Kolumne – Clicclac – Juni

 

Protokoll: Kein Satz in vier Wänden, oder morgens 7.00 Uhr bei Stelzners im Flur !

 

„Ja, was denn, hör mir doch mal,

Mensch ist doch so, also

geht so nicht, echt,

immer wer dazwischen,

kaum haste mal einen Gedanken,

schon mal eine Idee!"

 

„Papa ich wollte noch, .. heute in der..“

Und schon der nächste:

„Brauch´ noch `ne Unterschrift und..“

„Kannste, ich denn nicht mal zu Ende bringen , hallo!“

„Musst du jetzt dazwischen einfach, leg jetzt mal die Zeitung…“

„ Das ist hier ein, naja, Theater wie soll man denn da noch?“

„Was? Och .. neee!!“

„Also wenn mir jetzt nicht endlich einer…“

„Der Fernseher, – mach jetzt sofort den, jetzt mal..“

„Telefon, Telefon, ja gehst du jetzt vielleicht mal ans..“

„Wenn du im Keller, kannste dann gleich auch..?“

„Wieso denn ich ?“

„Weil…!!“

„Kann jetzt mal einer ansatzweise…?“

Mehr »

Die neue Clicclac-Kolumne – März-Heft…

TS, 28. Februar 2012, 16:40
2012
Feb 28

WENN ES LÄUFT, DANN TROPFT ES NICHT ODER NACH FEST KOMMT AB!

Wieder mal eine kleine Geschichte zum doch immer noch vorhandenen gar nicht mal so kleinen „kleinen Unterschied“.
Ist ja auch bald wieder Frauentag und Satirefest und aus Tradition, oder weil mir immer dann auch nichts besseres einfällt, eine „Normal, Mann!“ contra „Typisch, Frau!“ Geschichte.
Also, es ist Sonntag ca. 11.00 Uhr. Das ist bei uns die Zeit zum frühstücken, zum quatschen, alles, was eigentlich noch zu erledigen wäre, schiebt man – Frau und Mann – auf die lange, ganz lange Frühstücksbank, selbst der Hund wird etwas vernachlässigt.
Als Frau sich erbarmt, mit ihm (dem Hund) Gassi zu gehen, beginnt Mann den Tisch abzuräumen und „abzuwaschen“, so wie in der Werbung artig die Speisereste vom Geschirr zu spülen, bevor das Ganze in der Geschirrspülmaschine verstaut wird. Und da ist es passiert. Ich drücke so den Schwenkarm von der Mischbatterie nach oben, vielleicht mit etwas zu viel Schmackes, kann sein – zu viel Energie am Sonntagmorgen – und kracks, hab ich das Ding in der Hand.
Erst habe ich noch gedacht. „Egal, kannste heute eh nix dran machen, ist Sonntag, wo sollste auch jetzt einen neuen Hahn her kriegen? Die Maschine läuft und fließendes Wasser wird in der Küche komplett überbewertet.“
Doch da kamen Hund und Frau nach Hause und mit ihnen die Offenbarung.
Mann rechnet ja wirklich mit allem, aber nicht damit, dass Frau für solche Fälle vorsorgt und Frau tatsächlich eine schicke verchromte Mischbatterie auf sicher in der untersten Küchenschublade liegen hat.
„Wie, wo kommt die denn her, verdammt?“ Mann war entsetzt.
„Gab ´s bei ALDI, haben wir da gekauft!“ Konterte Frau locker aus dem Schwenkarm. Und was soll ich sagen, zu meiner Schande muss ich gestehen, sie hatte Recht.

Mehr »

das kommt dabei raus, wenn man Kostüm/blau-gelb  googelt

Sport ist Mord! – habe ich geschrieben, habe ich belegt und das stimmt so nicht. Sport ist Leben, in einem gesunden Körper steckt ein gesunder Geist, das weiß man, das ist einfach so.

Darum freut sich der Vater auch, wenn das Kind ordentlich Sport treibt. Dass mein Kind Fußball spielt, habe ich schon mal erwähnt, dass mich diese Aktivität seit nun mehr gefühlten 50 Jahren ständig auf irgendwelche Dorfäcker treibt, Schnee von gestern. Neuerdings, also so seit drei Monaten spielt dieser Sohn nun in einem – oder sagt man bei einem – ganz besonderen Verein.

