18. Türchen 2005

TS, 18. Dezember 2011, 12:19
2011
Dez 18

HARRY DER TAGELÖHNER

Harry war ein Tagelöhner,
kam jeden Morgen um halb drei
wie zufällig auf seiner Mofa
am Großmarkttor vorbei.

Harry hatte Würde,
gefragt hat Harry nie,
Harry musste man schon fragen,
doch „Nein“ sagte er nie.

„Harry, haste Zeit heut´?
Um drei Uhr dreißig kommt die Bahn,
ein Wagon Kartoffeln
und zweie mit Bananen.“

Harry knarzte immer,
das kam von der Reval:
„Hab´ eigentlich was vor Chef,
doch heut´ is´ es egal!“

Und dann parkte Harry seine Mofa
vorne links direkt am Tor,
rieb sich noch mal die Hände,
weil Harry immer fror.

Ja, Harry brauchte die Maloche,
das Anpacken war sein Ding,
weil nur beim richtig „wuppen“
sein Kreislauf aufwärts ging.

Und so schleppte „unser“ Harry
die schweren Kisten jahrelang,
war ab und zu betrunken,
ganz selten war er krank.

Er war auch immer zuverlässig
und schnell war Harry auch,
Harry ließ uns niemals hängen,
und stand niemals auf dem Schlauch.

„Geht schon Chef, weil muss ja,
den machen wir noch leer.“
Und selbst die Appelkisten
waren Harry nie zu schwer.

Doch dann an einem Morgen,
Harry schob den Wagon auf,
da kriegte Harrys Leben
einen entscheidend neuen Lauf.

Alles auf Paletten,
der Gabelstapler stand bereit,
für Harry `ne Ameise*,
– leer gemacht in halber Zeit.

Da war nichts mehr mit schleppen,
Harry wurde nicht mehr warm,
Harry war niemals ein Reicher
doch plötzlich war er arm.

Er verlor nicht nur die Stunden,
es fehlte nicht nur Geld,
er verlor dadurch die Würde
und seinen Platz in dieser Welt.

So schnell war Harry über,
keiner brauchte seine Kraft,
alles wurde ohne ihn
jetzt schneller weggeschafft.

Harry ließ sich nicht mehr blicken,
Harry blieb ganz einfach weg,
in Harrys Leben fehlte
ganz plötzlich Sinn und Zweck.

Harry hatte immer Arbeit
solang es Arbeit für ihn gab,
Harry lebte für die Arbeit
bis er ohne Arbeit starb.

17. Türchen 2004

TS, 18. Dezember 2011, 12:17
2011
Dez 18

FÜR GOTT, FÜR ÖL, FÜR GELD

Während wir hier stehen und friedlich demonstrieren,
dass wir nicht die Hoffnung und die Zuversicht verlieren,
werden irgendwo,
das heißt auf dieser Welt,
Menschen geschlagen, gefoltert, vor Gericht gestellt,
erniedrigt und getreten,
mit vorgehaltener Waffe
zum Verhör gebeten,
abgeführt, an die Wand gestellt,
immer für Gott, für Öl und für Geld.

Während wir hier stehen und deutlich machen,
wir lassen uns nicht zu Mittätern machen,
werden irgendwo,
das heißt auf dieser Welt,
Mittel bewilligt, Gelder bereitgestellt,
Waffen entwickelt, Pläne gemacht,
für mehr Effizienz
in der nächsten Schlacht,
werden Menschen verplant, aufs Schachbrett gestellt,
immer für Gott, für Öl und für Geld.

Während wir hier stehen und den Opfern gedenken
der Rache, dem Hass, keinen Gedanken schenken,
sitzen irgendwo,
dass heißt auf dieser Welt,
Menschen die nur eines am Leben hält,
von Hass getrieben, von Rache beseelt,
für die nur ein einziger Gedanke zählt,
schrauben Bomben zusammen,
wollen sterben als Held.
immer für Gott, für Öl und für Geld.

Während wir hier stehen und andächtig schweigen
um so dieser Welt unseren Willen zu zeigen
werden irgendwo,
dass heißt auf dieser Welt,
Menschen vor die wirkliche Wahl gestellt,
schieß oder stirb, Leben durch Tod
beende dein Elend durch des anderen Not,
find´ dich damit ab,
darum dreht sich die Welt -
immer um Gott, ums Öl und ums Geld.

16. Türchen 2003

TS, 16. Dezember 2011, 10:08
2011
Dez 16

DIE NÖRGLER

Die Nörgler, Herr Grantel, Herr Gnatz und Herr Motz,
aus derbem Holze, geschnitzt aus einem Klotz,
haben in dieser Welt ihren Platz,
die Nörgler, Herr Grantel, Herr Motz und Herr Gnatz.

