24. Türchen

TS, 24. Dezember 2011, 05:47
2011
Dez 24

DER WEIHNACHTSMANN – IN RENTE 2010

Der Weihnachtsmann, der Weihnachtsmann,

der ruft am Heiligmorgen an:

“Ich kann nicht mehr, ich fühl’ mich schlapp,

ich krieg’ die Viecher nicht auf Trab.

Der Schlitten morsch, die Kufen rostig,

der Wind zu steif und viel zu frostig,

es reicht jetzt hin, ich hab’ genug,

ich annulliere jetzt den Flug.

 

Denn überhaupt, auch der Verkehr,

es ist verdammt schon lange her,

da hatt´ den Himmel ich für mich.

Doch jetzt, oh Mensch, ich bitte dich:

Nun sieh es ein, es geht nicht mehr,

ihr fliegt jetzt selber kreuz und quer,

stresst mir die Tiere, macht sie scheu,

die fressen nicht mal mehr ihr Heu.

Weil sie wissen: “Wir sind out!”

Es ist für sie auch viel zu laut.

 

Raketen, Düsenjets mit Überschall

Airbus, Boing – habt ihr ´nen Knall?!

Wie soll man da den Schlitten lenken?

Ihr solltet auch mal an uns denken.

Doch ihr, ihr denkt schon lang nicht mehr,

ihr jammert ständig hinterher.

 

Ich hab es satt, die Schnauze voll,

ich weiß auch gar nicht, was das soll:

September in der Innenstadt,

macht ihr die Weihnachtsstimmung platt.

In jedem Center, jeder Butze

steht schon einer mit Kaputze,

mit Glatze oder Wattebart,

in Vollmilch oder bitterzart,

Milka, Sprengel, Kinder, Lindt

was glaubt ihr eigentlich, was wir sind?!

Staffage für die Zuckerbäcker,

innen hohl, aber sooo lecker?

 

Wisst ihr wie sehr das schmerzt,

wenn ihr in eurer Werbung scherzt,

dass Weihnacht ist, wenn Cola kommt?

Die kommen dann tatsächlich prompt

mit einem ries´gen Ami-Truck.

Da schleppt nicht einer mehr den Sack.

Warum denn auch, es geht so schnell,

mit UPS und DHL .

 

Was waren das für schöne Zeiten,

auf Kufen über Wolken gleiten,

den Sack geschultert, von Kind zu Kind,

wobei das jetzt auch vielmehr sind.

Milliarden wurden aus Millionen,

die auf dem ganzen Globus wohnen.

 

Nehmt´s mir nicht krumm, für mich ist klar,

dass das hier meine Kündigung war.

Ich wünsch` euch allen nur das Beste,

viel Geschenke , frohe Feste,

Gänsebraten oder Ente…”

 

Der Weihnachtsmann,

ab jetzt in Rente!

23. Türchen

TS, 24. Dezember 2011, 05:33
2011
Dez 24

DAS TESTAMENT 2009

Jedes Leben hat sein Happy End –

das Testament.

Und darum denk´ ich drüber nach,

wen ich am Ende glücklich mach:

Mein letzter Wille – nach der Pille,

die ich sicher schlucken muss,

denn ich mache selber Schluss.

Lieber Gott und Teufel und Tod,

macht euch keine Not,

ich mache das dann schon allein,

ich werde nicht das Opfer sein.

Ich bin der Täter bis zum Schluss,

ich gebe mir den Todeskuss,

selbstverliebt und selbstbestimmt

bin ich´s, der mir das Leben nimmt.

Und dann, dann bitt´ ich euch,

verteilt mein Zeug:

Wenn es Geld ist – wie banal,

nehmt es, gebt es, mir egal.

Meine Bücher – gebt sie Lesern,

den Pastis mit allen Gläsern -

schenkt ihn den Trebern

oder trinkt ihn bei den Gräbern.

Macht mir nicht auf Trauer,

das macht mich nur sauer.

Ich hab gelebt, geliebt, gelacht,

und so wird dann auch Schluss gemacht.

Meine Platten, Videos, die Musik

schenkt sie irgendeinem Freak,

der wie ich die Worte hört,

den gesung´ner Schwachsinn stört.

Meine Comics – nicht ins Altpapier –

ich lasse sie sehr ungern hier.

