Clicclac-Ratgeber Geburtstag

TS, 12. Januar 2009, 12:02
2009
Jan 12

Happy Event

Früher, ja, früher war alles besser. Nur schade, dass die, die heute dran sind, das nicht wissen können, es ist ihnen auch schlichtweg egal. Heute ist jetzt und jetzt macht man das so, wie man das heute eben so macht. Geburtstag feiern zum Beispiel.

Früher: Mein Geburtstag, egal welcher, ich kann mich entweder nur noch an einen erinnern, oder aber die waren alle irgendwie gleich: Vier beste Freunde, ein Kuchen, Kerzen drauf, Kanne Kakao, draußen auf der Terrasse, im Garten Topfschlagen und spielen, einfach spielen, mit den neuen Spielsachen, Cowboy und Indianer, Fischer-Technik, Lego, Big-Jim, Märklin-Eisenbahn und …. Ende!

Heute: Mein Sohn – er hat in zwei Wochen Geburtstag – wächst in Timmerlah aufm Dorfe auf, ist hier in den Kindergarten gegangen, geht in die zweite Klasse der Dorf-Grundschule, spielt Fußball und Handball und mit jeder weiteren Entwicklungsstufe oder Aktivität vergrößert sich der Freundeskreis, das ist schön für meinen Sohn. Was es für uns ist, klären wir gleich.

Schon die Antwort auf die Frage: „Wen willst du denn eigentlich einladen?” erklärt vieles: „Alle!“. Alle, das sind sehr viele, mehr als in einen Kleinbus passen, aber gerade noch zu wenig für einen Sonderzug.

Was bei uns noch erschwerend hinzu kommt: Einige der Bengels, die er einlädt, haben Schwestern und er hat auch eine, Diese Schwestern waren zusammen im Kindergarten und in der Grundschule. Wenn dann also der Bruder Geburtstag feiert, dann kann das schon mal vorkommen, dass die älteren Mädels ihre jüngeren Brüder vorbei bringen, ob das nun vorsätzlich geschieht, weiß ich nicht, aber wenn die dann an der Tür stehen, tönt es aus unserem Flur: „Können Lotte und Lelly auch hier bleiben?” Somit erhöht sich oft die Personenzahl noch mal um die der Schwestern der Brüder.

Wenn nun also das halbe Dorf Geburtstag feiert, dann ist selbst so ein Reihenendhaus zu klein. Dann ist man gezwungen, so ein Stadteilfest schon mal auszulagern, also sollte man sich schon früh genug Gedanken machen. „Wo feiern wir dieses Jahr das Volksfest anlässlich des Geburtstages unseres jüngsten Sohnes?“ Und da gehen uns aber so langsam auch die Möglichkeiten aus, denn wie gesagt, einfach nur so feiern, Kakao, Kuchen und neues Spielzeug kaputtmachen, das reicht ja heute nicht mehr aus. Meistens folgt sofort auf die Einladung zu einer Geburtstagsfeier die Gegenfrage: „Und was macht ihr so, sollen wir den Kindersitz mitbringen?” oder  „Wo sollen wir die Kinder abholen, bringt ihr die nach Hause, sollen sie Turnschuhe, Schlafsack oder die Bahn-Card mitbringen?” Geburtstage werden zu Events, zu Adventure-Games, da werden Konzepte entwickelt, strategisch wird geplant, wie man das, was die anderen gemacht haben, noch übertreffen kann. Nicht auszudenken, die Kinder kämen mal von einem Geburtstag nach Hause und würden auf die Frage: „Na, was habt ihr denn schönes  gemacht?” einfach nur mit einem glücklich zufriedenen Lächeln antworten:  „Wir, wir haben gespielt.“ Nein, nein, kommt gar nicht in Frage, was sollen denn da die Leute denken?