Ich mache hier kein Schleichwerbung (außer für Pastis vielleicht), also nenne ich den Namen jetzt nicht. Noch nicht.

Aber, ich weiß auch, von anderen Künstlern, wie z. B. den Toten Hosen, Vince Bardt oder Lotto King Karl, dass man, wenn man in seiner Stadt als Künstler ein bisschen was werden will, auf jeden Fall immer zu dem Sportverein stehen muss, der in der Öffentlichkeit die größte Aufmerksamkeit genießt, weil er vielleicht gerade in die zweite Liga aufgestiegen ist, weil das Trikot das Stadtwappentier trägt oder weil seine Farben die eines bekannten schwedischen Möbelhändlers sind. Egal, man hat sich mit diesem Verein zu identifizieren Punkt. Genug geschleimt?!

Darum ist das auch gar nicht verkehrt, dass unser Kind da jetzt spielt. Wir sind schon so ´n bisschen stolz und glücklich. Und das Kind erst, es gibt ja nicht wichtigeres als die Eltern stolz und das Kind glücklich zu sehen.

Aber – klar kommt jetzt ein – aber: Ich, da hilft auch keine Heuchelei, jeder der mich ein bisschen kennt weiß das, bin nun mal kein Fußballfan (gewesen). Wenn ich früher so samstags an der Hamburger Straße lang gefahren bin, dachte ich immer: „Schon wieder so ein Schweden-Kongress und immer open-air, harte Jungs die Schweden!“

Mehr war da nicht. Jetzt weiß ich natürlich, seit drei Monaten, dass das mit den Schweden gar nichts zu tun hat, habe aber trotzdem, mehr so aus Jux, Eintracht mal ins Schwedische übersetzt uuuund, da ist sie die Querverbindung_ „Ein Tracht“ heißt auf Schwedisch „En Kostym“. Und das ist mein Problem, ich trage keine Kostyme, nie! Kein Kostüm heißt auf schwedisch: „Ingen Kostym“ (hier ein kurzer Gruß an meine Schwiegermutter Inge). Denn ich trage Ingen-Kostym wenn ich ins Stadion gehe, was bedeutet, ein von meiner Schwiegermutter aufs feinste gebügeltes weißes Hemd, eine schwarze Jeans und sonst nix, nichts blaues und nichts gelbes, kein Schal, keine Pudelmütze, nicht mal gelbe Socken.

Und wenn ich in der Spielpause – hab ich schon erwähnt, dass wir durch diese neue Vereinszugehörigkeit natürlich jetzt bei jedem Heimspiel, bei jedem Schweden-Kongress dabei sind? – also, wenn ich so an die Bierbude komme, existiere ich nicht. Ich falle sofort in ein optisches schwarzes Loch. Die Bedienungen haben ganz offensichtlich eine Farbsinnschwäche, eine Blau-Gelb-Sichtigkeit, sie nehmen mich nicht wahr.

Neben mir, hinter mir, vor mir sowieso wird alles bedient und zwar in einem Tempo, dass die Zapfhähne glühen, aber ich kriege nichts. Falls dann doch mal eine größere Lücke entsteht, meistens geschieht das erst wenn das Spiel längst wieder angepfiffen ist, und ich es tatsächlich schaffe, meine im ganzen Satz formulierte Bestellung durchdringen zu lassen: „Also, ich hätte gern eine Coca-Cola und eine Fanta, bitte“, dann stelle ich fest, auch das funktioniert nicht. Alles, was über Zweiwortsätze hinaus geht, ist zu viel des Guten. „Machstema zwei!“ oder „Mir vier!“ Das reicht.

