2008
Jan 31

metallzeitung 2/2008  über Thorsten Stelzner

Stelzner nörgelt satirisch über politisch-soziales und zwischenmenschliches. Er liest oft auf IG Metall-Veranstaltungen und kommt dort bundesweit bei jung und alt gut an. Für manche gilt Stelzner schon als der neue Bertolt Brecht. Er schreibt über den Chef, den “Alleskönner” , Aktionäre als “Lebenszeitvampire” oder den “Tagelöhner”. Sein “Knacken” (ein Korn im Getriebe) ist mittlerweile schon eine Art Hymne der IG Metall in seiner Heimatstadt Braunschweig. Dort ist auch sein nächster Auftritt: Beim Satirefest in der alten Brunsviga-Konservenfabrik mit “Auch Weicheier müssen eiskalt abgeschreckt werden” am 24. Februar.  Stelzners neues Buch “Klartext” mit seinen besten Gedichten seit 1987 können IG Metall-Mitglieder vergünstigt für 12 Euro inklusive Porto bestellen: thusi.stelzner@t-online.de, Stelzners Webseite mit Infos und Leseproben: www.thorsten-stelzner.de  

Als Hausmann einfach nur kapituliert

TS, 11. September 2007, 10:00
2007
Sep 11

Thorsten Stelzner und Andreas Bermig treten beim Lyrischen Abend in der KuBa-Kulturhalle auf

WOLFENBÜTTEL. Ein werdender Vater spricht zu seinem ungeborenen Kind, begrüßt es im Leben und beteuert seiner kleinen Tochter, dass er immer für sie da ist. Einige Jahre später zollt er der Kindergärtnerin seinen Respekt für ihre Arbeit.

 Thorsten Stelzner, Lyriker aus Braunschweig lässt sich tief ins Seelenleben blicken. Was der gebürtige Wolfenbüttler in seinen 43 Lebensjahren so alles erlebt und in seinem Umfeld beobachtet hat, schlägt sich nieder in seinen Versen.

Die konnte er jetzt erstmals auf Einladung der SPD in der KuBa-Halle vortragen. ” Mach was draus – Lyrik trifft Lied” betitelten Stelzner und sein Partner, der Liedermacher Andreas Bermig, ihr Permierenprogramm.

Es begann mit einem nachträglichen Geburtstagslied für den Landratskandidaten Jörg Röhmann. Die wahlkampfredenfreie Veranstaltung war jedoch nicht unpolitisch. Der Lyriker outete sich nicht nur als Ehemann und Vater von vier Kindern, sondern auch als kritischer Zeitgenosse, der mit dem erhobenen Zeigefinger in alle Windrichtungen deutet.

“Ich kann weder Gitarre spielen, noch singen,” bekannte Stelzner eingangs des lyrischen Abends. Als ideale Ergänzung nahm Andreas Bermig aus Börßum diesen Part wahr. Er vertonte überwiegend die Texte seines Partners und traf dabei die unterschiedlichsten Stimmungen. Thorsten Stelzner fasste sie in groben Blöcken zusammen. Sehr viel differenzierter beschrieb er die Ursachen für Weltschmerz, Verlustängste und Versagen. Nachdenkliches und Hintergründiges, aber auch Spott, Ironie und Satire gewann er seinem lyrisch aufbereiteten Lebensalltag und dem anderer Menschen ab. Amüsiert betrachtete er, was er sich selbst als junger Erwachsener vom Leben erträumte, kapitulierte als Hausmann und ungeschultes Multitalent. Das Publikum nahm er mit in die “Folterkammer Büro”, wo raue Sitten herrschen, setzte es vor den Fernseher, die Probleme der Welt kosumierend, und feixte über die politische Kostellation seit der Bundestagswahl. Mit leichten Phasen an der Gitarre bereicherte Bermig den Premierenabend, der keine Show-Elemente enthielt, sondern Ehrlichkeit, echte Gefühle und den Mut zum Querdenken vermittelte. Die Besucher zeigten sich begeistert. 

“Man könnte meinen, Programmstart 17.30 Uhr, das ist schon zum Scheitern verurteilt”, begann der Kabarettist Thorsten Stelzner ganz im Sinne seines Stücks “Im Zweifel für die Nörgler oder Der zivilisierte Mensch ist ein Idiot” im Rahmen des Satirefests in der Brunsviga. Doch von wegen! Nach einigen Aufwärmtexten kam der ehemalige Obsthändler so richtig in Fahrt. Schmissig feuerte er bissige Wortsalven in die Zuschauerreihen, stellte im ersten Teil den sogenannten zivilisierten Mensch, kurz ZM, bloß, um nach der Pause den Nörglern das kabarettistische Zepter zu übergeben. Aber Schritt für Schritt. Der ZM, “ein Idiot der sich gewaschen hat”, schmiert sich täglich Mittelchen aufs Haupt, noch dazu allszu nah am “trendbewussten Resthirn” und fragt gar nicht, was da in seinen Bregen sickert. Weiter mokiert sich Stelzner über ZMs Kultur im Stuhl, Männermoden, über den ZM im Urlaub, als Raucher, beim Arzt oder auf Diät. Das was der Kulturmensch da so täglich verbockt, ist, glaubt man Stelzners Funkenflügen ab Wortgewandtheiten, wahrlich keines Lobes wert.

In atemberaubenden Tempo, gewissermaßen der Ferrari unter den kaberettistischen Wortjongleuren, verpasste Stelzner dem Homo-Konsumenti und Normalo-Sapiens eine Ohrfeige nach der anderen, bevor es dann liederlich lyrisch wurde.

Für seine bösartigen, niederträchtigen satanisch-satirischen Verse ist Stelzner mittlerweile bekannt. Das Thema in Folge: Idioten. Ja richtig. Es hagelte wunderschöne Lebensweisheiten aus der Sicht dessen, der aus der Schieflage der Welt vollkommene Klarsicht auf dieselbe hat und sie in gepfefferte Reime packt. “Totensonntag”, “Mietvertrag” oder “Allah und der liebe Gott” lauteten die Titel, hinter denen sich Sturmgewitter höchster Empörung verbargen. Lebensweisheiten knatterten hernieder: “Nicht jeder der die Schnauze voll hat, wird auch satt” oder ” Noch frisst der Wähler alles, doch irgendwann kotzt er sich auch aus.”

Da hat einer so richtig Wut. Am Ende hielt Stelzner ein Plädoyer für Nörgler, für Herrn Grantel, Herrn Motz, Herrn Gnatz: “Sie sind nur natürlich, nicht glattgeschmirgelt, und deshalb wird bitteschön weiter genörgelt.

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