Also, dieses Jahr keinen Kindersitz mitbringen, sondern Impfpass und Kinderausweis. Wir fliegen die Truppe mit der Concorde nach Las Vegas, drücken jedem einen Satz Tausenddollarchips in die Hand und wenn sie dann die Kohle verzockt haben, jetten wir noch schnell nach Disneyland, übernachten da drei Tage und schippern ganz entspannt mit der Queen-Marie wieder zurück. Ich weiß, das klingt ein bisschen wie ne Notlösung.  Ist auch eine, für die Weltumseglung mit Rüdiger Nehberg mit anschließender Jagd auf den Yeti und dem Schlittenhunderennen am Pol mit abschließender Eisbärenfütterung, waren wir dieses Jahr zu spät dran, aber da sind wir jetzt auf der Warteliste. Wenn es nächstes Jahr keine Eisbären mehr gibt, dann wird’s natürlich eng. Dann müssen wir vielleicht doch auf den Flug zur ISS ausweichen.

“Ja, früher!” Heute ist das früher von morgen und die, die im heute von übermorgen alt werden, werden vielleicht sagen: „ Ja, früher, war alles besser, jetzt sitzen wir hier bei ner Kanne Kakao und damals haben die noch richtig gefeiert.“

Ihr Thorsten Stelzner

Schrille Nacht, eilige Nacht !

TS, 15. November 2008, 14:35
2008
Nov 15

Clicclac, November: 

Endlich, endlich, der erste Advent, das wurde aber auch Zeit. Im Grunde fiebere ich diesem Moment schon seit dem zweiten Weihnachtsfeiertag entgegen. Nach Gänsebraten und Bärenfang liege ich bei den Schwiegereltern auf dem Sofa und frage mich: „Warum kann eigentlich nicht immer Adventszeit sein? Warum kann so ein Adventskalender nicht 363 Türchen haben? Warum gibt es keine Adventskränze mit 52 Kerzen? Warum gibt es keine Nordmanntannenbonsais? Warum muss ich bis nach Ostern warten, bis die Discounter endlich wieder die Weihnachtsdeko rausholen?“ Ich will meinen bunten Teller und zwar jeden Tag. Was spricht eigentlich dagegen, Marzipankartoffeln und Vanillekipferl auch mal am Grillabend zu servieren? Ganzjahresreifen tun es doch auch, jetzt, wo das Wetter immer das gleiche bleibt, jedenfalls fast, 15 Grad im November, wenn das noch normal ist? Nicolaus im April, warum denn nicht? Also, das ganze Jahr Vorweihnachtsstimmung.

Macht doch auch vieles einfacher. Man würde quasi am 28. Dezember schon mal daran erinnert, dass man jetzt aber langsam los muss, um Geschenke zu besorgen, oder man könnte ja auch am Heiligabend die versammelte Verwandtschaft schon mal fragen: „Und, was wünscht ihr euch so zu Weihnachten?” – Die klassische Antwort unter Erwachsenen in unseren Breiten: „Och, weiß nicht, vielleicht ´nen Gutschein von…!” Das wäre doch praktisch, da könnte man die, die man gerade selbst gekriegt hat, an die Seite packen oder auch gleich weiterreichen.

Ich habe auch eine Idee für ein neues Gesellschaftsspiel: Gutschein UNO, der höhere gewinnt, oder Quartett: „Mir fehlt noch einer von Saturn, tausche gegen Karstadt!”

Wem das zu unpersönlich ist, der könnte ja auch im Mai schon mal bei einer Kanne Kaminwärme/Apfel-Zimt und Kerzenschein anfangen zu basteln. “ Kommt Kinderchen wir bauen uns ein flottes Memory aus doppelten Weihnachtsgutscheinkarten.” – Basteln? Mir persönlich reicht es ja schon, dass ich den Umschlag nicht nur selbst beschriften, sondern auch noch mit meiner eigenen Spucke zukleben muss, persönlicher kann doch so ein Geschenk gar nicht sein – mein Gencode, meine Fingerabdrücke und meine Handschrift auf jedem Umschlag, das BKA wird schon bald anfangen zwischen den Jahren die Altpapiercontainer zu durchwühlen, das ist die Datenbank der Zukunft. Aber die Gutscheine haben natürlich auch noch ganz andere, praktische Vorzüge, da kann man sich nämlich das lästige abpulen der Preisschilder schenken.