Einmal hat eine Bedienung, auf mein etwas forsches: „ Also, ich hätte jetzt wirklich gern mal was zu trinken!“ tatsächlich reagiert. „Wie jetzt? Hätte, hätte, hätte, willste was zu trinken oder nicht?“ „Ja, ich will, ich will zwei Fan….!“ Und schwupp standen da zwei Bier. Die hab ich dann verschenkt, da findet sich immer einer, denn, wie brüllte mir so ein durchtrainierter, 130 Kilo schwerer Sumoringer in seinem Fußballfan-Kostym ins Ohr: „Was trinkt ein echter Eintrachtfan, …. ?“ Das beantworte ich jetzt nicht, keine Schleichwerbung! Aber es stellt sich schon generell die Frage, ob ortsansässige Brauereien ohne Fußball überhaupt eine Daseinsberechtigung und Überlebenschance hätten.

Aber, und das meine ich jetzt wirklich ernst, alle die so ein Heimspiel nüchtern überstehen und trotzdem nicht verdursten, die kriegen da sportlich schon richtig was geboten.

Und damit ich hier nicht falsch verstanden werde, die Bedienungen an den Bierbutzen, die machen wirklich einen verdammt harten Job und ich kann mir ja auch ruhig mal eine Ikeatüte umhängen, muss ich noch irgendwo im Keller liegen haben.

Eurer Thorsten Stelzner

Ich tat also erst mal nix, war ja auch nicht schlimm. Nur, wie fange ich das jetzt an, schon mal 4.000 Zeichen übers Nichtstun geschrieben? Das kann ja auch in Arbeit ausarten.
Na ja, ich könnte ja mit einer Liste anfangen in der steht, was ich alles tun wollte als die Sippe im Sand lag. Das würde dann evtl. so aussehen:
Also, erst wollte ich doch und dann sollte, dann war da noch der Ingo, das Buch und die CD, klar die CD, den Rasen, die Hecke, auch sehr wichtig und Auto aussaugen, jetzt mal, wo die doch, und Sport natürlich Sport mal wieder …, dann Mensch klar, die Steuererklärung und der Zahnarzt, die Hütte, das Dach, die Lampe im Keller, die Gartenmöbel, gaaanz wichtig, Baumarkt, Bank, wieso Bank? Na, egal, Sperrmüll, Omma impfen. Impfen? Tierarzt! Den Hund, nicht die Omma, … wenn ich da jetzt so weitermachen würde, stünde am Ende der Geschichte eine E-Mail meiner Redakteurin: „ Zu lang, viel zu lang – kürz das, Bleiwüste!!”
Gut, lass ich das mal. Ich könnte selbstverständlich auch schreiben, was ich tatsächlich so alles erledigt habe, dann stünde aber da wo jetzt „ … als die Sippe im Sand lag.“ steht, schon: Euer Thorsten Stelzner. Zu kurz, eindeutig zu kurz. Gut, im CLICCLAC wäre etwas mehr Platz für wirklich wichtige Sachen, aber ich hätte ein schlechtes Gewissen, vielleicht. In der Phase, in der ich mich eben befinde, tut mir Nichtstun jedenfalls nichts. Aber ich mache es trotzdem anders. Ich schreibe auf, wie es dazu kam, dass es zu nichts kam.
Also, das ging sofort los, kaum war das Rudel weg, war ich aus dem Tritt, aus dem Trott, es war plötzlich völlig egal, was, wann, wie und ob überhaupt und auch wie spät es war. Die Uhr, die sonst sehr gewissenhaft unseren gesamten Tagesablauf regelt, hing völlig irritiert, ignoriert und deprimiert mit dem Rücken zur Wand. Ab und zu huschte, so mehr zufällig, mein Blick über ihr Zifferblatt und ich dachte

Mehr »