Doch ich wäre gerne sicher,

dass ich manchmal ein Gekicher

von euch bis ins Jenseits höre,

mitlache und die Toten störe.

Meine Jacken, Stiefel, Hosen,

verteilt sie an die Obdachlosen.

Meine Werte, Ideale und Philosophie,

nehmt sie nicht ernst – ich tat es nie.

Legt sie mir bitte mit ins Grab,

weil ich nicht den Anspruch hab,

dass da irgendwas von bleibt

und vielleicht mal Knospen treibt.

Außer der Birne, die hätt ich gerne,

oder nur ´ne Hand voll Kerne.

Denn ich schätze Ribbeck sehr.

Und vielleicht auch hinterher

aus meinem stillen Haus,

sprießt ein kleiner Spross heraus …

So, das soll´s gewesen sein –

ach so, zuletzt der Stein:

Macht euch keinen Stress damit,

ob Marmor, Gips oder Granit –

ich werde ihn bestimmt nicht sehen,

und die paar, die vorüber gehen,

oder am Todestag mal vor ihm stehen,

die kommen nicht wegen der Steine,

na ja, ihr wisst schon, was ich meine.

Also macht`s gut – ich bin mir sicher.

Und immer dran denken – Gekicher!

22. Türchen

TS, 24. Dezember 2011, 05:31
2011
Dez 24

ANDERE WELT 2007

Du willst `ne Welt,
ganz klar und simpel strukturiert,
mit einem Führer, der dir sagt
in welche Richtung man marschiert.

Du brauchst ein Feindbild, am besten eines,
das viel schwächer ist als du,
damit du weißt,
wenn es mal ernst wird, der Sieger, der bist du.

Du willst ein Leben
im schlichten Braun
und schön uniformiert,
damit man nicht bei all den Farben
den Überblick verliert.

Du willst Respekt und Achtung,
für den kleinsten Grund der Welt
und du willst stolz sein,
weil du dich für auserkoren hältst.

Du bist hier geboren, zufällig
und kannst selbst gar nichts dafür
und nun stehst du auf der Strasse
und brüllst: „Dieses Land nur mir!”

Ich will ´ne Welt
ganz frei von Hass und Ignoranz
mit einem großen Nenner
-  Toleranz.

Ich brauche Freunde,
am besten einen
aus jeder einzelnen Nation
und dabei juckt mich
überhaupt nicht, des anderen Religion.

Ich will ein Leben
in allen Farben
und ohne Uniform,
denn Freiheit ist am größten
ohne jede Norm.

Ich will Achtung und Respekt
für jeden Menschen
und deshalb steh´ ich hier
und sag´ es laut und deutlich:
“Dieses Land, nie wieder dir!”

21. Türchen 2006

TS, 21. Dezember 2011, 09:53
2011
Dez 21

UNSTERBLICH 2006

 

Auch wenn ich mich grau verfärbe,
weiß ich doch, dass ich nicht sterbe,
weil ich doch unsterblich bin,
Sterben hat für mich keinen Sinn.

Kommt dereinst der Sensenmann,
grins´ ich ihn verwegen an:
„Was willst du denn jetzt schon hier,
du vertust deine Zeit mit mir.

Alles was jetzt kommen könnt´,
hab ich mir doch längst gegönnt.“
Ob nun Himmel oder Hölle,
Fegefeuer, Paradies,
nichts von dem war je zu teuer,
nichts, was sich nicht machen lies.

Hab´ die Engel längst beflügelt,
bin mit Teufeln abgestürzt,
hab´ die Höllensuppe selber
mit ´ner Prise Schweiß gewürzt.

Hab´ Madonnen angebetet,
bösen Geistern abgeschworen,
hab´ die Seele längst verschachert
und mein Herz im Spiel verloren.

Bin in Flammen aufgegangen
und in Asche aufgewacht,
war der Gott, den sie besangen,
und verflucht in einer Nacht.

Saß doch schon auf Wolke sieben,
kenne alle Höllenqualen,
hab´ das größte Glück gewonnen,
musste es mit Schmerz bezahlen.

Lag schon totgesagt am Boden,
regungslos und völlig still,
Bin dann wieder aufgestanden,
weil ich noch nicht sterben will.