Wie, ich bin zu kritisch, zu negativ? „Es geht nicht nur um Konsum? Warum feiern wir Weihnachten? Weil, äh, naja, da ist doch dieser Dings, der Jesus geboren, oder so. Ach so, und was hat der Weihnachtsmann damit zu tun, war der Geburtshelfer? Und gab es damals schon Coca-Cola? Schließlich haben die den ja eingekleidet.

Brauchtum und Verbrauch gehen Hand in Hand und der Handel drückt kräftiger zu. Die Feiertage werden längst nicht mehr von der Kirche gestaltet oder von der Gesellschaft geprägt. Wann wir was zu feiern haben, bestimmt die Freizeit- und die Zuckerbäckerindustrie. Wer weiß überhaupt, warum wir Halloween feiern? Weil die Spanne zwischen Ostern zur Vorweihnachtszeit zu lang ist oder weil es dann nur noch zwei Wochen bis zum Karneval sind und man das ein oder andere Kostüm schon mal im Regal hängen lassen kann?

Aber zurück zum Fest der Liebe. Wenn man Kinder hat, die noch keine „Großprojekte“ im Auge haben wie z.B. : “ Ich wünsche mir nur Geld, ich will mir `ne Playstation oder ´nen Flugzeugträger kaufen,” sondern welche, die noch wirklich spielen wollen und die in ihrem Kinderzimmer dafür auch tatsächlich noch ein Plätzchen finden, dann wird es richtig spaßig. Wenn man denkt, man hat endlich was gefunden, was man denen schenken kann, weil sie das noch nicht haben, – Gott sei Dank gibt es ja diverse Anbieter, die sich diesem, unserem Problem, derart selbstlos annehmen, dass sie aus reinem Mitleid jedes Jahr was neues auf den Markt schmeißen – und man steht vor dem Regal oder sogar schon an der Kasse, dann klingelt plötzlich das Handy. Schwiegereltern, Eltern, Tanten, Onkels, die Wahrscheinlichkeit ist groß, irgendwer von denen ruft just in dem Moment an und fragt: „Sag, wenn du losgehst, Weihnachtsgeschenke kaufen, für deine Kinder, kannste mir da nicht was mitbringen, du weißt doch am Besten was die sich wünschen, oder? Danke, echt lieb von dir, die Kohle kriegste dann am 2. Weihnachtstag, wenn wir uns bei Omma sehen.”

Klar mach ich –  alle Jahre wieder.

Ihr Thorsten Stelzner

2008
Okt 14

Eltern an die Macht!

Besser konnte das gar nicht laufen. Gerade saß ich noch frustriert und fast schon ohnmächtig in der Ecke dachte: „Wohin mit der Wut, dem Zorn und der Kritik?“ Da fragt mich Franz Schmitt vom Clicclac: „Sach mal, könntest du dir vorstellen eine Kolumne bei uns zu machen?” Na, da musste ich keine Sekunde überlegen: „Aber klar und bitte, bitte sofort.“ Und damit kann es gleich auch schon losgehen.

Ich habe vier schulpflichtige Kinder: 2. Klasse, 5.Klasse, 8. Klasse, 12. Klasse – klasse, klasse! Nichts gegen meine Kinder, das sind natürlich – wie alle Kinder – die besten, die schlausten, die charmantesten und die schönsten der Welt, logisch. Darum geben wir ja auch alle immer das Beste, darum kämpfen wir tagtäglich dafür, dass sie es mal besser haben als wir. Paradox, denn auf diesem Wege sorgen momentan alle Institutionen dafür, dass sie es erstmal schlechter haben, als wir es in unserer Schulzeit je hatten. Ich muss offen und ehrlich gestehen: „Ich habe die Schnauze voll!” Und nach vier Elternabenden und zwei Stammtischen weiß ich, dass es vielen Eltern genauso geht. Und darum muss das an dieser Stelle jetzt mal alles raus.