Böse, ganz böse, gute Freunde unterstellen mir zwar Vorsatz, aber ich schwöre, das war wirklich nicht geplant. Es hätte dann wahrscheinlich auch nicht funktioniert, denn es wäre einfach zu offensichtlich gewesen und ich hätte mit Sicherheit im Verlauf der Gespräche irgendwann an der falschen Stelle verräterisch gegrinst. Worum es geht? Na, um die diesjährige Urlaubsplanung.
Drehen wir die Zeit mal kurz drei Monate zurück. Es tagt der Familienrat. Wohin geht´s in den Urlaub? Gute Frage. Fünf Menschen, sechs Meinungen, sieben Ziele. Nur in einem waren sich 3/5, also die Mehrheit, absolut einig: Wir, das heißt die Kinder, wollten fliegen, endlich mal fliegen! Ich wollte das nicht, nie und niemals und auf keinen Fall mit der ganzen Familie. Mein Argument: „Stürzt der Vogel ab – alle ab ins Grab!” (reimt sich wirklich nur zufällig). Und so ein bisschen eitel bin ich ja nun auch und finde, dass die Welt so ganz ohne unsere Erbmasse nur halb so schön wäre. Darum kein Flug, nicht und niemals – Punkt. Nun, ich bin zwar eitel und vernünftig, aber ich bin nicht stur und auch nicht besonders konsequent. Drei Stunden und etliche Bemühungen, Anflehungen und Statistiken später, meine Kapitulation: „ Meinetwegen, was soll´s, dann fliegen wir eben, ihr habt es ja so gewollt, aber jammert mir nicht hinterher die tauben Ohren voll, wenn wir dann wirklich alle tot sind.“
Die Freude war riesig, der Dank noch größer, das hatte ich mir aber auch verdient. (Auf die Knie!) Also, suchen, fluchen, buchen!

Dann der entscheidende Moment. Alles geklärt, Ziel, Hotel, Termin, wirklich alles.
Nur eines eben nicht. Plötzlich stand für alle unerwartet und völlig überraschend meine alles zunichte machende Frage im Raum: „Was ist mit dem Hund?“

Mehr »

2011
Mrz 14

Ich habe ein Handy. Für die Generation, die in ihrer Kindheit noch Blechdosen mit einem Bindfaden verknotet hat, um sich dann über eine Entfernung von 20 Metern über die Hecke des elterlichen Gartens hinweg anzubrüllen, ist das schon eine irre Sache. Und ich kann damit tatsächlich soweit umgehen, dass ich es eigentlich mehr meine Taschenuhr mit Telefon nenne. Ich kann die Uhr lesen, ab und zu sogar telefonieren, und wenn mein SMS-Partner (Wie lange ich gebraucht habe, um zu verstehen wofür das zweite S steht.) genug Phantasie hat, auch sm-essen oder simsen. Das sieht dann zuweilen so aus: „Gallone Silvester Gag Liebe DGB Buch, nein Schauspieler.“ Probieren sie es mal aus. Soll heißen: „Hallo Silvia, ich liebe dich auch, mein Schatz.“

Aber das ist, das war alles kein Problem. Auch Menschen in unserem Alter und auch meine intelligente Gattin sind durchaus in der Lage, immer noch etwas dazu zu lernen. Mit etwas Phantasie hat sie das schließlich doch noch dechiffrieren können. Und irgendwann konnte ich tatsächlich auf neuestem, höchstem Stand der Technik kommunizieren, träumte ich. Wie naiv!

Ich war glücklich mit meiner bescheidenen Leistung, da waren die zwei Jahre aber leider auch schon um. Vertragsverlängerung. Das klingt nicht schlimm. In den meisten Fällen läuft das einfach so von ganz alleine. Ich bin 17 Jahre verheiratet. Was spricht also dagegen, einen Vertrag, bei dem man auch noch freundlich gefragt wird, ob man den denn verlängern möchte, zu verlängern, noch dazu, wenn man dann noch was geschenkt bekommt? Haben sie nach ihrem zweiten Hochzeitstag irgendwas als Bonus oben drauf gekriegt?? Na bitte! Man ist ja schon dankbar, oder?

Also Vertrag verlängern und ein neues Handy aussuchen. Keine Ahnung, was man da nimmt. Es war mir ja
auch total egal,

 

Mehr »

2010
Jun 16

Angenommen abnehmbar !