Auch wenn ich mich grau verfärbe,
weiß ich doch, dass ich nicht sterbe…

20. Türchen 2005

TS, 21. Dezember 2011, 09:50
2011
Dez 21

EGO-KUR

Wenn ich mal wieder einsam bin
und denk´, das Leben hat keinen Sinn,
weil es grad´ keinen Menschen gibt,
der mich von ganzem Herzen liebt,
dann hilft mir meistens nur die Kur
dann gebe ich mir …………….* – pur.

Ich tret´ vor´n Spiegel und ich denk´,
was für ein himmlisches Geschenk,
nein, dieser Wuchs ,die ganze Kraft,
in jeder Zelle Leidenschaft,
die blanke Schönheit, dieser Blick,
und diese Lippen – pures Glück.

Und dann der Gang, die Eleganz,
und dieser erotische Tanz,
in jeder Geste steckt der Trieb,
dann hauch ich noch: „Ich hab mich lieb!”
Und dann, mich selbst ganz festumschlugen,
wird noch Liebeslied gesungen.

Wenn ich mal wieder einsam bin
und denk´, das Leben hat keinen Sinn,
weil es grad´ keinen Menschen gibt,
der meine Schönheit innig liebt,
dann hilft mir meistens nur die Kur,
dann gebe ich mir………….*-pur.

Dann setz´ ich mich an mein Klavier
und texte ´rum und komponier´,
und schreibe mir ein Liebeslied,
wie es sonst keinem Mensch geschieht,
dann sing ich mich vor´m Spiegel an:
„Du bist ein unglaublicher Mann.“

„Du bist so schön so und so adrett,
komm, bitte, geh mit mir ins Bett.”
Und dann, dann sink´ ich voller Lust,
als hätte ich es längst gewußt,
aufs Wasserbett so ganz allein:
„Oh Gott, kann Liebe himmlisch sein.“

19. Türchen 2005

TS, 19. Dezember 2011, 11:59
2011
Dez 19

MÖCHTEGERN UND GERNEGROSS

Möchtegern und Gernegroß
trifft ein wirklich schwere Los.
Beide wollen gern regieren,
keinesfalls die Wahl verlieren,
niemals nur mehr opponieren
und schon gar nicht koalieren.

Und so treten sie entschlossen
vor den Bürger, die Genossen,
vor die Unternehmerschaft,
demonstrieren ihre Kraft.
Gernegroß in Siegerpose,
eine Hand stets in der Hose.

Möchtegern wir neugestylt
und der Scheitel neugeteilt.
Gernegroß lächelt verbindlich,
leicht naiv und fast schon kindlich,
wenn er sagt : „Wir werden siegen
und die Mehrheit wieder kriegen!“

Möchtegern grinst unterdessen
überheblich: „Kannst´ vergessen,
wir werden diese Chance nutzen
und dich von der Platte putzen.“

Gernegroß gibt sich gelassen,
springt zum Kraulen in die Massen,
nutz die Medien korrekt,
demonstriert was in ihm steckt,
ein bisschen Schmidt, ein wenig Brandt
und er schüttelt jede Hand.

Möchtegern schminkt sich charmant,
bin der Neuanfang im Land,
rät uns von den Wahlplakaten –
jetzt nicht länger mehr zu warten,
jetzt den Wechsel wählen – schnell,
dann strahlt Deutschland wieder hell.

Gernegroß macht ´s für die Leute,
für die Kleinen wohlgemerkt.
Möchtegern tut´s für die Wirtschaft,
weil das unser Deutschland stärkt.
Beide tun es für die Sache,
die gerechte, ist doch klar,
keiner tut es für sein Ego,
ach ich bitt sie, ist doch wahr.

Beide sind sie Idealisten
und sozial total gerecht,
beide sind sie Besserwisser,
und der andere macht es schlecht.

Beide wollen nur das Beste,
für uns Bürger ist schon klar.
gab auch nie ´nen Kanzler,
der aus Selbstzweck Kanzler war.

Geld und Macht und die Gechichte
hat noch keinen interessiert,
der als strahlend stolzer Sieger
in das Kanzleramt marschiert.
Beide geben sich gelassen,

machen auf Mensch-Anzufassen,
geben sich so Bürger nah,
fragt man sich was vorher war,
jetzt sind sie total präsent,
keiner mehr der sie nicht kennt,
jede Stadt wir angereist,
weiß man auch nicht wie sie heißt.
Jeder Marktplatz wird bedröhnt,
bis der Bürger lustlos stöhnt:

„Jau, jetzt weiß ich wen ich wähle
und auf wen ich fortan zähle.”
Und am Abend nach den Wahlen,
sieht man dann die vielen Zahlen,
rechnet hin und rechnet her,
wer hat was und wer hat mehr?