Es geht um unsere Kinder, das wertvollste das wir besitzen, und das Programm, das hier gefahren wird, ist kinderfeindlich hoch zehn. Mit einer liebevollen, kindgerechten Entwicklung hat das nichts mehr zu tun.

Stress schon in der dritten Klasse, Trendmeldung, Empfehlung, bloß keine 3 schreiben, geschweige denn eine 4 oder gar eine 5, das können wir uns jetzt nicht mehr erlauben, da muss dann Fußball eben mal ausfallen: „Du willst doch aufs Gymnasium?” Weiß ein 8jähriger überhaupt, was das ist? In der dritten Klasse, da sind die Kinder wirklich noch Kinder und sollen schon verarbeiten, dass der Spaß jetzt aber vorbei ist. „ Wenn ihr Sohn die Gymnasialempfehlung haben soll, dann muss er jetzt aber das nächste halbe Jahr noch ein bisschen Gas geben.” – Klar wird gemacht! Druck und durch! Und wenn sie es dann geschafft haben, Freude, Freude, stolz wie Oskar, wird das Kind angemeldet und natürlich an derselben Schule wie alle Lieblingsklassenkameraden und kriegt schon das zweite Mal mächtig Stress und Bauchschmerzen, ob es denn auch angenommen wird. Wird es angenommen heißt es dann zittern bis zum Schulwechsel. „Hoffentlich kommen wir in eine Klasse.“ Geschafft! Glücklich, strahlend, neugierig, wissbegierig geht es in die nächste Runde….

Und dann, schon vier Wochen später brechen die ersten über ihren Mathehausaufgaben zusammen, haben keine Lust mehr sich nachmittags zu verabreden, kommen mit Kopfschmerzen um halb vier nachmittags nach Hause, haben Rückenschmerzen, weil sie mit einem Ranzen losmarschieren müssen, der so voll gepackt ist, dass das Gesamtgewicht des Busses, der sie morgens zur Schule fährt, beinah schon überschritten ist.

Sie sitzen da, zum Teil bis abends um acht und bringen mehr Arbeitszeit auf die Stechuhr als so mancher Lehrer. Ganz dramatisch wird es, wenn sie abends feststellen, sie haben noch was vergessen: “ Papa, Mama ich muss noch das Religionsblatt anmalen. „Da sitzt man dann als Eltern verzweifelt am Bett und möchte laut brüllen: “ Scheiß drauf!” – Aber man kann nicht, man darf nicht sagen was man wirklich denkt. Also malt man mal eben bei der Tageschau das Religionsblatt selber an.

Überhaupt: Das Quantum, das die Kinder zu bewältigen haben, ist ohne die Eltern gar nicht zu packen. Das gesamte Familienleben dreht sich nur noch um die Schule, die Schule bestimmt den Alltag. Das ist krank! Die Selektion findet hauptsächlich über die Belastbarkeit der Eltern statt, wenn die keine Zeit haben, wenn sie nicht können oder wollen, wie auch immer, dann landen die kleinen, bestimmt nicht blöden, und gar nicht faulen Kinder mit 10 Jahren schon auf der Hauptschule, aussortiert, frustriert – mit 10 Jahren, tolles System!

Ich wünschte mir, alle Eltern würden sich ein halbes Jahr mal total verweigern, sodass Schule wirklich nur noch Schule ist – von morgens um 8 bis mittags um 13.00 Uhr. Dann kann Schule den Schülern auch nur noch abverlangen, was Schule vermittelt. Dann müssten sie die Lehrpläne ausdünnen und das Abitur würde man eben nach 15 Jahren machen, das ist doch auch egal. Wir werden immer älter und die Kinder sollen sich beim Lernen immer mehr beeilen – was soll das?

Ihr Thorsten Stelzner

www.clicclac.de

« Vorherige Seite