Ha! Ich hab’s geschafft! Ich habe mein Vorjahresvorurlaubsgewicht wieder. Naja, eigentlich hatte ich das schon in der zweiten Urlaubshälfte zurück erlangt, aber wenigstens kurz vor und noch in den ersten Tagen der alljährlichen Strandnabelschau bewegte ich mich nahezu am Rande meines unter Ausblendung der Objektivität subjektiv gefühlten Idealurlaubsübergewichts. Was das bedeutet? Das Idealurlaubsübergewicht ist das Gewicht, das einem den Eindruck vermittelt, man habe nur soviel zu viel auf den dicken Rippen, dass man sich immer noch selbstgefällig genug  und unter straffer Anspannung der inneren Bauchmuskulatur an die Küste lümmeln, lästern und fremdschämen kann:
„Boah, guck doch mal das Walross da! Mann, so möchte ich aber nicht rumlaufen, mutig, mutig.“ – „Mensch, wenn der ins Wasser geht, sollten wir aber ´n bisschen hoch rücken hier mit unserer Decke.“ „Der löst doch ´nen Tsunami aus.“ „Dreifache Kurtaxe. Ich sag nur: dreifache Kurtaxe.“
Aber das ist ja nur die eine Richtung. Es geht auch anders: „Puh, guck mal! Na, schlank is was anderes. Schön is´ das nicht.“ „Die große Dürre, oder mager sucht Quark.“ „Netter Titel für `ne Doku.“ „Wenn so was angespült wird, is’ hier alles voller Splitter und Scherben.“ „Kinder zieht euch was an die Füße!“
Wenn das geht, dann liegt man irgendwo dazwischen und fühlt sich gut. Und das will man ja auch im Urlaub.

Mehr »

2010
Jan 9

Eine Studie bringt es auf den Punkt: Die Deutschen gehen im Durchschnitt l8-mal im Jahr zum Arzt. Besonders beliebt für so einen Arztbesuch ist der Montag. Wie kann ein Tag überhaupt beliebt sein für einen Arztbesuch? Und dann noch 18-mal im Jahr.
18-mal, das bedeutet im Schnitt alle drei Wochen. Was macht er da, der Deutsche? Is´ das der Lesezirkel Rhythmus? Darf der Deutsche gewisse Zeitungen zu Hause nicht lesen? Was wäre denn, wenn er zwischendurch nicht im Urlaub oder tatsächlich mal krank wäre, dann käme er locker auf vierzehntäglich.
Warum geht der Mensch gerne alle zwei Wochen zum Arzt, wenn er könnte? Weil er krank ist, oder weil er gerne krank werden will? Ich war fünf Jahre nicht beim Arzt und fühlte mich kerngesund! Ob ich es bin kann ich ja nicht mit Sicherheit sagen. Krankheit ist ja auch mehr so eine Definitionsgeschichte. Manche wären mit meinen Symptomen wahrscheinlich schon lange in intensivster fachärztlicher Betreuung. Ich geh damit lieber auf die Bühne … Und dann kam die J1, das ist der TÜV für Pubertierende. Da musste nicht ich hin, ich pubertiere zwar noch, bin aber zu alt für den Kinderarzt, sondern mein Sohn. Und ich bin mit …
Februar. Ich öffne die Tür, und aus der völlig überheizten, sauerstoffarmen Praxis schlägt mir der Dunst des Todes in die Visage: Ich denke noch: „Nicht mehr atmen!“

Mehr »

Kinder wie die Zeit zergeht !

TS, 17. November 2009, 05:07
2009
Nov 17

Wer hat an der Uhr gedreht, ist es wirklich schon so spät? Wie, schon wieder Dezember, wo ist es hin, das Jahr? 2009 – das Jubeljahr: 60 Jahre Bundesrepublik, 20 Jahre Mauerfall, und ich 15 Jahre verheiratet. Die Zeit macht nur vor dem Teufel halt, denn er wird niemals alt. – Ich bin alt, so einfach aus dem Nix fast 50. Hätte mir vor dreißig Jahren jemand gesagt, dass ich überhaupt mal so alt werde, ich hätte ihn ausgelacht. Das gab der jugendliche Lebenswandel nun wirklich nicht her. Und jetzt? Jetzt sitze ich hier am Ende des Jahres, das gefühlt so schnell verpufft ist, wie damals die Sommerferien, und plane im Geiste schon mal locker für die nächsten zehn Jahre und weiter. „Och, wenn die Kinder dann erst mal aus dem Haus sind, dann sind wir ja noch nicht mal sechzig. Da können wir dann ja vielleicht noch…“ Überhaupt die Kinder, die Kinderzeit; Momo hilf! Mir hat irgendwer die Zeit geklaut.
Als unser Erster, also unser Ältester, zur Welt kam, blieben für uns alle Uhren des Universums erstmal stehen. Alles war so neu, alles ging irgendwie, natürlich auch bedingt durch den chronischen Schlafmangel, etwas langsamer vonstatten. Und die erste Omma-Kundin, die unsern Sohn in meinem Laden zu sehen bekam, blickte in den Kinderwagen und sprach mit gebrochener Stimme, es klang fast so wie der Fluch einer verstoßenen Feentante von Dornröschen: „Genieeeßen sie es, Herr Stelzner, genießeeen sie es

