

Während wir hier stehen und friedlich demonstrieren,
dass wir nicht die Hoffnung und die Zuversicht verlieren,
werden irgendwo,
das heißt auf dieser Welt,
Menschen geschlagen, gefoltert, vor Gericht gestellt,
erniedrigt und getreten,
mit vorgehaltener Waffe
zum Verhör gebeten,
abgeführt, an die Wand gestellt,
immer für Gott, für Öl und für Geld.

Während wir hier stehen und deutlich machen,
wir lassen uns nicht zu Mittätern machen,
werden irgendwo,
das heißt auf dieser Welt,
Mittel bewilligt, Gelder bereitgestellt,
Waffen entwickelt, Pläne gemacht,
für mehr Effizienz
in der nächsten Schlacht,
werden Menschen verplant, aufs Schachbrett gestellt,
immer für Gott, für Öl und für Geld.

Während wir hier stehen und den Opfern gedenken
der Rache, dem Hass, keinen Gedanken schenken,
sitzen irgendwo,
dass heißt auf dieser Welt,
Menschen die nur eines am Leben hält,
von Hass getrieben, von Rache beseelt,
für die nur ein einziger Gedanke zählt,
schrauben Bomben zusammen,
wollen sterben als Held.
immer für Gott, für Öl und für Geld.

Während wir hier stehen und andächtig schweigen
um so dieser Welt unseren Willen zu zeigen
werden irgendwo,
dass heißt auf dieser Welt,
Menschen vor die wirkliche Wahl gestellt,
schieß oder stirb, Leben durch Tod
beende dein Elend durch des anderen Not,
find´ dich damit ab,
darum dreht sich die Welt -
immer um Gott, ums Öl und ums Geld.

16. Türchen 2003

TS, 16. Dezember 2011, 10:08
2011
Dez 16

DIE NÖRGLER

Die Nörgler, Herr Grantel, Herr Gnatz und Herr Motz,
aus derbem Holze, geschnitzt aus einem Klotz,
haben in dieser Welt ihren Platz,
die Nörgler, Herr Grantel, Herr Motz und Herr Gnatz.

Herr Grantel am Fenster,
Herr Gnatz auf der Bank,
Herr Motz an der Theke,
den ganzen Tag lang.

Herr Grantel, der gnatzt nur,
Herr Gnatz, motzt stets rum,
Herr Motz ist am nörgeln,
so geht der Tag rum.

Die Nörgler, Herr Grantel, Herr Motz und Herr Gnatz,
sind ständig am meckern, machen selten Rabatz,
doch bergen tatsächlich auch so manchen Schatz -
die Nörgler, Herr Grantel, Herr Motz und Herr Gnatz,

Hört ihnen nur zu, denn so mancher Satz,
genörgelt von Grantel, gemeckert von Gnatz,
hat seine Wahrheit, ist nicht nur Gekotz´,
gemäkelt von Grantel, von Gnatz oder Motz,
da findet man vieles,
was man selbst nicht gleich sieht,
und merkt, dass den Nörglern oft Unrecht geschieht,

und darum am Ende mein Plädoyer,
begnadigt die Nörgler, sie tun keinem weh.
Ja, die Nörgler, Grantel, Gnatz und auch Motz
sind aus grobem Holze, ungehobelter Klotz,
doch sie sind natürlich und nicht glattgeschmirgelt
und deshalb wird bitteschön weiter genörgelt.

15.Türchen 2002

TS, 16. Dezember 2011, 10:06
2011
Dez 16

NACH RICHTEN

20.00 Uhr,
ich seh´ die Nachrichten
und frage mich wonach soll ich mich richten?
Jeden Tag erzählen sie mir Geschichten,
belügen mich mit ihren Berichten.
Wen soll ich – nach ihrem Willen richten?
Wen wollen sie – mit ihrer Macht vernichten?
Worin sehen sie – tatsächlich ihre Pflichten?
Wer hat die Macht – das Material zu sichten?