Und zum Elend dieser beiden.
konnten wir uns nicht entscheiden,
wählten so, dass es nicht reicht
und der eine langsam schleicht,
zu dem andern und fragt still,
ob er nicht mal mit ihm will?

Was so ´n Politiker doch leidet,
wenn der Wähler so entscheidet.
Möchtegern und Gernegroß
schlucken letztlich jedes Los,
denn sie wollen ja regieren
und nie wieder opponieren.

18. Türchen 2005

TS, 18. Dezember 2011, 12:19
2011
Dez 18

HARRY DER TAGELÖHNER

Harry war ein Tagelöhner,
kam jeden Morgen um halb drei
wie zufällig auf seiner Mofa
am Großmarkttor vorbei.

Harry hatte Würde,
gefragt hat Harry nie,
Harry musste man schon fragen,
doch „Nein“ sagte er nie.

„Harry, haste Zeit heut´?
Um drei Uhr dreißig kommt die Bahn,
ein Wagon Kartoffeln
und zweie mit Bananen.“

Harry knarzte immer,
das kam von der Reval:
„Hab´ eigentlich was vor Chef,
doch heut´ is´ es egal!“

Und dann parkte Harry seine Mofa
vorne links direkt am Tor,
rieb sich noch mal die Hände,
weil Harry immer fror.

Ja, Harry brauchte die Maloche,
das Anpacken war sein Ding,
weil nur beim richtig „wuppen“
sein Kreislauf aufwärts ging.

Und so schleppte „unser“ Harry
die schweren Kisten jahrelang,
war ab und zu betrunken,
ganz selten war er krank.

Er war auch immer zuverlässig
und schnell war Harry auch,
Harry ließ uns niemals hängen,
und stand niemals auf dem Schlauch.

„Geht schon Chef, weil muss ja,
den machen wir noch leer.“
Und selbst die Appelkisten
waren Harry nie zu schwer.

Doch dann an einem Morgen,
Harry schob den Wagon auf,
da kriegte Harrys Leben
einen entscheidend neuen Lauf.

Alles auf Paletten,
der Gabelstapler stand bereit,
für Harry `ne Ameise*,
– leer gemacht in halber Zeit.

Da war nichts mehr mit schleppen,
Harry wurde nicht mehr warm,
Harry war niemals ein Reicher
doch plötzlich war er arm.

Er verlor nicht nur die Stunden,
es fehlte nicht nur Geld,
er verlor dadurch die Würde
und seinen Platz in dieser Welt.

So schnell war Harry über,
keiner brauchte seine Kraft,
alles wurde ohne ihn
jetzt schneller weggeschafft.

Harry ließ sich nicht mehr blicken,
Harry blieb ganz einfach weg,
in Harrys Leben fehlte
ganz plötzlich Sinn und Zweck.

Harry hatte immer Arbeit
solang es Arbeit für ihn gab,
Harry lebte für die Arbeit
bis er ohne Arbeit starb.

17. Türchen 2004

TS, 18. Dezember 2011, 12:17
2011
Dez 18

FÜR GOTT, FÜR ÖL, FÜR GELD

Während wir hier stehen und friedlich demonstrieren,
dass wir nicht die Hoffnung und die Zuversicht verlieren,
werden irgendwo,
das heißt auf dieser Welt,
Menschen geschlagen, gefoltert, vor Gericht gestellt,
erniedrigt und getreten,
mit vorgehaltener Waffe
zum Verhör gebeten,
abgeführt, an die Wand gestellt,
immer für Gott, für Öl und für Geld.

Während wir hier stehen und deutlich machen,
wir lassen uns nicht zu Mittätern machen,
werden irgendwo,
das heißt auf dieser Welt,
Mittel bewilligt, Gelder bereitgestellt,
Waffen entwickelt, Pläne gemacht,
für mehr Effizienz
in der nächsten Schlacht,
werden Menschen verplant, aufs Schachbrett gestellt,
immer für Gott, für Öl und für Geld.