Mehr »

Clicclac Februar

TS, 12. Januar 2009, 12:11
2009
Jan 12

Vorsätzliches Versagen

Neues Jahr, neues Glück, es führt eh kein Weg zurück!

Nun ist der erste Monat ja schon gelaufen und seien wir mal ehrlich, die guten Vorsätze haben wir längst schon wieder über den Haufen geschmissen. Die erste Zigarette haben wir doch schon wieder heimlich auf dem Klo verdampft und die Süßigkeiten, die da noch von Weihnachten rum lagen, waren zum Wegschmeißen ja auch zu schade. Die Waage wird morgens strafend ignoriert und das Bier, man kann ja auch nicht auf alles verzichten und bei dem Wetter extra los ins Fitness-Studio, das ist doch Wahnsinn, bei den Straßenverhältnissen.

Geht doch, ging doch eigentlich letztes Jahr auch ganz gut so, warum denn etwas ändern, wenn sonst alles bleibt, wie es ist.

Ich versteh sowieso nicht, warum der Mensch sich ständig selbst kasteit, er wird doch so schon oft genug in das gesellschaftliche Korsett gezwängt, warum dann der Drang sich selbst auch noch zu kontrollieren?

Wie wäre es denn mal mit folgender Alternative: Nehmen wir uns doch einfach mal was vor, was wir auch ohne größere Schwierigkeiten durchziehen können, das ist dann auch nicht so frustrierend und die kleinen Erfolge machen doch auch glücklich.

Ein paar Vorschläge hätte ich da auch schon mal im petto – dieses Jahr:

Beim Mülltrennen mal nicht ganz so gewissenhaft sein, mal ein klein bisschen Plastik in den Biomüll.

Omma nicht ganz so oft im Altenheim besuchen,

weniger Zeit mit den Kindern verbringen,

das ehrenamtliche Engagement mal etwas schleifen lassen,

dem Chef mal nicht sagen, dass er ein Arsch ist,

mal nix gegen die Klimaerwärmung tun,

auf keinen Fall zur Krebsvorsorge gehen,

nicht die Bank oder den Stromanbieter wechseln,

Bildzeitung lesen,

bei der nächsten Wahl das Kreuzchen wieder da machen, wo wir es immer machen,

auf keinen Fall politisch einmischen…

Das könnte doch klappen, oder!? Dann kann man sich am Jahresende erleichtert und stolz auf die Schulter kloppen. – „Durchgezogen dieses Jahr, spitze!”

Wem das zu simpel ist, für den hätte ich noch eine Steigerung auf Lager, nehmen wir uns doch mal was vor, von dem wir dann am Ende froh und glücklich sein können, es nicht geschafft zu haben:

Einmal als Geisterfahrer über die A2 fahren,

freiwillig melden für den Einsatz in Afghanistan,

immer die Wahrheit sagen,

ausschließlich RTL und RTL II gucken,

nur noch hochprozentiges  trinken,

freundlich sein zu Call-Center-Anrufern,

spenden sammeln für die Partei des Herzens,

Fremdgehen, scheiden lassen, alles hinschmeißen, auswandern  usw.

Da gibt es ja nun einiges, das muss aber letztlich auch jeder selbst für sich entscheiden, bei welchem vorsätzlichen Versagen er sich am Jahresende erleichtert und selbstgefällig zuprosten will und mit einem Stossseufzer in die Silvesternacht hinein feststellen darf: „Man gut, dass ich so labil bin, wo wären wir jetzt, wenn ich dieses Jahr konsequent geblieben wäre? – Frohes neues Jahr, mein Lieber, bleib´ so wie du bist!”

« Vorherige Seite - Nächste Seite»