20.00 Uhr
und nur fünfzehn Minuten,
trennen die Schlechten von den scheinbar Guten,
bleibt ihnen Zeit in das Horn zu tuten
und meine Meinung täglich neu zu fluten.
Es ist vermessen, mir das zu zu muten,
Welt zu sortieren in nur 15 Minuten.
Wer steckt das Ziel, wer legt die Routen?
Wer ist der Täter und wer muss dafür bluten?

20.00 Uhr,
ich seh´ die Nachrichten,
frage mich worauf muss ich verzichten?
In dieser Hand voll von erlesenen Berichten
kann man nicht ein Weltbild verdichten.
Was seh´ ich nie? – Was wollen sie belichten?
Was bleibt im dunkeln? – Was können sie vernichten?
Was geschieht, wenn sie uns ausrichten,
auf ihre Ziele und auf uralte Pflichten?

20.00 Uhr,
jeden Tag `ne viertel Stunde
ist viel zu wenig, doch reicht es im Grunde,
zu manipulieren mit charmantem Munde,
uns zu übermitteln die wahrhafte Kunde,
uns klar zu machen – da ist die Wunde,
die Heilung erfolgt – Runde für Runde
und doch letztendlich nur aus einem Grunde,
wer sich danach richtet, der ist der Gesunde.

Termine 2012

TS, 14. Dezember 2011, 11:33
2011
Dez 14

Mittwoch, 29.02.2012 – Hotel St.Georg – Ghersburgstr. 18

83048 Bad Aibling JAV Konferenz -

Sonntag, 11.03.2012 – Brunsviga – Karlstraße 35

38106 Braunschweig Satirefest

Samstag, 17.03.2012 -

Neuwied Wahldelegiertenversammlung

Donnerstag, 15.11.2012 - Samstag, 17.11.2012-

Willingen -VL-Konferenz

14. Türchen 2001

TS, 14. Dezember 2011, 06:04
2011
Dez 14

SAG: “NEIN!” 2001

Sag´ `s noch mal mein Freund,
sag´ es wieder !
Ich habe es so oft gesagt,
ich schrieb darüber Lieder.
- Ist egal mein Freund,
sag `s noch mal mein Freund,
sag es immer, immer wieder!
- Ich kann mich nicht mehr hören mein Freund,
ich bin mir selbst zuwider,
ich sagte es zu oft, ich sang,
ich schrie und brüllte sie schon nieder.
- Ist egal mein Freund, bitte tu es wieder,
sag´ `s noch mal,
du hast keine Wahl,
leg nicht deine Waffe nieder.
Sag´ es immer, sag es immer, immer, immer wieder…
Sag´: „NEIN“, mein Freund, wenn sie Menschen brechen.
Sag´: „NEIN“, wenn sie von Kriegen sprechen.
Sag´: „NEIN“, wenn sie die Freiheit knebeln.
Sag´: „NEIN“, wenn sie an ihren Hebeln
immer noch mit Macht und Kraft
das zerstören, was Frieden schafft…
SAG´: „NEIN !!“ … mein FREUND!

13. Türchen 2001

TS, 14. Dezember 2011, 05:29
2011
Dez 14

ICHE UNDS DUSEN 2001

 

Im Stamm der Iche,
die da leben in Egoistien,
ist jeder sich das Wichtigste,
hat jeder Ich nur sich im Sinn,
bevor die Ichs was machen,
was allen Ichen nützt,
sieht jeder Ich erst einmal zu,
dass er sein Ich beschützt.

Beim Volk der Dusen,
die da leben im Tududastal,
ist jedem Du das eigene Tun
die allergrößte Qual,
bevor der Du was tut,
was allen Dusen dient,
sieht jeder Du erst einmal nach,
ob ein andrer Du beginnt.

Und zwischen Egoistien
und dem Tududastal,
da lebten stolz
die Wirs und Uns,
denen waren die Ichs und Dus egal,
die hatten stets nur eins im Sinn –
das Wohl des Staates Wirunsien.

Ich wünschte mir
so manches Mal,
in Egoistien und im Tududastal,
ein bisschen Uns, ein wenig Wir,
ohne dass ich mein Ich verlier´,
und weil die Ichs und Dus so sind,
fängt das erst an wenn ’s ICH beginnt.

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