Herr Grantel am Fenster,
Herr Gnatz auf der Bank,
Herr Motz an der Theke,
den ganzen Tag lang.

Herr Grantel, der gnatzt nur,
Herr Gnatz, motzt stets rum,
Herr Motz ist am nörgeln,
so geht der Tag rum.

Die Nörgler, Herr Grantel, Herr Motz und Herr Gnatz,
sind ständig am meckern, machen selten Rabatz,
doch bergen tatsächlich auch so manchen Schatz -
die Nörgler, Herr Grantel, Herr Motz und Herr Gnatz,

Hört ihnen nur zu, denn so mancher Satz,
genörgelt von Grantel, gemeckert von Gnatz,
hat seine Wahrheit, ist nicht nur Gekotz´,
gemäkelt von Grantel, von Gnatz oder Motz,
da findet man vieles,
was man selbst nicht gleich sieht,
und merkt, dass den Nörglern oft Unrecht geschieht,

und darum am Ende mein Plädoyer,
begnadigt die Nörgler, sie tun keinem weh.
Ja, die Nörgler, Grantel, Gnatz und auch Motz
sind aus grobem Holze, ungehobelter Klotz,
doch sie sind natürlich und nicht glattgeschmirgelt
und deshalb wird bitteschön weiter genörgelt.

15.Türchen 2002

TS, 16. Dezember 2011, 10:06
2011
Dez 16

NACH RICHTEN

20.00 Uhr,
ich seh´ die Nachrichten
und frage mich wonach soll ich mich richten?
Jeden Tag erzählen sie mir Geschichten,
belügen mich mit ihren Berichten.
Wen soll ich – nach ihrem Willen richten?
Wen wollen sie – mit ihrer Macht vernichten?
Worin sehen sie – tatsächlich ihre Pflichten?
Wer hat die Macht – das Material zu sichten?

20.00 Uhr
und nur fünfzehn Minuten,
trennen die Schlechten von den scheinbar Guten,
bleibt ihnen Zeit in das Horn zu tuten
und meine Meinung täglich neu zu fluten.
Es ist vermessen, mir das zu zu muten,
Welt zu sortieren in nur 15 Minuten.
Wer steckt das Ziel, wer legt die Routen?
Wer ist der Täter und wer muss dafür bluten?

20.00 Uhr,
ich seh´ die Nachrichten,
frage mich worauf muss ich verzichten?
In dieser Hand voll von erlesenen Berichten
kann man nicht ein Weltbild verdichten.
Was seh´ ich nie? – Was wollen sie belichten?
Was bleibt im dunkeln? – Was können sie vernichten?
Was geschieht, wenn sie uns ausrichten,
auf ihre Ziele und auf uralte Pflichten?

20.00 Uhr,
jeden Tag `ne viertel Stunde
ist viel zu wenig, doch reicht es im Grunde,
zu manipulieren mit charmantem Munde,
uns zu übermitteln die wahrhafte Kunde,
uns klar zu machen – da ist die Wunde,
die Heilung erfolgt – Runde für Runde
und doch letztendlich nur aus einem Grunde,
wer sich danach richtet, der ist der Gesunde.

Termine 2012

TS, 14. Dezember 2011, 11:33
2011
Dez 14

Mittwoch, 29.02.2012 – Hotel St.Georg – Ghersburgstr. 18

83048 Bad Aibling JAV Konferenz -

Sonntag, 11.03.2012 – Brunsviga – Karlstraße 35

38106 Braunschweig Satirefest

Samstag, 17.03.2012 -

Neuwied Wahldelegiertenversammlung

Donnerstag, 15.11.2012 - Samstag, 17.11.2012-

Willingen -VL-Konferenz

14. Türchen 2001

TS, 14. Dezember 2011, 06:04
2011
Dez 14

SAG: “NEIN!” 2001

Sag´ `s noch mal mein Freund,
sag´ es wieder !
Ich habe es so oft gesagt,
ich schrieb darüber Lieder.
- Ist egal mein Freund,
sag `s noch mal mein Freund,
sag es immer, immer wieder!
- Ich kann mich nicht mehr hören mein Freund,
ich bin mir selbst zuwider,
ich sagte es zu oft, ich sang,
ich schrie und brüllte sie schon nieder.
- Ist egal mein Freund, bitte tu es wieder,
sag´ `s noch mal,
du hast keine Wahl,
leg nicht deine Waffe nieder.
Sag´ es immer, sag es immer, immer, immer wieder…
Sag´: „NEIN“, mein Freund, wenn sie Menschen brechen.
Sag´: „NEIN“, wenn sie von Kriegen sprechen.
Sag´: „NEIN“, wenn sie die Freiheit knebeln.
Sag´: „NEIN“, wenn sie an ihren Hebeln
immer noch mit Macht und Kraft
das zerstören, was Frieden schafft…
SAG´: „NEIN !!“ … mein FREUND!