Während wir hier stehen und den Opfern gedenken
der Rache, dem Hass, keinen Gedanken schenken,
sitzen irgendwo,
dass heißt auf dieser Welt,
Menschen die nur eines am Leben hält,
von Hass getrieben, von Rache beseelt,
für die nur ein einziger Gedanke zählt,
schrauben Bomben zusammen,
wollen sterben als Held.
immer für Gott, für Öl und für Geld.

Während wir hier stehen und andächtig schweigen
um so dieser Welt unseren Willen zu zeigen
werden irgendwo,
dass heißt auf dieser Welt,
Menschen vor die wirkliche Wahl gestellt,
schieß oder stirb, Leben durch Tod
beende dein Elend durch des anderen Not,
find´ dich damit ab,
darum dreht sich die Welt –
immer um Gott, ums Öl und ums Geld.

16. Türchen 2003

TS, 16. Dezember 2011, 10:08
2011
Dez 16

DIE NÖRGLER

Die Nörgler, Herr Grantel, Herr Gnatz und Herr Motz,
aus derbem Holze, geschnitzt aus einem Klotz,
haben in dieser Welt ihren Platz,
die Nörgler, Herr Grantel, Herr Motz und Herr Gnatz.

Herr Grantel am Fenster,
Herr Gnatz auf der Bank,
Herr Motz an der Theke,
den ganzen Tag lang.

Herr Grantel, der gnatzt nur,
Herr Gnatz, motzt stets rum,
Herr Motz ist am nörgeln,
so geht der Tag rum.

Die Nörgler, Herr Grantel, Herr Motz und Herr Gnatz,
sind ständig am meckern, machen selten Rabatz,
doch bergen tatsächlich auch so manchen Schatz –
die Nörgler, Herr Grantel, Herr Motz und Herr Gnatz,

Hört ihnen nur zu, denn so mancher Satz,
genörgelt von Grantel, gemeckert von Gnatz,
hat seine Wahrheit, ist nicht nur Gekotz´,
gemäkelt von Grantel, von Gnatz oder Motz,
da findet man vieles,
was man selbst nicht gleich sieht,
und merkt, dass den Nörglern oft Unrecht geschieht,

und darum am Ende mein Plädoyer,
begnadigt die Nörgler, sie tun keinem weh.
Ja, die Nörgler, Grantel, Gnatz und auch Motz
sind aus grobem Holze, ungehobelter Klotz,
doch sie sind natürlich und nicht glattgeschmirgelt
und deshalb wird bitteschön weiter genörgelt.

15.Türchen 2002

TS, 16. Dezember 2011, 10:06
2011
Dez 16

NACH RICHTEN

20.00 Uhr,
ich seh´ die Nachrichten
und frage mich wonach soll ich mich richten?
Jeden Tag erzählen sie mir Geschichten,
belügen mich mit ihren Berichten.
Wen soll ich – nach ihrem Willen richten?
Wen wollen sie – mit ihrer Macht vernichten?
Worin sehen sie – tatsächlich ihre Pflichten?
Wer hat die Macht – das Material zu sichten?

20.00 Uhr
und nur fünfzehn Minuten,
trennen die Schlechten von den scheinbar Guten,
bleibt ihnen Zeit in das Horn zu tuten
und meine Meinung täglich neu zu fluten.
Es ist vermessen, mir das zu zu muten,
Welt zu sortieren in nur 15 Minuten.
Wer steckt das Ziel, wer legt die Routen?
Wer ist der Täter und wer muss dafür bluten?

20.00 Uhr,
ich seh´ die Nachrichten,
frage mich worauf muss ich verzichten?
In dieser Hand voll von erlesenen Berichten
kann man nicht ein Weltbild verdichten.
Was seh´ ich nie? – Was wollen sie belichten?
Was bleibt im dunkeln? – Was können sie vernichten?
Was geschieht, wenn sie uns ausrichten,
auf ihre Ziele und auf uralte Pflichten?

20.00 Uhr,
jeden Tag `ne viertel Stunde
ist viel zu wenig, doch reicht es im Grunde,
zu manipulieren mit charmantem Munde,
uns zu übermitteln die wahrhafte Kunde,
uns klar zu machen – da ist die Wunde,
die Heilung erfolgt – Runde für Runde
und doch letztendlich nur aus einem Grunde,
wer sich danach richtet, der ist der Gesunde.

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