13. Türchen 2001

TS, 14. Dezember 2011, 05:29
2011
Dez 14

ICHE UNDS DUSEN 2001

 

Im Stamm der Iche,
die da leben in Egoistien,
ist jeder sich das Wichtigste,
hat jeder Ich nur sich im Sinn,
bevor die Ichs was machen,
was allen Ichen nützt,
sieht jeder Ich erst einmal zu,
dass er sein Ich beschützt.

Beim Volk der Dusen,
die da leben im Tududastal,
ist jedem Du das eigene Tun
die allergrößte Qual,
bevor der Du was tut,
was allen Dusen dient,
sieht jeder Du erst einmal nach,
ob ein andrer Du beginnt.

Und zwischen Egoistien
und dem Tududastal,
da lebten stolz
die Wirs und Uns,
denen waren die Ichs und Dus egal,
die hatten stets nur eins im Sinn –
das Wohl des Staates Wirunsien.

Ich wünschte mir
so manches Mal,
in Egoistien und im Tududastal,
ein bisschen Uns, ein wenig Wir,
ohne dass ich mein Ich verlier´,
und weil die Ichs und Dus so sind,
fängt das erst an wenn ‘s ICH beginnt.

Adventskalender 2010

TS, 12. Dezember 2011, 12:47
2011
Dez 12

Unter der folgenden Adresse ist der gesamte Adventskalender 2010 noch aktiv –

Dank an Hans Kottke und viel Spaß damit !!

http://www.hanskottke.de/wordpress/?p=1442

12. Türchen 1999

TS, 12. Dezember 2011, 03:50
2011
Dez 12

KRIEG, HÖR ZU!

Krieg, hör zu! Mich kriegst Du nicht !
Krieg dich wieder ein!
Krieger bin und war ich nicht
und werd´ ich niemals sein.

Nie im Leben Uniform,
niemals ein Soldat,
niemand spannt mich jemals ein,
in diesen Apparat.

Nie im Leben stumm gehorchen
oder funktionieren,
keines Falles blind vertrauen
und stramm mitmarschieren.

Niemals einen Menschen töten,
auch nicht auf Befehl,
niemals folge ich Regenten,
auch nicht wenn ich sie wähl´.

Krieg hör zu! Dich gäb´ es nicht,
wenn es sie nicht gäbe,
keiner würde sterben wollen,
nur damit ich lebe.

Niemand hier verteidigt uns
nur aus Nächstenliebe,
alle diese kämpfen auch
für das Machtgeschiebe.

Frieden ist zu kriegen,
nur ohne jeden Krieg,
Krieger sind zufrieden,
wenn sie kriegen ihren Sieg.

Sieg am Ende eines Krieges
heißt, wir haben was verloren,
Menschen sind gestorben,
die nicht dafür geboren.

Also Krieger kriegt die Kurve,
Krieg kriegt keine Macht,
wenn kein Krieger dieser Erde
Kriege möglich macht.

KRIEG, HÖR ZU! 1999
80

11. Türchen 1999

TS, 11. Dezember 2011, 13:27
2011
Dez 11

IRGENDWELT

Irgendwer schuf irgendwann irgendwie die Welt,
irgendwo hat irgendwer die dann hingestellt.
Vielleicht in ein Terrarium, vielleicht in ein Regal,
vielleicht schmiss er sie auch ins Klo
und dachte mach`s nochmal.
Vielleicht war es ein Prototyp – ein kläglicher Versuch,
vielleicht geschah´s aus Rache und war ein böser Fluch.
Vielleicht war es ein Unfall, ein zufälliges Produkt,
vielleicht ist es ´ne Raubkopie, geklaut und abgeguckt.
Vielleicht, vielleicht, vielleicht auch nicht,
wer wird das je erfahren?
Wir grübeln doch schon lange hier,
nicht erst seit ein-, zweitausend Jahren.

Irgendwo fing irgendwer irgendwas mal an zu zählen
und nur weil ´s nun 2000 sind, soll mich das etwa quälen.
Irgendwie ist ´s irgendwo irgendwem egal,
ob eins, ob zwei, ob endlos viel, es ist doch bloß ´ne Zahl.
Irgendwer, wenn es ihn gibt, hat nicht mal mitgezählt,
der hat für uns mit Sicherheit ´nen anderen Plan gewählt,
der wird vielleicht mal irgendwann beim Aufräumen oder so,
in seiner alten Kammer oder in seinem Büro,
mit Staunen oder Entsetzen, Erschrecken oder Stolz,
bemerken was wir treiben und denken: „Ach was soll´s,
der alte Kram, der kann jetzt weg, das ist doch längst veraltet,
dann gehen hier die Lichter aus, weil er sie uns abschaltet.

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